Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-01-01 · Nr. 8 - November · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 8 - November
Article
Beilage zu Nr. 8
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal additional
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4864325-6028963-6074096-6074097--0767-4864925
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

in uns zurücklassend. Was hatten diese Manner uns und dem Orden noch leisten können, wenn ihnen auch nur noch ein Decennium der Gesundheit von der Vorsehung beschieden gewesen wäre, und mit Recht brachte d£r Trauerredner in der Berliner Gedenkfeier vom :i0. Januar den schmerzlichen Gedanken zum Ausdruck, dass zu den schwersten Verhängnissen, -die Gottes, uuerlörschlicher Kathschluss über unser Volk bestimmt, der Moment zähle, dass die Mehrzahl unserer hervorragendsten Männer in der Blüte der. Jahre der jüdischen Gesarnmtheit entrissen wurden. Wenn der Trauerredner im alten Israel an der Bahre eines Grosseh stand., so schloss' er seinen Nachruf mit den Worten : ..Die Vorsehung, die immer und immer wieder unausfüllbar erscheinende Lücken in ferne! ergänzt Und ausfüllt, sie schaffe auch für diesen schweren Verlust ''Ersatz und Trost!" Lassen Sie uns 1.- Br. in dem Gebete vereinen, dass unserem Orden n c ii e Männer erstehen mögen, die sich als würdige Nachfolger eines Flügen Merzbacher, Julius Plotke und Leo N. Levi erweisen, lassen Sie uns aber gleichzeitig geloben, dass wir die Aufgaben, tlie sie uns unerfüllt zurückgelassen haben, auf unsere schwachen Schultern nehmen und zu einem glücklichen Ende zu führen versuchen wollen, i III. „Fulgura frangö/' ..Die Macht der Blitze suche ich zu brechen." Als im vorigen Jahre um die gleiche Zeit das Arbeitsjahr der deutschen Logen zu Knde gegangen war und Anfangs April die Installation der Beamten für den neuen Termin unter den übliche;! Glück- und Segenswünschen erfolgte, da drang wenige Tage später zu uns eine Schreckenskunde aus dem Osten und diese Schreckenskonde. die uns, obgleich wir seit dem Jahre 18S2 an Judenverfolgungen in Kussland gewohnt und gegen deren Schrecknisse abgehärtet waren, so eigenartig erregte und bewegte hiess Kisehinew. . .„Gefährlich ist's den Leu zu.wecken, V erderblich ist des Tigers Zahn; Jedoch der schrecklichste der Schrecken. Das ist der Mensch in seinem Wahn." Der Wahn der blindgläubigen irregeleiteten Menge, der mittelalterliche Glaube an das l hristenblut. das die Juden zu ihrem Feste'ben«ithigen, war wieder einmal von gewissenlosen Agitatoren und Hetzern unter den rohen lind ungebildeten Pöbel der bessarabischen Städ.tc geschleudert worden und die Folge davon wär ein Judenmassacre, wie es an die trübsten und. finstersten Zeiten des Mittelalters erinnert. Mehr als hundert Juden waren getötet, mehrere Hundert schwer verwundet. ctwa'2uCK) Familienväter an den Beitel; st.ib gebracht worden und diejenigen, weicht- :-jjit} Ordnung. ..die segensreiche I limmclstoehtcr" auf recht zl erhalten berufen gewesen wären", hatten . geschwiegen, geschmunzelt und beifällig genickt', wenn ihn alter Jude geblendet,, etil jüdisches" .Mädchen ' vergewaltigt, «las Hab' und Gut der Juden geplündert wurde, wenn statt der friedlichen Osterglocken die Glocke des Aufruhrs und; der Empörung geschwungen wurde. Soll ich Ihnen-.all die Schrecknisse, wie sie . in einem soeben ver-. offentlichten Berichte unsers damals-im Auftrage der Grosslogc nach Kisehinew entsandten Br. Siegmund Berge! so anschaulich zusammengestellt sind, hifcr vorführen: Mit Nichten, es. Würde vein. zu schwerer Schatten auf unser Fest fallen!- Was ich Ihnen aber hier vorführen m'uss. das ist -die spontane Bereitwilligkeit und Hingäbe, mit wt-IchCr diedeutschen Logen ihre Aufgabe ..lulgiiral'rängeri?" die Wucht der zündenden Blitze zu mildern, erfassten und begriffen. Mehr als öOOOO'.Mark wurden binnen wenigen Wochen von■ dOn l nterstützungsausscluissen der deutschen Logen an die Grossloge /ur Vcrthcilung an die ungjücfdidieji Opfer überwiesen und die Höhe der Beträge die von einzelnen Brüdern an andere Sarhmels.tellen. an den Hilfsverein der deutschen ■Juden, an. die Alliance Israelitc zu dem gleichen Zwecke abgeführt wurden, wird von Kundigen'. auf circa •20000 Mark taxiert. . . . ' '- Während die europäischen Juden ■iltr Portemonnaie zogen und nur einige _ Leitartikel" in grossen deutschen Zeitungen der allgemeine« Empörung über diese Greuel Ausdruck, verliehen, ging man drüben in Amerika einen Schritt weiter und ha n «leite.- L'nd . als , Resultat - dieses Handelns, als Symptom, wie man', d r ü ben die Aufgaben der Logen '..fulgura frangere'' auftasst und der Wiederkehr solcher Greuelthaten . vorzubeugen sucht, liegt uns der. Wortlaut deV Petition <ler amerikanischen Judehhcit ■ vor. 'die damals von den amerikanischen Biiei Briss'Logvir unter der Führung des G r o s s p s'i de titc n L e o N. I. e v i u n d d e s \i i z e - (i r o s s |) r ,-i s i«- J deuten S i m oji W o I f,. dem St;(atssucrct!n•_. des Auswärtigen Amts in Washington zur Leber1 mittlung an den Zaren unterbreitet wurde. Nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.