Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1904-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4864325-6028963-6074086--0648-4864815- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
BERLIN, im Februar 1904. - No. 2. Bericht der Grossloge für Deutschland U. O. B. B. Nachdruck sämmtlicher Artikel aus diesen Berichten verboten. Fernsprecher: D. Wolff, VI, No. £619, Wilhelmstrasse 118. . Die diesjährige Tagung der Grossloge. Die kürzlich geschlossene Sitzung der Grossloge bot in mancher Beziehung ein vom bisherigen Verlaufe abweichendes Bild. Sie wurde viel früher als üblich einberufen.. Seit dem Jahre 1894 trat die Gross-Loge mit Ausnahme der Special- Sitzung vom 20. Februar 1898 im Mai oder Juni zusammen. So mancher Repräsentant ist zu der Anschauung gekommen, dass durch den so Oberaus frühen Termin die Materien für die Berathung nicht genügend vorbereitet sein konnten. Und in der That war es dem Sekretär nicht möglich, den alljährlichen Bericht über den Stand der Logen zu geben, weil ein grosser Theil der Logen mit den Berichten ausgeblieben ist, ein Uebelstand, den der Gr.-Präs. noch besonders hervorgehoben hat. Es müssen, da die Klagen über mangelhafte Berichterstattung von Seiten der Logen von Jahr zn Jahr zunehmen und dadurch die Uebersicht sowie deren Folgerungen fast lahm gelegt werden, Vorkehrungen getroffen werden, um diesem unerwünschten Zustand/ wirksam zu begegnen. Dieser Gedanke fand auch auf verschiedenen Seiten Anklang, und das Gen.-Com. wird sich noch mit dieser Sache zu beschäftigen haben. — Auch die Festlichkeit zeigte diesmal ein anderes Gesicht. Die fiel nicht ganz aus, denn die Berthold Auerbach-Loge hatte an sämmtliche Repräs. Einladungen zu ■ ihrem Winterfeste,, das sie absichtlich auf den Abend vorher gelegt hatte, ergehen lassen. Eine grosse Anzahl von Repräs. war der Einladung gefolgt, und das schöne Fest, erhöht durch die Betheiligung vieler auswärtiger Br. ist glänzend verlaufen; So nachahmenswerth diese Einrichtung ist, wird es wohl nicht immer gehen, da die Gross-Loge schwerlich wieder so früh tagen wird. — Sodann war die Gross-Loge sehr zahlreich, besucht, 87 Vertreter ohne die mandatlosen Expräsidenten. Die Halle schien sie kaum zu fassen, ein wahres Parlament. Und doch herrschte eine Ruhe und Aufmerksamkeit, um die uns manches Parlament beneiden könnte. Es spricht dies für die ernste und würdige Auffassung der Repräs. Und doch vermissten wir manchen lieben Bruder, der durch sein Ansehen, durch die Kraft seiner Rede, durch die geschickte Behandlung der Anträge, durch sein gewichtiges Wort, durch humorvolle Beleuchtung uns früher erfreut hatte. .Dafür konnten wir eine grössere Anzahl jüngerer Brüder begrüssen, die j uns die erfreuliche Gewissheit brachten, dass der Nachwuchs junger Kräfte für den Fortgang und das Gedeihen des Ordens sowohl an rednerischer Gabe, wie an sachlicher Debatte und gesunder Auffassung ein vielversprechender ist! — Ferner hat der Gr.-Präs. den Generalbericht nicht wie bisher vorgetragen, sondern den Br. gedruckt vorher zugesandt Sicher ist er dazu bewogen worden, um Zeit zu sparen. Man hatte von vornherein den Eindruck, dass die Absicht vorlag, die gesammte Tagesordnung in einer Sitzung zu erledigen, was trotzdem nicht erreicht wurde. Darum wurde auch die Redezeit auf 5 Minuten - festgesetzt-. Wenn auch unser Gr.-Präs. in liberaler Weise nicht streng verfahren ist, so konnten doch'viele Redner die Materien nicht in erschöpfender Weise behandeln. «Unwillkührlich fühlte" man sich beengt, und hastet sich selbst, um wenigstens das Wichtige hervorzuheben. Dazu kamen noch die schleunigen Schlussanträge, so dass man oftmals das Gefühl hatte, dass die Debatten nicht in die Tiefe drangen. Und trotzdem hat der Bericht des Gen.-Com. die längste Zeit in Anspruch genommen, wenn ich nicht irre viel länger als in früheren Jahren. Hier brachte der und jener Repräs.' seine lokalen Schmerzen vor. Diese betrafen zunächst Dinge: die ein rein örtliches Interesse hatten, ohne die Allgemeinheit irgend wie zu berühreu. Nur bei einem Punkte wurde vielfach gewünscht, die lokalen Abgrenzungen der einzelnen Logen" und die damit verbundenen Rechte der Anwerbungen ganz aufzuheben, dass es jedem Candidaten gestattet sein soll sich zu melden, wo er Lust hat. Indessen kam man darüber glücklicher Weise zu keinem Beschlüsse. Denn diese Materie erfordert eine sehr eingehende Prüfung, da sich wohl Manches dafür.aber auch Vieles dagegen anfuhren lftsst. Ob es in der Zukunft zu vermeiden sein wird, die Berathung über den. Bericht der Gen.-Com. auszudehnen, steht dahin,, denn das ist doch die einzige Gelegenheit, Wünsche, Beschwerden vorzubringen. Vielleicht wird es durch die beschlossene Aenderung in der Organisation doch noch möglich werden. ... * *. Die Tagesordnung war sehr reichlich bedacht, wie jedesmal, und auch diesmal konnte man die gleiche Erfahrung machen, dass so Manches eigentlich nicht in die Gross-Loge gehört. Von den 15 Anträgen mit dem Nachtrag brauchten nur zwei der Gross-Loge vorgelegt zu werden, alle anderen konnten recht gut im Ausschuss oder Gen.-Com. erledigt werden, da es sich nur um Verwaltungssachen, Gesetzesbestimmungen, sogar Taktfragen handelte. Für die Zukunft müssen wir das entschieden zu vermeiden suchen. Somit waren es nur zwei Gegenstände, die ein allgemeines Interesse boten und eine grosse Tragweite für die Zukunft versprechen. Das eine war von ethisch erziehlicher Bedeutung. Es wurde beschlossen, die Bestrebungen zur Schaffung einer geeigneten Jugendliteratur zu unterstützen, die/Ausführung dem 'Gen.- Com. zu überweisen. Diese Sache beschäftigt seit Jahren die jüdische Welt in allen Lagern, ist ganz spruchreif geworden, so dass sich bei uns kein Widerspruch; erhoben hatte. Ebendahin gehört auch ein Besch!oss, die Geschichte des deutschen