Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1904-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— L>6 — ersten Abend in einem Vortrag über das Thema: „Was will und soll unser Orden" die Frauen mit unseren Zielen unc unserer Thätigkeit bekannt gemacht und nachdem Br. Rabb. Dt. Seligmann am zweiten Abend zu den Frauen über ..Die socialen Aufgaben der jüdischen Frau4gesprochen, haben unsere Damen, zunächst die Zuhörerinnen, sich «entschlossen, 'einen geistigen and ethischen Zusammensehluss auch der Frauen unserer Loge hier in Frankfurt herbeizuführen und zu diesem Zwecke eine Frauenvereinigung der Frankfurt-Loge zu begründen. In der konstituirenden Versammlung, welcher Ca. 150 unserer Damen beigewohnt haben, sind alle oder doch last alle Erschienenen dieser Frauen-Vereinigung beigetreten: es steht zu hoffen, dass auch alle noch nicht beigetretenen Damen sich den beigetretenen auschliessen werden, und es ist nicht zu bezweifeln, dass sich aus diesem Zusammenschluss ein reicher Segen ergeben kann für die Arbeiten, deneu wir Männer uns gewidmet haben; denn die Frauen gewährleisten uns die Jugend und die Jugend die Zukunft. Unser Unterstützungsausschuss hat in den ersten 11 Monaten des vergangenen Jahres bereits 9360,40 Mark an Unterstützungen verausgabt und zwar 2635,— Mark an Studien-Stipendien^ und 6075,40 Mark an Gaben zur Stütze schwankender oder zm' Wiedererlangung verlorener Existenzen sowie an gemeinnützige Vereine und Anstalten. Im vorigen Jahre betrug die Summe der Unterstützungen 5725 Mark, im Jahre 1001 7370,50 Mark. Erfreulich ist auch das Wachsen der Spenden der Brüder für den Unterstützungsfonds von .5565 Mark, in 1001 auf 3941 Mark in 1902 und '5'281 Mark bis ultimo November 1903. Zu dem schönen Resultate der Erweiterungen der Unterstützungen hat auch ein Anwachsen des Logenfonds in diesem Jahre in etwas beigetragen, insofern, als die statutengemäße Ueberweisung aus dem Logenfond an den Unterstützungsfouds etwas höher war als im Vorjahre, und, zwar um etwa 200 Mark. Auch der Gamburg- und'der Dr. Heinrich Heinemann- Fonds konnten in diesem Jahre in einer ihren edlen Zwecken entsprechenden Weise helfend und namentlich wissenschaftliche Zwecke fördernd eingreifen. Ebenso wie ihre Fonds ist auch der Witwen- und Waisenfonds durch Spenden der Brüder gestärkt, der Witwen und Waisenfonds .um 1149 Mark, während aus diesem Fonds glücklicherweise auch in diesem Jahre nichts Verausgabt zuwerden brauchte. Wie, Ihnen wohl bekannt, betheiligen sich an dem von unserer Loge inaugurirten Arbeitsnachweis nunmehr auch der israelitische Hilfsverein und der israelitische Handwerkervemn dahier. , Das von den genannten drei Institutionen eingerichtete Arbeitsnachweisbureau hat sieh im vergangenen Jahre weniger nach Richtung der Unterbringung von männlichen und weiblichen jüdischen Arbeitskräften als nach Richtung der Fürsorge für die bei Handwerkmeistern untergebrachten jüdischen Lehrlinge, Lehrjungen und Lehrmädchen, bestätigt. Während die Zahl der untergebrachten Arbeitssachenden kaum 25 beträgt, sind 44 junge Leute in ihrem Streben nach Erlernung eines Handwerks beaufsichtigt und gefördert worden; auch ist vereinzelt Handwerkern Handwerkszeug, Maschinen und Material gegeben worden. Die geringe Zahl der untergebrachten Arbeitssuchenden hat ihre Ursache zu einem guten Theil in dem geringer gewordenen Zuzug ausländischer Glaubensgenossen. Die erwirkte Unterbringung der Wenigen war aber eine lohnende und, soweit sich bis jetzt übersehen lässt, eine dauernde. In Erwägung aller Umstände sind diejenigen unserer Brüder, die sich an dem Arbeitsnachweis betheiligen, übereinstimmend der Ansicht, dass das Arbeitsnachweisbureau fortbetrieben und nicht etwa aufgelöst werden solle. Noch Vieles müsste ich im Einzelnen anfüliren, wollte ich ein absolut vollständiges Bild der Thätigkeit der Frankfurt- Loge im abgelaufenen Jahre geben, doch ich will schliessen, um unseren lieben Festredner zu Worte kommen zu lassen, schliessen wir mit einem Danke [und einem Wunsche: dem Danke an alle Brüder und Schwestern, die zu dem guten Gelingen beigetragen haben und]*dem Wunsche, dass die Fratikfurt-Loge am Schlüsse eines jeden Jahres mit der gleichen Befriedigung über ihre Thätigkeit berichten könne wie am Schlüsse dieses Jahres und stets nur Fortschritte und Erfolge zu verzeichnen haben möge. . Das walte Gott! Unltasloge Strassburg i. Eis. Auch in diesem Jahre haben wir einen erfreulichen Fortschritt in der Entwicklung uuserer Loge zu verzeichnen. Unsere Mitgliederzahl hat das erste Hundert überschritten. Andererseits haben wir auch dieses Jahr Verluste lieber Brüder durch Tod und Wegzug zu beklagen. Br. Privatdozent Dr. Friedländer, der trotz seiner kurzen Zugehörigkeit zur Loge sich um die Entwicklung ihres geistigeti Lebens grosse Verdienste erworben hatte, wurde uns durch seine Berufung an das Jüdisch-Theologische Seminar in New-York entzogen, Die Loge verdankt ihm ausser zwei sehr gehaltvollen Vorträgen über „Hebräisch als moderne Sprache" und „Babel und Bibel" die Einrichtung von regelmässigen Revuen über wichtige Tagesereignisse im jüdischen Leben. Diese Revuen, durch seinen Weggang unterbrochen, sollen baldthunlichst wieder aufgenommen werden, und empfehlen sich unseres Erachtens sehr zur Hebung des Interesses sowohl am Logenbesuch wie andererseits an den Vorgängen im Leben der jüdischen Gesammtheit. An Vorträgen hörten wir ferner eine Recitation des Rhetors Schaeffel sowie einen hoch- » interessanten Vortrag von Br. Dr. Simchowitz-Köln über „Zang-wilhv Ghettonovellen". Vor kurzem hatten wir die "l Freude, den hochw. Grosspräs, in unserer Mitte begrüssen zu dürfen, der den dringlichen Worten, mit denen er in der Loge sich über die nächsten Aufgaben des Ordens verbreitet hatte, vor offener Loge einen lichtvollen Vortrag über Gutzkows „Uriel Akosta" anschloss. Wir erwähnen ferner die in geschlossener Loge gehaltenen Referate von Br. Dr.Weil über* den „Stein der Weisen" von Br. Rechtsanwalt Levv, (Referat) und Br. M. Weil II (Korrelerat) über den Zionismus — eine Diskussion dieses Themas fand laut Logenbeschluss nicht statt. — Die Anwesenheit der Br. Br. Joachim, Placzek und Beer, anlässlich des Anwaltstages gab uns Gelegenheit- I iese Brüder in einer ausserordentlichen Sitzung begrüssen und regen Meinungsaustausch mit ihnen zu pflegen. Auch unsere Loge ist seit jeher von der Erkenntniss durchdrungen, dass es wesentlich die sociale Arbeit ist, welche < ie Hauptaufgabe der Logen bildet und unser Reqht wie unsere Pflicht zum Zusammenschlüsse begründet. Auen nach dieser Richtung können wir mit Befriedigung aufdas letzte