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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-10-01 · Nr. 8 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 8 - Oktober
Date
1903-10-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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— 96 Interesse für das Judenthum selbst steigert sich von Jahr zu Jahr. Viele Brüder, die dem Judenthum gegenüber ganz indifferent waren und sich mit der Wissenschaft und Litlera tur desselben so gut wie garnicht beschäftigten, fangen an sich dafür zu interessiren. indem sie Zeitschriften und sonstige Werke über dasselbe lesen und solche Vorträge fleissig besuchen. Erfreulich ist es auch zu sehen, dass der hiesige jüdische Litteraturverein meist nur von Brüdern und Schwes tern besucht wird. L eber unsere Thätigkeit berichten wir, dass bei durchweg lebhaftem Besuch unserer Sitzungen alle diejenigen Fragen erörtert wurden, welche im letzten Jahr im all gemeinen die Logen beschäftigten. Insbesondere suchten wir Anschluss an die Hilfs- und Humanitätsvereine, welche sich die Besserung der socialen Lage, speciell der galizischen und anderen nothleidenden ausländischen Stammesgenossen zur Aufgabe machen. Wir haben unser Empfinden, bezüglich dieser Fragen der ho^ehwürdigen Grossioge in einer ausführlich begründenden Anregung vorgelegt Unser lebhaftes Interesse für die Heranziehung der Jugend zur Landwirthschaft, bethätigen wir durch Unter Stützung der Ackerbauschule in Ahlem; die Bekämpfung der Wanderbettelei durch Beiträge an das Asyl in Weissensee. Die Unterstützung verschiedener Bäder und Ferienkolonien ermöglichten es uns. einer Anzahl kranker und erholungsbedürftiger Kinder Genesung und Erholung zu verschaffen. Es fanden zahlreiche Unterstützungen an hiesige und auswärtige Bedürftige statt, und macht es uns besondere Freude^ dass durch die Initiative unserer Loge für die Ungücklichen in Kischinew in kürzester Frist etwa 2000 II zur Ablieferung an die Grossloge gebracht werden konnten. Als einen Markstein in der Geschichte der -Erfurtloge dürfen wir den, im Laufe des vergangenen Jahres stattgehabten Zusammenschluss unserer lieben Schwestern bezeichnen. Es schien im ersten Jahre unseres Bestehens als eine schierx unlösbare Aufgabe, die Schwestern für unseie Ideen so zu begeistern, dass ein engerer Zusammenschluss möglich wurde. Nicht gesellige Zusammenkünfte, nicht Ver; gnügungen irgend welqher Art vermochten das sehnlich erwünschte Ziel zu verwirklichen, aber Besseres und Edleres: ein herrliches Ideal, die Arbeit im Dienste der Wohltbätigkeit für die leidende Menschheit. Das war die Basis, auf welcher sie sich schnell vereinigten, und auf welcher sie heute ein festgeschlossenes Ganzes bilden. Es ist ein erhebendes Bild, dieselben Elemente, die sich früher kalt und fremd gegenüber standen, in trauter schwesterlicher Gemeinschaft zusammenzufinden, die fleissigen Hände regend, um Gutes zu schaffen, währenddem durch Vorlesungen und Vorträge auch dem Geiste Unterhältupg gewährt wird^ Eine Anzahl Vorträgein offener Loge vor Schwestern und Brüdern brachten uns ausgezeichnete Genüsse. Es sprachen: Br. Dr. Oskar Moses über: Medicin in Bibel und Talmud. Br. Inspector Bacharach: Humanität im Judenthum Br. Dr. Julius Moses, Berlin: Die Pflicht des Juden in der Gegenwart. Schwester Dr. Salzberger: Monna Vanna und Judith. Br. Dr. Salzberger: Shylock im „Kaufmann von Venedig''. Br. Inspector Bacharach: Vaterlandsliebe im Judenthum. (Anlässlich der Kaisergeburtstagsfeier.) Br. Dr. Oppenheimer, Halle: Die sociale Stellung der Frau in Vergangenheit und Gegenwart. Br. Vicepräsident C-erfr. Recitationen: ,,Leiden de? Ghetto* von .,Morris Rosenfeld.' Aus ..jüdischer Seele' von Dr. Löwenberg. So waren wir in wissenschafiltcher, ethischer und huma nitärer Beziehung eifrig bestrebt, unsere Pflicht zu erfüllen Gebe Gott, - dass die Arbeitslust und Arbeitsfreude unser; Brüdern und Schwestern erhalten bleibe zum Segen unseres Ordens, zum Segen der Menschheit. Aus dem Gedächtnissbuch der Grossloge. Seit unseren letzten Angaben haben wir den Tod folgender Brüder zu beklagen: Es starben: 49. Am 18. September 1903 Br. Exp. Dr. Eugen Merzbacher. Mitbegründer der München-Loge in München — 21. 3. 97 — geb. d 4. Dez. 1845 in München. 50. Am 18 September 1903 Br. Martin Hirschmann, Mitglied der Frankfurt-Loge in Frankfurt a. M. seit d. 11. 1 02, gebore« d. 26. Nov. 1843 in S'eppach b. Augsburg. :>1 Am 28. September 1903 Br. Exp. Julius Plotke, Mitglied der Frankfurt-Loge in Frankfurt a M. seit dem 12. 3 88, geb. d. 5. 10.. 57 in Borek. - •, 52. Am 21. September 1903 Br Moritz Laqueur, Mitglied der Lessing-Loge in Breslau seit dem 12. 3. 87 geb. d. 24. 4. 1841 in Festenberg. 53. Am 23. September 1903 Br. Salo Bloch, Bezirksrabbiner in Jarotschin, Mitglied der Montefiore- Loge in Berlin, seit d. 10. 4. 94. geb. 1843. 54. Am 2!>. September 1903 Br. Erpr. Alexander Stein, Mitbegründer der Humanitas-Loge in Gleiwitz. — 20. 10. 84f— geb. d. 0. 12. [1851 in Woiska. ' 5ä. Am 5. Oktober 1<.K)3 Br. Louis Danziger, Mitbegründer der Silesia-Loge in Liegnitz — 19. 8. 99 - geb. d. 19. 1. 35 in Schmiegel. 56. Am 26 September 1903 Br. Rudolf Bing, Mitbegründer der Rheinland-Loge in Köln — 27. Mai 1888, geboren den 19. November 1852 in Köln. 57. Am. 30. September 1903 Br. Leopold Stern in Kannstatt, Mitbegründer der Stuttgart-Loge in Stuttgart - 17. 12. 99 — geb. 1. 9. 44 in Rexingen. 58 Am 17. August 1W3 Br. Adolf Schwabe, Mitbegründer der Kaiser Friedrich-Loge in Bremen ,f - 4. 2. 1900 — geb. d. 12. 3. 43 in Delmenhorst. 50. Am 11. Juli 1903 Br. Samuel Warschauer in Forst N./L.. Mitglied der Victoria-Loge in Görlitz seit dem 10. April 1899. 60 Am 11. Oktober 1903 Br.; Louis Philippsohn, Mitglied der Deutschen Reichsloge in Berlin s^eit dem 5. September 1885, geboren 1843 zu Eberswalde. Bnchdruckerei Max Cohn (Inh. A. M. Brodacz), Berlin S.W., Bitterstrasae 78.

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