Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 8 - Oktober
- Date
- 1903-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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BERLIN, im Oktober 1908 a i- Bericht der Grossloge für No. 8. U. O. B. B Nachdruck simmt lieh er Artikel aas diesen Berichten verbeten Fernsprecher: D. Wolff, VI, No. 4619, Wilhelmstraste 118. Erinnerungen an Br. Julius Plotke. Ein eigenartig tragisches Schicksal hat die Frankfurt Loge. Sie gewinnt Bruder von umfassendem Wissen, aus geprägtem Character, grosszügigem Wesen, reicher Erfahrung und bedeutendem Organisationstalent, es ist ihr aber nicht vergönn*, ihres Besitzes sich lange zu erfreuen. Sie verliert jetzt ihren vierten, bedeutenden Führer. Dieser schwer wiegende Verlust trifft nicht nur die Frankfurt-Loge, sondern vermöge seiner grossen Bedeutung und überragenden Person lichkeit unseren gesammten Distrikt. - Schon im Jahre 1888 als ich die Frankfurt-Loge zum ersten Male besuchte, wurde mir erzählt, dass ein junger Anwalt eingetreten sei, von dessen Interesse und Fähigkeiten man sich die allerbeste Wirkung für die junge aufstrebende Loge versprach Es ist mir nicht entsinnlich, ob ich ihn schon damals kennen lernte Bei meinem zweiten Besuch, es handelte sich für mich darum, die divergirenden Ansichten der Frankfurt-Loge in der Sterbe kassen-Angelegenheit durch persönliche Aussprache zu be gleichen, lernte ich ihn kennen in der ganzen Tieie seines Wesens, der Gründlichkeit, seines Wissens, der Gediegen heit und Sachlichkeit seiner Rede. Er war Gegner der Begründung einer Sterbekasse durch den Orden. Er brachte die Einwendungen gegen das Projekt in so überzeugender Weise, mit solcher Klarheit und logischer Begründung vor, dass sie auf mich eine grosse und nachhaltige Einwirkung ausübten.^ Die Sache erfassend, reihen sich die Worte fliessend und reich beredt aneinander. Er war kein fascinirender Redner, der durch glänzende Beredsamkeit hinriisst, seine Rede ist vielmehr bedächtig, ruhig, wirkt mehr durch die Wucht der Gründe und logische Schlussfolgerung. Dabei entbehrt sie nicht einer gewissen Wärme des Tones; hell und leicht schreitet die Ausdrucksweise einher, wenn es gilt zu erklären, in erregten Momenten tönt sie kraft- und machtvoll; die Fülle des Stoffes verwirrte ihn ebensowenig, wie sie ihn belastete. Dabei kein Hervorheben seiner Person, wie er fern war von persönlicher Zuspitzung. So erschien mir Br. Plotke zum ersten Male, so ist er immer geblieben. — Wir sehen ihn als Vertreter seiner Loge in der Grosslogen- Tagung 1894, 95, 96, wo das Projekt der allgemeinen Sterbekasse endgiltig beseitigt wurde, nicht zum wenigsten durch sein Eingreifen. Dort in Frankfurt gerieth er durch gewisse Vorgänge in eine Gegnerschaft zur Leitung des Distrikts, sicher jin der festen Ueberzeugung, dass er zutreffend berichtet sei. Sein Rechtsgefühl überzeugte ihn bald eines besseren, seine anfängliche Gegnerschaft löste sich in aufrichtiges Vertrauen auf." Schon 1895 war es, wo er den bekannten Antrag, der seinen Namen trägt, einbrachte: „Veranstaltungen zu treffen, um die Herausgabe eines Blattes zur Belehrung über da? Judenthum -und die unentgeltliche Verbreitung dieses Blattes unter den Glaubensgenossen zu verbreiten." Darin sehen'Wir eine weitere Eigenschaft dieses gross angelegten Br. Die sociale und culturelle Hebung der gesammten Judenheit war das Gebiet, das er sich zu eigen gemacht. Der Orden sollte nach' ieiner Auffassung das Werkzeug für diese grosse Afbeit sein, darin sollte der Orden seine Mission erblicken und ausführen. Jalire.läng vermissten wir ihn bei den Sitzungen der Grossloge, bis er 1902 wiederum als Repräsentant erschien. ' In,-derselben socialen Richtungbewegt sich sein Antrag, die Enquetisirung des Grossherzogthums Hessen durchzuführen, um sichere Kenntniss des socialen Lebens der Juden zu erlangen und darauf gestützt geeignete Massnahmen zutreffen. — Anlässlich des internationalen Congresses in Frankfurt a. M„ October 1902, sah ich ihn bei dem Besuche der-Frankfurt-Logewieder, in welcher er mich mit so^herzlicheh und anerkennenden Worten begrüsste, deren ich mich immer erinnern werde. Noch einmal sah ich ihn in Frankfurt'am 40. April d. J, als wir die Fragebogen für die statistischen Aufnahmen beriethen. Er war die Seele des Unternehmens. Seine Art, die Dinge zu behandeln, war so sachlich und klar, seine Anträge so verständigt und praktisch gedacht, sein Entgegenkommen und Streben nach Ausgleich haben die Berathungen sehr gefördert. Da war kein eigensinniges Beharren auf seine Meinung, keine Wortspalterei, kein 'Abweichen von der Sache, nur das Streben, dass etwas-Vernünftiges zu Stande käme. Er war auch sichtlich erfreut über das Ergebniss der Verhandlungen, wie er mir noch ausdrücklich beim Abschied hervorhob. Wie hätte ich ahnen können, dass es ein Abschied für immer sein sollte. 'Ich sehe ihn noch vor mir mit seinem freudigen, glücklichen* Gesieht, dass etwas Gujles vollbracht war, umringt von den Brüdern, die sich mit ihm über den Erfolg freuten, Nicht* verrieth, dass der Tod seinen Schatten über ihn gebreitet. Schon Anfang Juli hörte ich, dass er krank sei, die Anfrage bei seinem Bruder brachte die traurige Gewissheit, dass :er dem Tode verfallen sei, dass ihn nichts mehr retten konnte. — Nun ist er ein stiller Mann geworden. Was hätte er noch für uns, geleistet, er der in den wenigen Jahren seiner öffentlichen Thätigkeit so unendlich viel zu Wege gebracht, so sehr viel für den Orden und die Judenheit gethan. Wie selten einer, vpll Begeisterung für unsere gute Sache, ausgerüstet mit tiefem Verständniss für die Leiden und Bedürfnisse der osteuropäischen Glaubensgenossen, befähigte ihn Charakterstärke, vielseitige Lebenserfahrung, kühnes 3lanen und muthiges Ausführen, sie befähigten den hervorragenden Menschen, die Brüder zu führen, an die Spitze grosser Wohlfahrtseinrichtungen zu treten. Kein Wunder, dass seine Verdienste ungemein gross sind, er ein unbedingtes