Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 9 - November
- Date
- 1903-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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Unter den priUndirenden Klängen des Harmonium betreten die l>ni(l<,r den festlich erleucJiteten, nehÄnen neuen l/ogenranm miil nehmen ihre Plätze « in. Ein von vierIMdjerh gesuiigeues Lied leitet die Feier ein. Zur Eröffnung der Sitzung spricht der w< I*rii—i<lt-nt hcrzlielie Bcgrüssungsw orte in Anlehnung an unser Ritual; er gedeiikt der verstorbenen Brüder unserer Lop» und bittet <;<■ rr iiin Hegen .tur die Arlieit im neuen Heim. Hierauf niiiiuit der hw. OrosspiiK Im*. TimcndiHferr das Wort zur Weibe der Malle. Derselbe dankt der Mendelssohn-Loge und Allen, die* geholfeil haben, das schöne, neue Heim zu scbaffen; doeb sei es noch niebt vollendet. Erst die Arbeit der Brüder würde die Vollendung bringen; er weilie daher die Brüder zum Räume. Nur der denkende Mensen feiere ein Fest und auch wir müssten den Vorsatz festhalten in W. B. u. E. zu beharren: Wohlthätigkeit zu üben wie unser Moses Mendelssohn, in Bruderliebe sieb in der Loge eins zu fühlen und in Eintracht zusammenzuhalten wie am gleichen Tage die Deutschen in dem grossen Kämpfe und Siege vor!>() Jahren. Würden die Brüder solelies ausfübren. so würde die Stätte geweiht sein für alle Zeiten. Daun werde auch der veredelnde KinHuss der Stätte auf Alle wirken: dazu nifissten sie oft kommen und jeder Einzelne solle seinen wohlthütigcn Einfloss auf die Stimmung des Andern geltend inaeben, da der Geist des Ganzen ebenso auf den Einzelnen wirke wie umgekehrt, denn ..Eisen schärft sieb nur an Eisen '. In solchem Thun werde Jeder den Procesj der Verinnerliohung und Versittlichung durchmachen. Dies w ünsche er und weihe im Namen der Grossloge die neue Arbeitsstätte zum Segen für uns und Alle. Nach der rituellen Einführung vier neuer Kandidaten ergreift Mentor Br. Bacher das Wort zur Festrede. Derfilelbe erinnert an die weihevollen Worte des hw . Crosspräs. und gibt das Versprechen, dass die Brüder darnach leben und handeln werden. Betrachte man das Wirken und Wollen des Ordens näher, so TMickcu die einen seine llauptthätigkeit in der Wohlthätigkeit. andere in der wohlwollenden Gesinnung, andere in der Stärkung des jüdischen Jlewiisstscius und w ieder andere in der geistigen Heining der Glaubensgenossen oder schliesslich in der gesellschaftlichen Annäherung. Alle Auffassungen hätten recht, denn der Inhalt des Ordens sei nicht in engem Kähmen. In das Wesen des (hdens müsse man viel Subjectivismus hinein thun. d. h. seine eigene Person hinein versenken: gerade wie der Dichter sage: ..Wenn Du's nicht fühlst. Du "wirst es nicht erjagen *. Redner DrtheOe daher von sich aus. ohne Anspruch auf unbedingte Richtigkeit zu erheben: Wohlthätigkeit gehöre nicht zum innersten Wesen des Ordens, auch nicht Oeseiligkeit oder das Interesse an jüdischen Angelegenheiten; das Hauptziel sei die Arlieit nach innen, die geistige und sittliche Hebung eines am anderen, wie in einer Familie. Dieses Wollen sei es nun gewesen und deswegen sei die Schaffung des Ordens eine Notwendigkeit gewesen. Allerdings wäre die Entstehung des Ordens von ganz anderen Gesiehtspunkten her gekommen. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts hätten sich amerikanische Juden unter dem Zeichen der Wohlthätigkeit und des engeren gesellschaftlichen Zusammenschlusses zusammengetban und wären gross nach aussen aufgetreten. Als der Orden nach Deutschland gekommen war, hätte sich bald die deutsehe Innerlichkeit in der .l-Jitwii klnn^ des Ordens gezeigt. Noch vor kurzer Zeit wäre dieses Moment bei der Ireahiücbtigteii Schaffung einer--Institution henorgetreteu. derj-u Resultat einen l'eschhiss■ idc'alvr Natur ergab, nämlich die von dem jülfgsl verstorbenen Bruder llotke angeregte EnqNiHc der deutseheii .luden, .ledoeh seien dierealen Fmnuutioucu lies f' # 4 . , \ . Ordens als äussere Krscheimingst'oinien nicht weniger Werth. Allerdings müsse die Wohlthätigkeit bei uns einen höheren Stempel tragen als die vulgäre. ebenso wie die;Geselligkeit ein Zusammenfinden auf, pemeinsanieni Hoden >ein -nässe'. Auc h diese wären ein Resultat der. geistigen Kulturarbeit, welche wir zumeist an uns selbst auszuüben \erptlichtet seien. Auf diesen Grundsätzen fussend« könnten wir den Wunsch haben, dass unsere Mendelssohn-Loire stets geistig fördernd und arbeitend bleiben weide und der Allgütigc seinen Segen dazu gebe. Nach dieser Rede irthcilt der w. Präs. den Delcgirtcn der Schwesteiiogen das Wort-; , Fs sprachen 1. vidi der Ocrmnnia-Loge l'fiis. i'ackeiiheiin. mit F.xpräs. Sernav erschienen' Derselbe gibjdcr freudigen Genug" thnung Ausdruck, dass seine J.oge die Mendelssohn-Loge begrttnden half: er erinnert au'den heilte fallenden Geburtstag des Kaiser Friedrich, eines.'Vorbildes der Vaterlands- und Menschenliebe, welche auch . w il' im Orden verkörpert sehen wollen. In seiner und der Gotha-Loge Namen giatnlire er und wünsche Segen für die' Loge und Alle. 2. von der Alemaiiia-Loge in Stettin l'räs. Dr. Lumlsberg, mit Expräs. Halle und Br: AhränamosfskY: Im Anscliluss an die Feier zur Erinnerung an die Gründung des Ordens, welche -seine Loge begangen habe, spricht er über die Bedeutung der Unabhängigkeit des Ordens: dieselbe bedeute bei den Freimaurer-Logen. die Unabhängigkeit von Staat und Kirche, welches Prinzip in gleicher Weise auch bei QUS in dein Streben nach Gutem in Glaubens- und sozialen Angelegenheiten zu Ta^e trete. ■ Er bringt die Glückwünsche seiner und der l'onimerania-I.oge. - ' : t * i" -; ■"- - ' '>. im Namen der "Rerliner-'Logen von der Monteflörc- Loge Br. Br. Rosenbaum und;lacoO\. " der Berthotd Auerbach- Loge Br. Br. (iottsebalk und Freund, ih r Deutschen Reichs-Log»: Br. < asparius gra'tulirt Br. 'Roscnhuum als früherer Bruder der Mendelssohn-Loge' 'und dankt, für seine Erziehung zum Orden, die er in unserer Loge genossen habe. *Zj ' ';;.. . ' 4. von der Lessing-Loge in Breslau überbringt Expräs. Cohn die besten Wünsche und hofti. dass es der Mendelssohn- Loge einmal vergönnt sein-möge allein ans eigenen .Mitteln sich ein Heim zu gründen, 5. von der' Zioii-LogC in Hannover sagt ßr. Jv Berliner ihre Glückwünsche und knüpft an den Spruch: ..wenn Du dir ein Haus baiist. so zielje ein 'Oirter um das Dach" die Betrachtung, dass für uns dieser Zaun die Eintracht feein solle. (j. von der lierend Lehmann-Loge in lialberstadt sind erschienen l'räs. H.. Hirsch. Fvpräs. Dr. Tlirseh und Br. Meyer. Frsterer erinnert; dass . die Mendelssohn-Loge die Mitbegründern! seiner Loge gewesen sei und dass ihr inniger Zusammenhalt sieh in. den Namen ihrer Beschützer auspräge. Berend Lehmann sei ein-Vorläufer Moses Mendelssohn's gewesen und habe in seiner Zeit deii Juden Sachsens zu Wohn-