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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-06-01 · Nr. 5 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 5 - Juni
Date
1903-06-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BERLIN, im Juni 1903. No. 5. Bericht der Möge für U. O. B. B. Nachdruck timmtlieher Artikel aas diesen Berichten verboten. Fernsprecher: D. Wo! ff, VI, No. 4619, Wilhelm Strasse u8. Trauerfeier für Br. Expräs. Leo Regensbürger August Lamey-Loge in Mannheim. Unsere Loge hat einen schweren Verlust erlitten: Der Br. Expräs. L,eo Regensburger starb nach längerer Krankheit in seinem 41. Lebensjahre. Am Sonntag, den 2G. April wurde er unter zählreicher Betheiligung der hiesigen Bevölkerung zur letzten Ruhe geleitet, Br. Vicegrosspräs. Wisloch war von Frankfurt, Br. Expräs. L ieb hol d von Heidelberg erschienen. Beide sprachen an der Bahre warme Worte des Dankes und der Trauer. Namens unserer Loge widmete Br. Expräs. Dr. Moses dem Heimgegangenen folgenden Nachruf: *.' Dem frommen Sinne der barmherzigen Brüder in Schillers Wilhelm Teil, welche in den Klageruf einstimmen: ..Rasch tritt der Tod den Menschen an" erscheint kein Verhängniss furchtbarer, als wenn der Mensch plötzlich und unvorbereitet vom Leben zum Tode abgerufen wird. Aber wie unendlich gewaltiger.- wie ungleich grausamer* ist die Tragik des Todes, wenn er sich schleichend dem Menschen nähert, seine Boten Krankheit und Siechthum voraussendend einen blühenden lebensvollen Körper allmählich zerstört, einen freien, regen Geist, in seinein. Fluge immer fester einengt und umklammert, wenn verzweifelte Anstrengungen eines energischen Lebenswillens immer ohnmächtiger abprallen vor der Allgewalt des mächtigen Bezwingers Tod. Eine solche Tragödie sahen wir sich abspielen vor unseren Augen und der Held derselben war einer der Unseren, der August Lamey-Loge Mitglied, Bruder und Freund, Leo R eg en sb »r ger. Und von der blühenden Lebenskraft, die jetzt gebrochen daliegt, von dem regen Geiste, der jetzt zerstört ist, von dem warmen Herzen, das aufgehört hat zu schlagen, hat er uns mit das Beste gegeben. AVollte ich künden, was Leo Regensburger der August Lamey-Loge war und was wir ihm danken, ich müsste die ganze Geschichte unserer 7 jährigen Thätigkeit hier aufrollen: auf jedem Blatte derselben ist sein Name mit Ehren genannt, alle unsere Institutionen tragen das Gepräge seiner Initiative,, sind durchweht von seinem Geiste. Seit der Gründung der August Lamey-Loge gehörte er dem Vorstande derselben an und zierte ein Jahr lang auch unseren Präsidentenstuhl. Damals, als ihm die oberste Leitung einer Körperschaft anvertraut war, welche sich die höchsten ethischen Grundsätze zum Ziere gesetzt hat;- konnten sich alle seine vortrefflichen Eigenschaften, durch die er sich so viele Freunde erworben, aufs glänzendste entfalten. Da bewährte sich sein klarer, durchdringender Verstand, seine gediegene Bildung, sein umfassendes Wissen, sein organisatorisches Talent, sein parlamentarisches Geschick, vor allem aber seine herzliche Menschenfreundlichkeit und reine Herzensgüte. In all den Jahren, wo es mir vergönnt war mit ihm zusammen für unsere idealen Aufgaben zu arbeiten,. ward es mir klar, was das Charakteristischste war an diesem Manne, ifas Werthvollste an seiner Persönlichkeit: Er war ausgezeichnet durch ein exquisit strenges Pflichtgefühl. Wie er seine Pflichten gegen Familie, Gemeinde und Staat wie selten einer erfüllte, so oblag er dem grossen freiwillig übernommenen Pflichtenkreise in wahrhaft grosszügiger Weise. Sein Pflichtbewusstsein war es auch, was ihn in die Reihen der B. B. Brüder führte, das Bewusstsein, Pflichten zu haben gegen die jüdische Gemeinschaft, der er entsprungen. Stolz und freudig hat er sich zu derselben bekannt, muthvoll sie vertheidigt, wenn sie geschmäht und angeklagt ward, denen unseres Stammes, die ob ihres Glaubens und ihrer' Abstammung Nöth leiden, hat er geholfen mit gutem Herzen und weit geöffneter Hand. Wenn wir all das heute des Dankes voll uns erinnern, so haben wir das tröstliche Bewusstsein, dass er, wo er uns so reichlich gab, auch wieder empfing. Nach des Tages Mühe, von des Berufes Lasten und von den politischen Kämpfen hat er Ruhe und Erholung gesucht und gefunden an unserer Stätte der friedlichen Arbeit, mit uns hat er dort durchlebt Weihe- und Feierstunden der Seele und des Gemüthes. Dort erschien er, als schon dies tückische Leid ihn ergriffen hat, ja als ihn die schwarzen Fittige des Todes schon umräuschteji, da drängte sich in seinen Fiebergesprächen immer wieder der Namen seiner lieben August Lamey-Loge auf die ersterbenden Lippen. Und nun stehen wir hier vor einer gähnenden Lücke und wissen nicht, ob und wie sie ersetzt werden' kann. Wie oft werden ' wir in Zukunft seinen Rath, sein Urtheil bitter vermissen. Von dieser Stätte jäh zerstörten Glückes, grausam zertrümmerter Wünsche und Erwartungen nehmen wir eine Hoffnung noch mit, die Hoffnung, dass sich das alte jüdische Wort bewahrheiten wird Secher Zadik livrocho, dass das Andenken an diesen „Gerechten", das hochzuhalten wir in dieser traurigen Abschiedsstunde geloben, uns, der August Lamey-Loge und dem B. B. Orden zum Segen gereichen wird für-und für!

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