Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4864325-6028963-6074083--0625-4864793
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

geradezu wohlthätiger, was die Person, ihr Aeusseres, ihr Gehaben, ihre Wohnräume, das ganze Milien anlangt. Um so furchtbarer ist der Contrast mit jenen zahllosen Orten, in welchen gleich einem Sumpfb )den Hunderttausende im Kleinhandel sich abmühen, um dahin zu siechen; umso grösser ist das Bedauern des Hilfsvereines mit Rücksicht auf seine zu geringen Geldmittel, von der Zuführung zum Ackerbau absehen zu müssen. Heute zählt der Hilfsverein, dessen Leitung fast ausschliesslich in den Händen der österr. BDei Briss Gesellschaften liegt, etwa 400) Mitglieler mit fast 40 000 K. Jahresbeiträgen. Diese relativ hohe Summe erreichte der Hilfsverein nur durch den Beschluss der österreichischen Grossloge, dass alle Mitglieder dieses Districtes Mitglieder des Hilfsvereins sein müssen. Dadurch erlangte er nicht bloss über 1000 zahlende Mitglieler, sondern überdies ebensoviele Agenten, von welchen jeder Einzelne seine nächsten Bekannten und Freunde dem Hilfsvereine als Mitglieder zuführt. Bedeutende einmalige Spenden erhielt er vom „Hilfsvereine deutscher Juden" in Berlin (10000 Mark) und von dem „Hilfscomite 4 in Frankfurt (2500) Mark). Durch diese UnteiStützungen war der Hilfsverein in den Stand' gesetzt, die genannten Hausindustrien einzuführen. Allein weiterhin wird es seine Schwierigkeit haben, Hilfsactionen, welche eine dauernde Belastung des Hilfsvereines erfordern, zu beginnen, wenn nicht die alljährlich regelmässige Einnahmesumme um ein ganz Bedeutendes erhöht wird. Wenn nun in Deutschland schon nicht ein gleicher Landes-H'lfsverein geschaffen werden konnte, so haben doch die Logen ein Instrument in der Form des „Hilfsverriues deutscher Juden", welcher nebst anderem das Hilfswerk in Galizien auf seine Fahne geschrieben, welcher eiue eigene galizische Ommission eingesetzt hat, welchem aber leider bisher Mittel für Galizien nur in ganz minimalen Beträgen zugeflossen sind. Da sollten die Brüder des Deutschen Reiches, die Logen und voran die Grossloge ansetzen, dem deutschen Hilfsverein sollte j;der Bruder in Deutschland als Mitgliec angehören und seinen Beitrag mit dem Vermerk „für Galizien'° zuführen, (Umit der deutsche Hü-svcrein so wie bisher auch iu Zukunft in der Lage ist, die Bestrebungen des Hilf>vereines in Wien, welche nach und nach immer grössere Summen erheischen werden, unterstützen zu können. Die galizische Commission könnte dann eine grössere Tnätigkeit entfalten, die beiden Hilfsvereine eine erfolgreichere Propaganda betreiben, das Hilfswerk selbst umfangreicher und erspriesslicher durchgeführt werden. Dasselbe wird dann erst, wenn die beiden Districte U. O. B. B. VIII und X sich seiner in der angeregten Weise annehmen, auf gute Füsse gestellt sein, dann erst wird es jenen Beschlüssen entsprechen, welche seiner Zeit die Grosslogen VIII und X gefasst haben. Der Zweck dieser Zeilen wäre erreicht, wenn es mir gelungen] wäre, hiermit den Anstoss zu diesbezüglichen Discussionen in den Logen des ^sachbardistiictes gegeben zu haben. . Das neue Ritual. Eine kritische Betrachtung von Br. Jacob" Strauss, Mannheini. Die Enttäuschung über den etwas ärmlichen Ausfall des Preisausschreibens der Grossloge für. ein neues Einführungsritual hat bei mir und Wohl auch bei vielen Brüdern eigenartige Gedanken gezeitigt, und da eine offene Aussprache heilsam und sachdienlich ist, will ich diese'Gedanken in Worte kleiden. Vor allem hatte ich eine ganz andere Betheiligung erwartet. Wir haben in unseren Reihen schreibkundige Männer zur Genüge, eine Fülle von Intelligenz schlummert in den einzelnen Logen, die Herzens- 'und Geistesbildung jedes einzelnen Bruders sollte eigentlichdas landläufige Durchschnittsmaass überschreiten — und trotzdem sind im v' * ■ .-.- * Ganzen nur fünf Entwürfe eingegangen! Und wie nöthig ist bei der Schaffang eines neuen Rituals jede einzelne Ansicht, wie fruchtbringend und dankbar jeder einzelne Gedanke! Ich kann nicht annehmen, dass der ausgesetzte Preis zu niedrig war, denn eine derartige Arbeit-'wird kaum die genügende Begeisterung aufweisen können, wenn der fiaancielle Erfolg dabei der leitende -Grundgedanke, der treibende Motor ist. Derjenige Bruder, derä das Interesse an der Sache nicht die Feder in die Hand drückt, wird niemals Brauchbares schaffen können. Der Fehler liegt also wo anders. Ich brauche erst gar nicht lang zu suchen, denn ich fiide ihn schon zu Anfang, im Preisausschreiben selbst. Die uns ertheille Directive lässt an Undeullichkeit nichts zu wünschen übrig — man hat uns freie Hand gelassen, bindet uns aber im gleichen Satze an däs alte Ritual. Aber'dieses alte Ritual soll durch das neu zu schaffende ersetzt werden und wahrlich, es ist Zeit, dass wir uns von der amerikanischen Uebersetzung frei machen und unsere deutschen Brüder mit deutsch gefühlten Worten die Bedeutung unserer Bestrebungen an das Herz legen. Warum also das alte und veraltete Ritual die Grundlage für das neue abgeben soll, ist mir nicht recht erklärlich gewesen, weil nicht das Wort, sondern der Geist reden soll. Deswegen hätte das Ausschreiben anders lauten müssen und ein anderes Resultat wäre dis Ergebniss gewesen. .• Der Entscheid nun, dass keine-der Arbeiten den gestellten Anforderungen entsprach, entspringt wiederum der unklaren Fassung des AusschreibenS:' Welchen Anforderungen'. Was wollten denn unsere Brüder 'im gescbäf'.sführenden Ausschuss? Waren sie sich denn über das, was geschalt werden soll, im Klaren? Mich dünkt,nein! Mit dieser Kritik kommeich; leider post festum. Dennoch dürfte sie einen Zweck haben, dass*jetzt, wengstens etwas herauskommt: eiie gegenseitige Aussprache. Diese will ich heute veranlassen und .leitet mich dabei der Eingangs erwähnte Gedanke, dass wir auch in der kleinsten Loge der brauchbaren Ideen manche finden werden, .die wir zu der neuen Einrichtung verwerthen »können. Der eine hat vielleicht mehr Geschick für . den ganzen dramatischen Aulbau, die Inscenesetzung des E^nfuhrungsactes, der andere würzt Rede und Gegenrede mit tiefen Gedanken, dem dritten endlich steht die Begeisterung zur Seite, ohne die ich mir unser neues Ritual gar nicht denken kann. Die wenigsten werden aber alles vereinigen, und desshalb müssen die weitesten Kreise herangezogen wexden,°desshalb soll jeder einzelne Gedanke mitsprechen um etwas Dauerndes, etwas Gutes zu Stande zu bringen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.