Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1904-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— J trauischen Mädchen allmählich auftauten und .-ich heiter und harmlos gaben. Sie haben uns vielfach versichert, dass sie sich die ganze Woche über auf den Donnerstag Abend freuen, una* die Besuchszitfer wies durchschnittlich 14 — 15 Mädchen pro Abend auf. Unter Aufsicht von zwei Schwestern als Empfangsdamen wird au den Heimabenden eine zwanglose Geselligkeit gepflegt. Nachdem bei heiteren oder ernsten Gesprächen eine Tasse Thee oder Cacao eingenommen ist, wird gespielt, im Chor gesungen oder vorgelesen. Einzelne begabte Mädchen, zuweilen, auch die Empfangsdamen, trugen Gedichte, Lieder oder Klavierstücke vor, und sind stets i sicher, eine dankbare Zuhörerschaft zu haben: Für viele unserer Besucheriunen sind diese Donnerstag- Abende Lichtblicke in ihrem harten, arbeitsreichen Leben. Drei stellungslose Verkäuferinnen haben durch die Bemühung eines unserer Mitglieder schnell eine Stellung erhalten. In der < hanukawoche hat auch im Heim eine gut besuchte Feier stattgefunden. Der Fraternitas-Loge sind wir bei der Ausbildung von Ferienkolonisten behilflich gewesen, eine zweite Aufgabe für uns. Die Hauptthätigkeit bestand darin, durch Einrichtung eines Wäschedepots einem fühlbaren Mangel der Kolonisten an Leibwäsche abzuhelfen. Ein .aus ~> Damen bestehendes Comite leitete gemeinsam mit dem Ferien'.-Kolonie- Comite der Fraternitas-Loge die Abfahrt und Ankunft der Kinder auf den Bahnhöfen, stellte die Gewichtszunahme fest und besuchte in der Ferienzeit einigemal die Kolonien. — Im zweiten Jahr hat sich der Besuch der Heimabende gegen das Vorjahr bedeutend gesteigert, im Durchschnitt 20, die Höchstziffer betrug 2'.). Es sind 27 Heimabende abgehalten worden. Es sei noch erwähnt, dass ausser den Heimabenden den Mädchen Zutritt zu den von der Fraternitas-Loge veranstalteten Vorträgen und zu den von dem Schwester.ii verein arrangierten Konzerten geboten wurde; auch wurde ein Abend durch einen Vortrag des Br. Dr. Cohn ausgefülft, ebenfallls wurde eine Chanukafeier durch Br. D r. W i n t e r und seiner Frau in schöner und würdiger AVeise veranstaltet. Wie im vorigen Jahre arbeiteten wir mit der Fraternitas- Loge für die Färien-Kölonien. Aach die Geselligkeit haben wir gepflegt, wir hatten ein gut besachtes Vormittags- und Abendkonzert. Nachdem wir im ersten Jahr festen Fuss gefasst haben und durch die Erfolge ermtfthigt worden sind, können wir unsere frühere Hoffnung als jetzige Gewissheit 'eststeilen. Wir haben durch ruhige, zielbewusste Arbeit unsere Gegner in Freunde verwandelt, und manche unserer, mißtrauischen Mitglieder gezwungen, Anhängerinnen unserer Idee zu werden. Unsere Einnahmen betrugen 867 Mark, die Ausgaben 836 Mark. Zu dem Bericht des Dresdner Schwestern Vereins erlaube ich mir zu bemerken, dass der Frauenverein allmählich mehr Heimabende einrichten möge; zunächst noch einen in der Woche. Für den Sommer empfehle ich gemeinsame Auszüge am Sonntag Nachmittag in die Umgegend unter Führung von Damen und Brüdern. Derartige Ausflüge sind in ihrem Werthe für die Gesundheit und Gemütiisstimmung von sehr grossem Nutzen und sollten planmässig für den ganzen Sommer organisirt werden. Dresden ist dafür besonders bevorzugt. Sodann glaube ich, dass in Dresden es noch mehr junge Mädchen in beruflicher Stellung geben wird; diese sollten aufgesucht und herangezogen werden. Aber auch junge Damen aus höheren Berufen, deren es sicher dort Viele giebt, sollten für die Heimabende gewönnen werden. Es hat sein Gutes, sie bringeu mehr geistiges Lebeir und bessere Lebensart in diese Kreise, sie wirken dadurch erzieherisch auf die Anderen, die durch den Verkehr geistig, sittlich und ästhetisch gehoben weiden. Ferner müssten die Damen sich um die Mädchen in jeder Beziehung kümmern, wie sie wohnen, welchen Umgang sie haben, wie sie verpflegt werden, welche Fortbildung sie geniessen etc.. Die heutige Zeit verlangt in jedem Beruf tüchtig ausgebildete' Menschen, die mit vielen - Kenntnissen und Fähigkeiten ausgerüstet sein müssen. Das Angebot ist gross, die Ansprüche an die Leistungen der Mädchen steigern sich von .Fahr zu Jahr und bei der-grossen Auswahl werden nur die Besten ausgewählt. Wir Juden müssen umso mehr leisten als die Andern*,' um beachtet zu werden; und gerade wir sollten eine Ehre darin setzen, dass unsere weiblichen Angestellten makellos in jeder Beziehung dastehen. ' \h. Maretzki. Aus den Logen des VIII. Distrikts. Behrend Lehmann - Loge in Halberstadt. Wir haben über einen längeren Zeitabschnitt Bericht zu erstatten. Abernicht] Lässigkeit ist es, die uns schweigen Hess, sondern es war der Gedanke, dass unsere .Monatsberichte einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Schwesterlogen sur herstellen können, wenn \xsie fruchtbringende Ideen zur allgemeinen LMscussion stellen, oder über die "praktische Verwirklichung irgend [welcher Bestrebungen berichteu können, welche sich zum allgemeinen Arbeitsfeld unseres Ordens eignen. Wenn dieser Gesichtspunkt mehr betont wird, so werden die Monatsberichte ihrem Zwecke besser dieuen als durch Berichte über den Verlauf von Festlichkeiten und die Wiedergabe selbst der schönsten Festreden. Deshalb gerade scheint uns weise Beschränkung in der Berichterstattung der einzelnen Logen geboten zu sein. Von Allem, was unsere Loge in mehr als sechzehnjährigem Bestehen erstrebt und verwirklicht hat. war der fruchtbringendste Gedanke: Die Begründung eines Verein« jüdischer junger Kaufleute. Dieser Verein, der sich in Anlehnung an den Namen unserer iioge — Behrend-Lehmann- Verein nannte, entsprang der Initiative unserer Loge;'unsere Loge stellte ihm seine Rä(ume gastlich zur Verfügung, fast alle BBr. gehören dem Vereine als beitragende Mitglieder an und widmen sich mehr oder weniger aufch persönlich der Mitarbeit am Leben des Vereins. Mehrere BBr. gehören dem Vorstande dieses Vereins an und hat speziell der Vorsitzende des Vereins, unser Br. Gottfried Goldscbmidt, seit Bestehen dieses Vereines. mit seltener Opferwilligkeit und/- ausserordentlichem Geschicke sich in den Dienst dieser Be- , strebung gestellt. Der Berend -'Lehmann Verein hält Vortragsabende ab, an denen sowohl Themata aus dem Gebiete allgemeinen Wissens als auch ganz besonders Gegenstände . aas der jüdischen Wissenschaft behandelt werden. An die. Vorträge, die zum grossen Theile von Veremsmitgliedern gehalten werden, schliessen sich fast immer anregende Discussioneu. Auch belehrende. KHrse hat der Verein schon nach Bedürfniss veranstaltet. . Neuerdings wird der Verein sich auch ein ständiges Lesezimmer einrichten können. Es ist dem Vereine, der nur einen Vorgänger in dem Frankfurter Montefiore-Vereine hatte, gelungen,'-fast alle Kreise,