Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 6 - August
- Date
- 1903-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Vergangenheit der jüdischen Gemeinde Mainz", worauf wir schon heute hinweisen, deun der Inhalt dieser Schrift, die aut ai chivarischen Studien berulit, geht weit über das lokale Interesse hinaus, und könnte als erster Erfolg der von Br. Dr. Maretzki im September 1002 gegebenen Anregung, sowie der von Br. Dr. Z i v i e r aufgeworfenen Frage über Anlegung von Archiven zur Bearbeitung der Geschichte der indischen Gemeinden, in denen Logen bestehen, angesehen w erden. Br. Dr. S a 1 f e 1 d erklärt sich gern bereit, sobald ■ Uesen Anregungen Folge gegeben wird, hierbei für die einzelnen Logen thätig zu seiu. Auch für Vorträge an Logenabenden dürfte sich der Inhalt der Schrift eignen, die Br. Dr. Salfeld den Logen und Brüdern zum auf die Hälfte ermäßigten Preis von Mk. 1,— zur Veifügung stellt. Aus den Logen des VIII. Distrikts. Concordia-Loge in Kattowitz 0. Schi. Der w. Expris. Br. S. Friedländer erstattete folgendes Referat : Meine lieben Brüder! Welche Pflichten hat der einzelne Bruder iubezug auf die Gestaltung des allgemeinen brüderlichen Verhältnisses? So lautet die Frage über die ich heute zu referii en habe. Ja meine lieben Brüder, Neues uud Unbekanntes, etwas, das nicht jeder Bruder selbst wissen müsste, das kaun ich Ihnen eigentlich nicht sagen, ich kann nur wiederholen und erinnern, was der Orden von seinen Mitgliedern verlangt, Handlungen wie sie kürzlich vom hochw. Gross)»äs. in Köuigshütt gekennzeichnet wurden, und'da zeigt es sich, dass wir, trotz der herzerfreuenden und erhebenden Beweise der Anerkennung, die uns schon zuTheil geworden sind, uns dennoch nicht als -vollkommene Menschen betrachten können. Freilich wird nach meinen bisherigen Wahrnehmungen und nach meiner vollen l'eberzeugung es immer darauf ankommen, fnwieweit bei den einzelnen Brüdern, mehr oder weniger, schneller oder langsamer sich das brüderliche Verhältniss freundschaftlich gestaltet. Mit - der Zugehörigkeit zum Orden allein kann die Anhänglichkeit und die aufrichtige Freundschaft unter den Brüdern nicht aufkommen, wenn der einzelne Bruder seinen Verkehr nicht danach einrichtet, sich die Liebe uud die Achtung des Anderen zu erringen. Wie aber soll das allgemein möglich sein, wenn ein grosser Theil unserer Brüder von den Sitzungeu und geselligen Zusammenkünften ganz oder längere Zeit fern bleibt, wenn einzelne Brüder der Gelegenheit mit Brüdern zu verkehren sich entziehen, oder wenn einzelne Brüder in Feindschaft mit einander leben? Die Pflicht des einzelnen Bruders gegen die andern, wird sich immer aus den Empfindungen ergeben, die der eine tür den andern hegt, uud deshalb wird es immer Aufgabe des einzelnen Bruders sein müssen, das Herz des andern zu gewinnen. Die Freundschaft und Bruderliebe kann nicht aus einer augenblicklichen Eingebung, uicht aus einem gleichgiltigen Verhalten, sondern aus einer Reihe fortgesetzter Handlungen und Beweise erblühen. , Unsere Zusammenkünfte haben ja deshalb den Zweck den Brüdern Gelegenheit zu geben, einander näher zu treten, sich persönlich kennen, achten und schätzen zu lernen, Freundschaften für's Leben zu schliessen und die unter uns allgemein herrschende brüderliche Gesinnung zu festigen. Dann wird Freude and Friede unter allen Brüdern bestehen, dann wird die wahre Bruderliebe, Wohltbätigkeit und Eintracht eine allgemein dauernde Stätte in unser n Logen behaupten.' An der Lauterkeit unseres'Strebeus, an der Macht unserer Einigkeit soll jeJer Anprall der Finsterniss zu Nichte werden, und da wo es gilt Wohl thätigkeit und Bruderliebe zu betätigen, da soll das Bruderherz dem 'Bruder warm entgegen schlagen. Wer .unter solchen ■Voraussetzungen i* unsere Reihen getreten ist, wird sich immer darüber klar seiu,fwelch« Pflichten der einzelne Bruder inbezug"auf die Gestaltung des ■ allgemeinen brüderlichen Verhältnisses zu ei lullen bat. Zwar wird es immer Brüder geben, die Grund zu glauben haben, die Hilfe der Loge überhaupt uicht und die Hilfe der einzelnen Brüder uiemals in Anspruch nehmen zu sollen, die sich schwer verletzt fühleu würden, wenn ihre Lige allgemein zur Kenntniss der Brüder gebracht oder zum Gegenstande der Erörtemng in einer Logen- oder Comiteesitzuiig gemacht werden sollte, indess soll doch kein Bruder den Bruder verlassen, sondern ihm mehr als den ärmlichen Trost der Woite in schwerer Zeit uud ihm mehr als gelegentliche Wünsche in flöhlicher Zeit angedeihen lassen. Das Leid des Bruders zu lindern, seine Freude zu eihiitien, muss unsere Aufgabe sein, sie wird eine wohltbuende Wirkung hervorrufen, wenn sie der Bruder dem Bruder mit wahrem Mitgefüld zum Ausdruck bringt. Wie Mancher, meine lieben Brüder, hat geglaubt, dass sein Glück sich niemals wenden werde, im Sonnenlichte schritt er weiter, von. Bruderliebe, Freundschaft und Humanität beseelt; plötzlich wird, es Nacht,, der'Bruder schwankt, er ist allein nicht in der Lage, sidr zurathen, zu Helten, er braucht schuell Rath und Hilfe. Da. soll es der Bruder sein, der nicht empfindungslos ah ihm Vorübergeht, da soll der Bruder rasch und rege dem Bedrängten Biuder sein. Kanu die Liebe, die uns miteinander verbinden soll, durch ein schöneres Wort ausgedrückt werden als durch das Wort: „Bruder"? Der Bruder .'soll au den Bruder herantreten, nicht sein Selbstbewußtsein, seinen Stolz aufgeben dürfen, wenn er unverschuldet in Noth geratben ist, oder wenn seine geschwächte Gesundheit ihm die Ausübung seines Berufes uicht mehr gestattet, oder wenn Krankheit ihn aufs Lager geworfen hat. Ohne erst dazu angeregt zu werden, sollen die Brüder den kranken. Bruder besuchen, sein Leiden nach Möglichkeit mildern uud wenn durch des Allmächtigen weisen Fügung alle Aufopferungen vergeblich, gewesen sind — ist der Bruder dahingegangen. — uuu meine lieben Bnider, dann soll er im letzten Augenblicke das Bewusstseiu mit hinüber genommen haben, dass jeder Bruder beobachten werde, was der Orden ihm auferlegt hat: „Vaterstelle zu vertretet bei den Waisen und ein Beschützer zu sein der Wittwe." Wir müssen es, liebe Brüder, gestehen, dass wir oft klein uud schwach gewesen, das Maass von Bruderliebe in diesem Sinne zu ei füllen,- wenn wir auch immer reich genug au Begeisterung waren. Geht , man von dem Gedanken aus, dass der Orden nöthigt ist, um die Bruderliebe zu fördern, so wird man zu dem Schlüsse, gelangen müssen, dass der Bruder in der Ausübung seiner. Pflichten, dort, wo die That bei aller Austrengung zu gering erscheint, nicht nur theilnehmend seiu, sondern mit Zeit und Rath, mit Mühe und Arbeit dem Bruder aufopfernd zur Hand sein muss. Gehoben soll sich das Herz des Srudeis im Verkehr mit dem Bruder, fühlen. Wo und immer wir uns begegnen, sollen wir Brflder und aufrichtige Freunde im