Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 8 - November
- Date
- 1904-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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BERLIN, im November 1904. No. 8. Bericht der Grossloge für U. O. B. B. Nachdruck sämmtlicher Artikel aus diesen Berichten verboten. Fernsprecher: D. Wollt", VI, No. 4019, Wilhelmstrasse 118. Danksagung. Die erhebende Trauerfeier beim Hinscheiden meines unvergeßlichen Schwagers J u s t i z r a t Ii Dr. (S taub, das Bewusstsein, dass so viele liebe Bröder vou Herzen an der tiefen Trauer theilnahmen, war den. 'Leidtragenden eine tiöstende und schmerzlindernde Erbauung. * Während der vielseitigen Accorde. die zur Ehre des Entschlafenen ertönten, zogen die letzten Stunden des Dahingeschiedenen nochmals an mir vorüber. Wiederholt holte ich von seiuem Schmerzenslager die Wotte: ..Wenn ich doch meine Necrologe lesen könnte." Diese Aeusserung war nicht scherzhaft gedacht: es war den bange Zweilei des Sterbenden^- desseu Bescheidenheit und edler Sinn nicht genug. gerühmt werden können, ob sein Thun uud Leben der Menschheit genügte. Bedeutende Menschen findet man oft klein im häuslichen Kreise, anders Staub. So gross der teure Entschlafene auch als Anwalt und Gelehrter war, ungleich grösser war er was nur seinen Nächsten deutlich zu sehen vergönnt war — als Mensch, und von erhabener Grösse war er als leidender Mensch; auch in seinen schwersten Stunden nur den Blick auf das Grosse gerichtet, nur zarte Rücksicht auf seiue l mgebung uud• Sorge— nicht um sich — sondern wegen des Schmerzes, der seinen Lieben bevorstand. — Nach alledem hotte ich. nicht missvei:standen zu werde», wenn ich meinen innigen Dank und meine Anerkennung für die imposante Feier voll Trauer aber auch voll Stolz in die Worte zusammen fasse: „pie Feier war Staub's würdig." ' . '-. Ich bitte, den lieben Brüdern, den Vertretern der Schwesterlogen, sowie der hoclrwürdigen Gtrossloge ausern tiefgefühlten innigen Dank übermitteln zu wollen.; Namens der Hinterbliebenen mit bestem. Br.udergru«s . | In W. B. u. E. .': Schindler. Rechtsanwalt. \ Installation der Eduard Lasker-Loge i in Bromberg. Der Grosspräsident, Br. Timendorfer hielt an die Petenten folgende Ansprache : Sie haben an die Grossloge des Unabhängigen Ordens Bnei Briss das soeben verlesene Ersuchen gerichtet, als Brüder unserem Bunde beizutreten und hier eine Arbeitsstätte des achten Distrikts zu errichten. Wir sind Ihrer Aufforderung gefolgt, mit Freuden gefolgt und sind zu dieser Stunde bereit, Sie als 63. Loge im Deutschen Dirtrikt unter dem von Ihnen selbst gewählten Namen ,,Eduard Lasker-Loge11 zu installiren. Der von Ihnen gewählte Name, er hat in dem Herzen der Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses freudigen Widerhall gefunden, denn wenn irgend Einer ehrende Dankbarkeit seitens der Juden verdient, so ist es Eduard Lasker, der zu den guten, edlen und treuen Menschen des 19. Jahrhunderts gehört, welche daran gearbeitet haben, die Welt besser und edler zu machen. Es kommt noch als äusseres Moment hinzu, dass Eduard Lasker ein Sohn Ihrer Provinz gewesen ist und eine ganz besondere Genugtuung bereitet es uns, unter den Petenten einen Herrn zu sehen, der als politischer Nachfolger Laskers im preussischen Abgeordnetenhaus von uns erachtet werden kann. *) Benutzt sind die verschiedenen Eint'ührunJM-Anspracben. Aber nicht der Politiker Lasker ist es. der hier geehrt werden soll, sondern der Mensch und Jude Lasker. Und wahrlich, hätte Lasker gelebt und hätte er das Wachsthum unseres Ordens beobachten können..,, er wäre vielleicht einer der Unserigen geworden, dasbeweist sein Aufenthalt in Amerika vor seinem Tode. Denn dort hat er mit Vorliebe die amerikanischen Logen besucht und noch einige Tage vor seinem Tode hat er der Jahresversammlung des Mount-Sinai-Hospitals beigewohnt; ebenso der Jahresfeier der Libanon-Loge und er gab das Versprechen, bei einer Abendunterhaltung in der Akibaloge eine Vorlesung zu halten, als tl^^er unerbittliche Tod ereilte. So dürfen wir ihn wohl mit Recht als einen der Unsrigen bezeichnen. Freilich wird ihm de/r Vorwurf gemacht, dass er als Abgeordneter zu wenig die Interessen der Juden im Reichstag und Abgeordnetenhaus gefördert hat. Es wird Ihm namentlich der. Vorwurf gemacht, dass er bei der Berathung des Gesetzes'über die völlige Gleichberechtigung der Juden seine ganz kürze Rede mit den Worten begann: _ „Bei solchen Anträgen, die so nahe mich und meine Glaubensgenossen angehen, , nehme ich grundsätzlich nicht das Wort, weil ich meine, es könne scheinen, als ob ich gleichzeitig für meine Person spräche." Ganz gewiss ein unrichtiger Standpunkt und die heutigen