Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 8 - November
- Date
- 1904-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- 98 - Zum besseren Verständnis des Ganzen wollen wir auf das Wirken der verschiedenen Kommissionen näher eingehen: t Die Kommission für Geselligkeit entfaltete im vorigen Winter ein reges Leben; die von ihr veranstalteten Zusammenkünfte erfreuten sich eines recht zahlreichen Besuches, die Schwestern Ratten dadurch Gelegenheit, näher mit einander bekannt zu werden; im Kreise der Erschienenen wurde dann manche Anregung für die verschiedenen in Betracht kommenden Unterhaltungen der Schwesternloge gegeben und dadurch Hessen sich die- Nachmittage durch Vorträge, Gesang und Klavierspiel abwechselungsreich gestalten. — Im Monat Dezember ist von der Schwesternloge ein grösseres Fest, welches ausserordentlich gut besucht war, gegeben worden. Die Abendunterhaltung wurde .mit einer melodramatischen Auftübrung, aus Gesang und Tanz bestehend, eingeleitet, die Leistungen der Mitwirkenden fanden grossen Beifall. — Der letzte gesellige Nachmittag fiel mit einer Purim- Feier der schulentlassenen jungen Mädchen zusammen, über welche wir noch ausführlicher berichten. Während der Pfingstferien luden wir „unsere Kleinen", die schulpflichtige Jugend der Brüder und Schwestern zu einem Gartenfeste ein; mit Chokolade und Kuchen bewirthet, vergnügten sich alle Altersstufen bei Reigen, Gesang und Gesellschaftsspielen und kehrten, mit kleinen Andenken bedacht, vergnügt heim. Ein neues Vereinsjahr beginnt, hoffentlich interessieren sich die werthen Schwestern für alle Veranstaltungen auf geseüigem Gebiet und stehen uns auch sonst helfend und fördernd zur Seite. — i' II. Die zweite Kommission ist bestrebt gewesen, mit .den Wohlthätigkeitsanstalten und Vereinen in Verbindung zu bleiben, besonders schon deshalb, um der Aufgabe, junge Mädchen erwerbstähig zu machen, gerecht zu werden; in diesem Sinne hatten wir mehrfach Gelegenheit, mit Rath und That einzugreifen. < Dankend müssen wir der Mitarbeit der Kommissionsmitglieder erwähnen, die in jeder Beziehung eifrig für die gute Sache eingetreten sind: dem regen Interresse derselben verdanken wir es auch, dass einem erholungsbedürftigen jungen Mädchen die Mittel für die Reise zu Verwandten gewährt werden konnten, da die Krankenkasse die Betreffende abschläglich beschieden hatte. III. Ferienkolonieen. — Wir freuen uns, auch in diesem Jahre einen nicht mindergünstigen Bericht als im Vorjahre geben zu können. — Wir haben zwar nur die nämliche Anzahl Kinder nach Kolberg geschickt, aber die Gewichtszunahme war im Allgemeinen eine erfreulichere, wenn man die schwächliche Körperkonstitution der jungen Badegäste in Betracht zieht. Zu vier verschiedenen Zeitpunkten sind je vier Kurbedürftige nach Kolberg gegangen. — Die diesjährige Stadtkolonie bestand aus^45 Kindern. Die Gewichtszunahme war auch hier eine verhältnismässig beträchtliche, da einige 4, 5, 6, 8 und ein Mädchen sogar 9 Pfand zugenommen hatte. Die kleinen und grösseren Ausflüge, welche unsere Pflegebefohlenen, Knaben und Mädchen, unternahmen, benagten ihnen ausserordentlich. In ihrem Namen sprechen wir allen denen, welche das gute Werk in hochherzigster Weise durch materielle Beihilfe wie persönliche Theilnahme unterstützten, unseren aufrichtigen Dank aus, mit der Bitte, aujh in Zukunft der erholungsbedürftigen Schuljugend zü gedenken. IV. Die Unterrichtskommission, der auch die Fürsorge für schulentlassene Mädchen obliegt, waltete ihres Amtes wie im ^ergangenen Jahre; — zu den Unterhaltungsnach mittagen der schulentlassenen Mädchen * fanden sich jeden zweiten Sonntag 10 Teilnehmerinnen ein, während wir inj vorigen^Winter deren nur 12 zählten. Gelegentlich des Purimfestes wurde unter der Leitur^ mehrerer Logenschwestern und der Lehrerin Fräulein J a c o b i ein Benedix'scher Einakter eingeübt. Die' Aufführung dieses kleinen Lustspiels fand am Sonntag vor Purisn statt, die Mitwirkenden spielten mit Verständnis und ernteten reichen Beifall von Seiten der Eingeladenen unsererSchwestern und Brüder. — Um die schulentlassenen Mädchen auch während der Sommermonate im Auge zu behalten, versammelten sich die jungen Mädchen in den geschäftsfreien Stunden am Sonntag Vormittag in den Logenräumen, wo ihnen von einer Turnlehrerin Unterricht in gymnastischen Uebungen, Aufführung; von Reigen etc. erteilt wurde. Der von Fräulein J a c o b i geleitete Nachhilfe-Unterricht hatte während der Wintermonate gute Erfolge aufzuweisen, so dass die Zeugnisse der Kinder zu Ostem recht befriedigend ausfielen. — ' Von den Mädchen enthielt eine das Zeugnis Nr. 1, 3 das Zeugnis Nr. 2, 22 das Zeugnis Nr. 3, 4 das Zeugnis Nr. 4. Bei den Knaben lauteten die Zeugnisse wie folgt: 1 Knabe Nr. 1, 13 Knaben Nr. 3. Auf Letztere übte nach Aussage der Lehrerin der Nahhhilfe-Unterricht einen in jeder Beziehung sehr vorteilhaften Einfluss. — Von einer grösseren Chanukka-Feier wurde im vergangenen Jahre Abstand genommen. i V. Die Kommission für die Pflege der Schwachbegabten Kinder bestätigt gute Resultate, sowohl Aerzte als Lehrer bekunden, dass die bessere Pflege auf die Entwickelung des Körpers und Geistes wohlthätigen Einfluss hatte. Den in der Pflege befindlichen drei Knaben wurde im Frühjahr jeden Nachmittag noch je ein halber Liter Milch bewilligt; bei zwei Knaben wurde eine Gewichtszunahme konstatiert, während bei dem dritten der Pfleglinge Herr Dr. C a 1 v a r y nach eingehender Untersuchung beginnende Tuberkulose feststellte. Der Patient wurde wochenlang behufs Beobachtung im städtischen und jüdischen Krankenhause verpflegt, dann von der Landesversicherung auf drei Monate in ein Erholungsheim geschickt. Von dort als nicht geheilt zurückgekehrt, verpflegte ihn abermals die Loge bis zu seiner nach Kolberg auf Kosten der jüdischen Gemeinde erfolgenden Abreise. — Mit dem festen Vorsatz, uns solcher armen Kranken immer anzunehmen, gedenken wir unsere Thätigkeit fortzusetzen, wo und wann uns auch ein schwachbegabtes Kind zugeführt wird. Den geehrten Brüdern und werthen Schwestern für die hochherzige Bereitwilligkeit bestens dankend, schliessen wir den Bericht des zweiten Vereinsjahres und bitten, dem Wirken der Schwesterloge ferneres Wohlwollen und Interesse entgegen zu bringen. i Karl Friedrich-Loge. Wir veranstalteten anlässlich der Tagung der 4. Badischen Landes-Synode, welche zu ibrem Präsidenten unseren w. Expr&s. Br. Dr. Friedberg er-