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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-01-01 · Nr. 5 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 5 - Juni
Article
Beilage zu Nr. 5
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Himmels! Sonnenaufgang und t'ntergang, Ver heissung. und Erfüllung, Geburt und Tod, das ganze Drama der Menschheit, Alles ist in diesem l Suche. ■• Wenn Heine aber an derselben Stelle ferner sagt: ..Dieses Buch ist das Vätertand der Juden.' ihr Hesitz. ihr Herrscher, ihr (iliick und ihr Inglück : sie leben in den umfriedeten Marken dieses Buches, hier-üben sie ihr unveräusserliches IÜirgcrreclit. liier kann nun sie nicht verjagen, nicht ■verachten, hier sind sic.r stark und. bewundernswürdig. Versenkt" in die Lektüre dieses Buches. , bemerkten sie venig von den Yeninderungen, die um sie her in, der wirklichen Weit vorfielen :t Volker erhoben sich und .schwanden. Staaten blühten empor und erloschen. Revolutionen stürmten über den Erdboden .... sie aber, die Juden, lagen gebeugt über ihrem Buche und merkten nichts von der xvÜden'Jagd der Zeit, dieüber ihre Häupter dabin* zog.'' Dieses trifft zu auf unsre.Vorfahren, nicht mehr auf/die heutige Zeit. Hie Bedeutung hat die Bibel nicht mehr für uns. dass sie unseren ganzen Lebensinhalt ausmacht, und dass wir in dieses. Huch verdenkt, das Treiben der Welt an . uns ' vorüberbrausen Ii essen. Nein, wir stehen mitten im pulsierenden Leben, wir nehmen Theil am Leben der Nation, deren Angehörige wir sind Wir sind nicht mehr deutsche Juden, sondern jüdische Deutsche. Ist es doch die Hauptaufgabe' gerade unserer Loge , unser Deutschthum und unser Jtidenthum .zu pflegen. l'nd wenn man uns auch nicht allenthalben" im deutschen Reiche die Stellung einräumt, auf die wir als vollwcrthigc Deutsche ein Recht haben, das wird und musfi besser wcrdctV das kann und darf uns nicht hindern, stets nach dem Worte Schillers zu handeln, einem Wortef" welches wir uns auch dann in das Gedachtniss rufen wollen, wenn n einmal infolge schlimmer Erfahrungen, die jawohl Keinem von uns erspart bleiben, auf einen Augenblick fast verzweifeln möchten an der Hoffnung, in absehbarer Zeit die völlige, vor Allem die soziale Gleichstellung zu erlangen ich meine das Wort: \1 * wT * ' ' * ..Ans Vaterland, ans teure, schliess' Dich an. das halte fest mit Deinem ganzen Herzen. Hier sind du,- starken Wurzeln Deiner Kraft." l'nsere besondere Lhrenpllicht aber ist es , und ihr zu folgen steht mit dem Wesen des Deutschthums nirgendwo in Widerspruch ich verweise Sie auf me jüngste Rede unseres Kaiserin Losen es ist unsere Pflicht auch des glorreichen "Volkes zu gedenken, dem unsere Vorfahren entsprossen sind, des jüdischen Volkes das zuerst der. Menschheit die Erkenntnis« Gottes und höhere moralische Weihe gebracht hat, des Volkes, mit welchem w ir spaten Lnkel noch heut . wie mit tausend unsichtbaren Kaden verknüpft sind : seine grosse Vergangenheit uns stets vor Augen zu halten, sein reiches Schriftthum uns zu eigen zu machen, fand unter diesem vor Allein die Bibel, das Buch der Bücher, das kostbarste Erbe unserer Vater. Lassen Sie mich mit einem Worte aus Goethes Laust schliessen,, das zwar oft citirt. aber nirgends mit mehr Recht angewandt werden kann als auf uns Juden und unsere Bibel: ..Was du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es. um es zu besitzen. X, Buchdruckerei Max Cohn (hih. A. M. BroUacz^. Berlin b\V., Kitterstr. 78. — 34 —

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