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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-06-01 · Nr. 5 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 5 - Juni
Date
1903-06-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 61 — So steht heute das Lebensbild unseres treuen verewigten Br. Leo R e g e n s b u r ge r'in seiner Schönheit und Trefflichkeit vor uns. So möge es weiterleben in unserem dankbaren Herzen. Liebe und Zuneigung, die wir ihm schon in seinem Leben gezollt, wollen wir ihm bewahren über den Tod hinaus, wollen wir übertragen auf die trauernde Wittwe und den jugendlichen Sohn, von denen er nach kurzem aber innigstem und seligstem Eheglück allzufrüh hinweggerissen worden. Sein Bild, das in unserem Herzen fortlebt, soll nns ein Ansporn sein in der treuen Erfüllung aller unserer Bruderpflichten, ein Ansporn zu allem Guten, Edlen und Grossen! Das walte Gott! Trauer-Loge für Br. Expräs. Adolph Schleich. Fraternitas-Loge in Dresden. ■ v "■#*" ' " ' '..*•• r-' * * j * " * "V - \. . In der für Br. Expräs. Ad. Schleich abgehaltenen Trauerloge hielt Präs. Br. Dr. Z i m m e rm a n n die Ansprache: i Ein schweres, schicksalsreiches Jahr, ein Jahr der Trauer und des Schmerzes war das .18. Jahr des Bestehens unserer Loge. Schlag auf Schlag folgten sich die Todesfälle der Brüder, in einer Anzahl, wie sie .sonst in mehreren Jahren zusammengenommen nicht zu erfolgen pflegten. Ja selbst als letzte Amtshandlung musste der Präsident des vergangenen Jahres noch eine Trauerloge um einen verstorbenen Bruder abhalten. Mit frohen Hoffnungen begannen wir das neue Vereinsjahr, ein weihevolles, schönes Fest vereinte Brüder und Gäste in diesen Räumen zur Feier des 18. Stiftungsfestes. Noch klingen mir im -Ohre die Wünsche, die uns von allen "Seiten dargebracht wurden, und die alle darin gipfelten, dass unsere Loge im neuen Vereinsjahre von allem Unglücke verschont bliebe, wachse und gedeihe. — Wenige Tage nur sind seitdem verflossen, und _ich stehe an derselben Statte, um einem geliebten Bruder ein letztes Geleitwort nachzurufen. — Verschwunden ist der festliche Schmuck dieses Raumes, verhallt sind die frohen Stimmen der Brüder, gewichen sind sie der Trauer und dem tiefen Schmerze um einen teuren, hingeschiedenen Bruder. — Unser Br. Ex. Pr.Schleich ist nicht mehr unter uns. — Nicht jäh und unerwartet hat uns dieser Schlag getroffen, nicht unvorbereitet, denn schon lange war es uns leider bekannt, dass das Band, das ihn mit dem Leben verknüpfte, nur noch ein schwaches war, und dass es nur eines leisen Anstosses bedurfte, um es zu zerreissen. Dennoch aberdachte keiner der Brüder bis in die letzten Tage daran, dass der Zeitpunkt so nahe wäre, wo er aus unserer Mitte für immer abgerufen wurde. Schon seit Jahren waren wir gewohnt nur von ihm zu hören, seit Jahren schon hatte ihn der grpsste Theil der Brüder nicht mehr zu Gesicht bekommen, denn ein unheilbares Leiden fesselte ihn an sein Zimmer und gestattete ihm nicht mit uns zu arbeiten. Ein unsichtbares Band aber verknüpfte uns mit ihm, denn wir wussten, dass sein Interesse an unserer Loge unvermindert das alte geblieben war, wussten, dass alles, was hier geschah, mit dem Interesse und dem Eifer verfolgte, die er hier in seinen gesunden Tagen bethätigt hatte. Diese Zuneigung, die er für die Loge empfand, war aber eigentlich eine ganz natürliche, war nichts anderes, als die Liebe, die jeder Vater für sein Kind empfindet.- Gehörte ja doch unser teurer Verblichener zu den Vätern unserer Loge, zu jener kleinen Schaar idealgesinnter Männer, die im Jahre 1885, begeistert von den hohen Bestrebungen unseres geliebten Ordens sich zur Begründung einer Loge in Dresden zusammengeschlossen hatten. Es war ein schweres Stück Arbeit, das sie zu leisten hatten, um den Indifferentismus auf der einen Seite, die direkte Gegenarbeit auf der andern zu überwinden. Es gehörte die ganze Begeisterung und Hingebung jener Männer dazu, dabei nicht zu verzagen, und an ihre Spitze ein Mann, wie unser Schleich, der mit rastlosem Eifer, mit zäher Energie an dem einmal gefassten Plane festhielt und ihn durchsetzte. — Nachdem das Sorgehkind ins Leben getreten war, war er es, der sorgsam seine ersten Schritte lenkte, der besonnen und klug es verstand den Eifer der anderen zu zügem, stets mit den vorhandenen Mitteln zu rechnen, und so der neuen Vereinigung eine teste Grundlage zu sichern. Gross war darum auch das Vertrauen, das ihm die Brüder entgegenbrachten, nnd eine ganze Reihe von Malen konnte er den Präsidentenstuhl einnehmen, um die Geschäfte der Loge mit Geschick und Energie zu leiten. — So innig war ihm unsere Loge an, das Herz gewachsen, dass er darnach strebte, noch über den Tod hinaus mit ihr vereint zu bleiben, und darum gab er die Anregung zu der Institution der ewigen Mitgliedschaft, einer Einrichtung, die darin besteht, dass durch, Einzahlung eines Kapitals, von dessen Zinsen die Logenbeiträge bezahlt werden, der betreffende Bruder das Recht erhält, für alle Zeiten in der Liste der Mitglieder geführt zu werden. — Er ist bis jetzt der einzige geblieben, der von dieser Einrichtung Gebrauch gemacht hat, er, der auch sonst im Gedächtniss der Brüder weiter gelebt hätte. Denn mit seinem Namen, seiner Person ist ein Stück Tradition, ein wichtiges Stück Geschichte unserer Vereinigung verbunden, und wer es unternehmen wird die Geschichte unserer Loge zu schreiben, wird den Namen Adolph Schleich mit goldenen Letter hineinschreiben müssen. Als Privatmann war unser Bruder ein liebenswürdiger bescheidener Mensch, deres durch unermüdlichen Fleiss und strenge Rechtlichkeit, durch Klugheit und Umsicht verstanden hatte, sich aus den kleinsten Anfängen zu einer hochgeachteten Stellung unter seinen Berufsgenossen emporzuarbeiten. Auch innerhalb unserer Gemeinde fanden seine hervorragenden Eigenschaften bald gebührende Beachtung, und er stellte ihr eine lange Reihe vou Jahren seine unermüdliche Arbeitskraft und Freudigkeit als ihr gewählter Vertreter im Gemeinderate zur Verfügung. Noch auf der Höhe der Manneekraft

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