Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-08-01 · Nr. 6 - August · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 6 - August
Date
1904-08-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4864325-6028963-6074093--0730-4864891
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

BERLIN, im August 1904. No. 6. Bericht der Grossloge für Deutschland u. o. B. B. Nachdruck sämmtlicher Artikel aus diesen Berichten verboten. ■■' i: ■ , , Fernsprecher: D. Wolff, TI, Nö. 4619, Wilhelmstrasse 118: " Jacob Liebmann geboren 31. März 1837, gestorben den. 7. August .1904. - l* Eine kurze, aber tief zu Herzen gebende Feier war es, die am Sonntag, den 14. dieses Monats die Brüder der August Lamey-Loge in Mannheim vereinigte. Dem Andenken des abzu früh von uns gegangenen Expräs. Br. Jacob Liebmann war die Sitzung gewidmet, der die drei Söhne, ein Bruder, Schwager und der Schwiegersohn des Heimgegangenen beiwohnten. Expräs. Br. Dr. Jeselsohn ^eröffnete die ergreifende Totenfeier -nach dem neuen Trauer- Ritual der August Lamey-Loge, worauf die Leidtragenden in den Saal geführt wurden. Nach dem stimmungsvollen Trauerlied gelangte die Antheilnahme de'* Grossloge und der anderen Loge zur Vet lesung, dann hielt Br. J a c o b S trau s.s den Nachruf, den wir untenstehend wiedergeben. Br. Blum von der Friedrkh-LQge'in Heidelberg spiach zu Herzen gehende Worte uud brachte dps Ordens dankende Gefühle zum beredten Ausdruck; Br. Adler von der Karl Friedrich-Loge in Karlsruhe überbrachte den letzten Scheidegruss seiner Brüder. Das .Schlussgebet und nochmaliges Harmoniumspiel beschloss ieü Act uud mehr als Worte sagen können, sagte der Händedruck, mit dem wir von den Hinterbliebenen Abschied nahmen. Mit tiefer Bewegung sprach Br. Straiiss: Sommer ist's. Die vollen Aehren «neigen sich früchteschwer zur Erde und fröhlich klingt der Schnitter Lied im reifen Feld. Alle Müh'n, alle Arbeit und Sorgen sind vergessen, leichten Herzens und leichten Sinnseilen die Menschen zum Erntefest, um noch kurz vor Winters Eiqkehr die Sonnentage der Freude zu geniessen. Wöhr dem, den dies Erntefest reichlich lohnt für harte, schwere Arbeit und der am Feierabend beglückt und zufrieden seine Hände in den Schoos legen kann und zusehen darf, wie seine Kinder pflügen, säen und ernten wie er. Acht Tage sind vergangen, seit ein Schmerzensruf die sommerliche Stille unterbrach und unsägliches Leid Und Trauer über uns verhängte. Jacob Liebmann wurde abgerufen von dieser Zeitlichkeit, Jacob Liebmanh ist.heimgegangen in die ewige Heimat! Nicht krank noch schwach hat er uns verlassen, kein Vorbote meldete, ihm. nnd uns, dass es an's Abschiednehmen gehe — mitten in seinem arbeitsreichen Leben, gesund an. Geist und Leib, voller Hoffnung für die kommenden Tage, hörte das jugendliche Herz auf zu schlagen, verstummte der beredte Mund, erjosch das treue Auge. Im vollen Sonnentag der Freude, im arbeitsreichen Wirken und Schaffen ahnte Jacob Liebmann nicht-,'dass die Dämmrung nahe uud der.letzte Feierabend zur Heimkehr winke. Er konnte seine Hände nicht in den Schoos legen und zusehen, wie seine Kinder, seine Brüder das Feld bebauen, er fehlt beim Eirentanz am Erntefest. Er fehlt den Seinigen, er fehlt uns. Jacob Liebmann war ein Mann in des Wortes vollster, schönster Bedeutung — ,.wir werden nimmer seinesgleichen sehen!-' Als treu besorgter Gatte, als liebevoller Vater und Erzieher war sein Heim'ein Heiligthum, seine Familie sein Höchstes. Die Liebe, die er seiner Gattin, seiner Tochter, seinen drei Söhnen ^entgegenbrachte, wurden ihm überreichlich zurückgegeben und dieses. Uebermaass der Lisbe bekam sein jüngstes Kind, die August Lamey-Loge! In der Gattin sah er den Inbegriff der Tugeud, die mit nie wankender Treue ihm Stütze und Schirm war in den Kämpfeu ^des Lebens, die Tochter war ihm das Ideal, ein Traum von sittlich reifen Menschenthums, an dessen Verwirklichung er rastlos schaffte, und seiue Söhne waren die Begeisterung, mit der Kopf und Herz erfüllt waren, allzeit einzutreten für alles Hohe und Edle, für alles Gute und Schöne. ' I V * ' Ii *"■•".■ * " ,* So lebte Jacob Liebmann sein Leben, mit solcben Gedanken uud Absichten rief er uns in die Welt, seine geliebte August Lamey-Loge, uud. gab uns mit dem Namen unsere Aufgabe: Treue zur Tugend, zum Glauben, das Streben mitten in m a t e r i e 11 e r G e ge u w a r t nach i d e * 1 e n Z i e,l e n, M ut h uud ß h a r a k t e r f e s ti gk e i t. und nie versiegende Begeisterung für Judeuthum und Me u sc h h e i t! An dieser unserer Aufgabe arbeitete der nun Verblichene aufs Eifrigste mit, selbst ein selten leuchtendes Vorbild von Tilgend und Charakterstärke, von Wohlthätigkeit und Brudersinn. In ernster wie in geselliger Arbeit war Jacob Liebmann der erste, der kam, der letzte, der ging, immer mit dem antheilnehmenden jugendlichen Herzeu, mit dem geraden/ offenen Sinn. Verstand und Gemüth waren in seltener Harmonie bei ihm vereinigt und aus ihneu heraus entsprang ein Gefühlsleben, das beneidenswerth war. Und wo er im Kampf der Meinungen seine Stimme erhob, wo er anders dachte und fühlte, wie die andern, da hatte er nur die Sache im Auge und vermied dag Persönliche, er strebte nicht nach dem Beifall, den Ehrungen der Menge — klar und wahr gegen sich selbst, Gedanken und That männlich, offen und ehrlich — so führte er . uns all die Jahre her, so stand er seinem Kinde treu besorgt zur Seite. r "- /[

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.