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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-05-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 4 - Mai
Date
1903-05-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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deren Namen mit goldenen Lettern im Gedächtnisbache der Anhaltloge verzeichnet steht and die ans darch Ueberreichang ihres Bildes ihr Wohlwollen auch jetzt wiederum gezeigt hat. Aach wenn wir nicht mehr sind, werden die späteren Geschlechter sich angesichts dieses Bildes voll Dankbarkeit an das echt jüdische Herz dieser seltenen Frau erinnern. Wir Brüder können ja nur eine Zeit lang mitschaffen an diesem erhabenen Ordenswerk, das Werk ist dauernd, unser Leben aber vergänglich. An die Vergänglichkeit alles Irdischen mahnt ans jetzt wieder drausseninder Natur die herbstliche Zeit. Aber auch bei uns hier drinnen hat uns der Herbststurm ein edles Blatt vom Baume des Lebens gerissen, unser 1. Br. F r i e d- 1 ander ist abberufen aus unserem Kreise, er, der so gern in unserer Mitte geweilt und neben seiner beruflichen Thätigkeit auch stets noch Zeit und Verständniss hatte für die Förderung idealer Interessen und die Bethätigung alles Guten und Edlen im Menschenleben. Sein Hinscheiden möge uns mahnen, unsere Lebenszeit zu nützen im Dienste der Nächstenliebe und im Streben nach sittlicher Vervollkommnung. Nur auf diese Weise können die Waffen, unserer Widersacherzerbrechen und ihrem Ansturm erfolgreich widerstehen. Wie schimpflich auch jene Bewegung gegen das Judenthum ist, so hat sie doch das Gute zur Folge gehabt, dass wir Juden uns wieder auf uns selbst besonnen und uns wieder selbst achten gelernt haben. Nicht zum wenigsten aber hat unser Orden zur Stärkung der jüdischen Gesinnung unc zur Kräftigung unseres Solidaritätsgeiühls beigetragen, die Ordensidee bat neues Leben in die Judenheit Deutschlands gebracht und uns das Selbstvertrauen wiedergegeben. — Um ans aber auch nach aussen die uns gebührende Stellung zu verschaffen, wollen wir auch weiterhin mit unseren andersgläubigen Mitbürgern wetteifern in den Werken der Menschenliebe und des Patriotismus und darch allgemeine Bildung sowie durch bescheidenes Auftreten jenes Ziel zu erreichen suchen. Dies kann aber nur dann geschehen, wenn alle Sonderinteressen schwinden und jeder, ob er nun hoch steht oder niedrig, mitarbeitet an der socialen und sittlichen Hebung unserer Glaubensbrüder." . An die Einweihungsfeier schloss sich ein Festmahl, das, durch Vorträge und Reden gewürzt, einen trefflichen Verlauf nahm und die Brüder mit ihren Angehörigen bis in die Morgenstunden vereinigte. Am 16. November fand eine Trauerloge für unseren verstorbenen Br. Friedländer statt, bei welcher Br. Dr. Walter die Gedenkrede hielt. Einen weiteren schmerzlichen Verlust erlitt sodann Anfang Januar unsere Loge durch das Hinscheiden der allverehrten Baronin von Cohn-Oppenheim, welche stets ein reges Interesse an unserm Logenleben genommen und dies auch zu wiederholten Malen darch (Jeberweisung grösserer Summen für Unterstützungszwecke bethätigt hat. Auch in ihrem Testament hat die edle Frau unsere Loge mit einem Legat von 20 000 M. bedacht und uns dadurch in den Stand gesetzt, in reicherem Masse als bisher unsere idealen Aufgaben zu verwirklichen. Am f8. Januar ver- . anstalte te die Anhalt-Loge in der mit Trauerschmuck versehenen Halle eine erhebende Gederkfeier für die dahingeschiedene Wohlthäterin, die sich für alle-Zeiten ein dauerndes Denkmal in unserm Herzen errichtet hat. Die hierbei von unsei em w. Expräs. Br. Rosenbaum gehaltene tief empfundene und zu Herzen gehende GedächtnissFede ist infolge Logenbeschlusses durch Druck vervielfältigt und allen Schwesterlogen als Erinnerungsbiatt an die Verewigte übersandt worden. Eine fernere Gedächtnissfeier fand in unserer Loge am l. Februar für die dahingeschiedene Gattin unseres Br. Tasse statt, wobei der W. Präs. Br. Dr. Marcus die Gedenkrede hielt. Geistige Anregung bot uns in der verflossenen Sitzungsperiode vor allem eine Reihe zusammenhängender - hochinteressanter Vorträge unseres Br. Dr. Walter über folgende Themata: 1. Die modernen jüdischen litterarischen Erscheinungen. 2 Das Wesen der Religion. 3. Die verschiedenen Bethätigungsformen des religiösen Lebens in der Menschheit. * -*; . In einer Logensitzung sprach ferner Br. Dr. Marcus über „Jüdische Krankenpflegerinnen." An grösseren Vorträgen wurden uns im letzten Termin folgende geboten. Es sprachen: •:"■-*>• Br. Dr. OppenVeime. r aus Hallea. S. über „Die soziale Stellung der Frau' in Vergangenheit und Gegenwart." Dr. med. Kahn aus Bonn über „Das alte und das neue Ghetto." . ' ■ : -i Rabbiner Dr. A c k e r mann aus Brandenburg behandelte das Thema: „Was lehrt uns das Judenthum über unser Verhalten zu Andersgläubigen." j Einen erfreulichen Ausblick in die Zukunft gewährt uns die Aassicht, in allernächster Zeit eine Anzahl neuer Brüder zu gewinnen. Wir - begrüssen dies mit umso grösserer Freude, als unsere Loge seit längerer Zeit eine Vermehrung der Anzahl ihrer Mitglieder nicht zu verzeichnen hatte. Gabriel Riesser-Loge in Thorn. Unter Betheiligung fast aller unserer lieben Brüder, fand am 5. April unser viertes Stiftungsfest in den Logenräumen statt. Dasselbe begann am 7 Uhr Abends mit einer Festlogensitzung, bei der 9 Candidaten darch unseren bisherigen w. Präs. 3r. Adolph J a c o b in den Orden eingeführt wurden. Derselbe gab alsdann einen ausführlichen Geschäftsbericht über den Termin 1902/03, worauf der von der hochw. Grossloge entsandte Vertreter Br. Expräs. Friedländer- . Josen das Wort nahm, um; dem Präs. Br. Adolph a c o b für seine zweijährige, umsichtige und würdevolle Leitung der Loge den Dank der Grossloge, sowie für den ausführlichen, interessanten, mit allseitigem Beifall aufgenommenen Geschäftsbericht seine Anerkennungauszusprechen. Br. Eipräs. Friedländer vollzog alsdann in eierlicher zu Herzen gehender Weise die Installation der neuen Beamten and übergab die Leitung dem nunmehrigen

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