Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Date
- 1903-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 48 hinaus und war von besonderer Bedeutung. Die Geschichte der Pilsener Loge ergab sich als die Geschichte des österreichischen Ordens. Pilsen war nominell die zweite, in Wirklichkeit aber die erste österreichische Loge, Tön der aus sich die Gründung und FortbilduDg des ganzen österreichischen Distrikts vollzog. In der Pilsener Loge ist auch der. jetzige österreichische hochw. Gross-Präs. Br. Dr. Hammerschlag seiner Zeit als Br. eingeführt worden. Ein hervorragender Pilsener Br., Dr. Schanzer, ist z. Zt Vize - Grosspräs, des' österreichischen Distrikts. Der Union ist es zum grossen Theil zu danken, wenn in Oesterreich nunmehr ein logenreicher imposanter Ordensdistrikt gedeiht, dessen Erfolge besonders in socialjüdischer Beziehung zum grössten Segen für die Judenheit ganz Oesterreichs geworden ist. Dieser Bedeutung der Pilsener Loge entsprach auch die imposante Feier ihres zehnjährigen Stiftungsfestes. Die Loge in Pilsen zählt nur etwa gegen 50 Brüder, doch waren über 100 auswärtige Brüder und Delegirte erschienen, an ihrer Spitze der hochw. Gross - Präs. Dr. Hammerschlag, dessen Bekanntschaft zu machen ich bei dieser Gelegenheit die Freude hatte. Ich lernte in ihm einen Mann kennen, der die werkthätige Hingabe an die Ofdensideale zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat, voll inniger Begeisterung für die Zwecke und Ziele unseres Bundes. Er erkundigte sich eingehend nach den Verhältnissen der deutschen Logen und trug mir die herzlichsten Grüsse an die deutschen Brüder, besonders an die von mir vertretenen Logen auf. Ebenso übertrug mir die Pilsener Loge selbst durch ihren ausgezeichneten Präs. Br. Auer die herzlichsten Gegengrüsse an die Brüder in Berlin. Die Versammlung in Pilsen sah in meinem Erscheinen als Delegirter der Berliner Logen eine ganz besondere Aufmerksamkeit, über die sich die Brüder in Pilsen sehr gefreut haben. SSmmtliche österreichische Logen waren durch mehrere ^)elegirte vertreten, allen voran die Wiener Loge, die drei hervorragende Mitglieder entsandt hatte. Ans Deutschland waren erschienen: der w. Präs. und Vice-Präs. der .Nürnberger Loge, Br. Popper, für die Loge in München und Br. Laqueur" als Vertreter der Breslauer Loge. Br. Laqueur konnte daran erinnern, dass er zu den Gründern der Pilsener Loge gehört hatte und vor zehn Jahren die erste Propagandarede für Begründung der Pilsener Loge zu halten berufen war. Die würdige Feier wurde durch eine vortreffliche und paikende Ansprache des Präs. eingeleitet. Ihr folgte die Festrede des Vice-Grosspräs., Br. Dr. Schanzer, der . in scharf umrissenen Zügen die segensreiche Entwicklung der Pilsener L^ge und der Parallelentwickelung des ganzen österreichischen Distrikts, seiner Schöpfungen und Leistungen entwarf und den veredelnden und erzieherischen Einrluss des Orlens in Oesterreich darlegte. Es erwies sich aus den gedankenreichen Auslührungen des Br. Dr. Schanzer, dass wenn in irgend einem Lande die Schöpfung unseres Ordens auf besonders fruchtbaren Boden fiel, Oesterreich dieses Land war, weil angesichts der Zerfahrenheit und* Indolenz der jüdischen Verhältnisse vor zehn Jahren das Frscheinen des Ordens in Oesterreich geradezu eine Erlösung war. Nach dem offiziellen Festredner sprach der Gross - Präs. Oesterreichs in überaus gehaltvoller und erhebender Weise über die Prinzipien des Ordens und zollte der Pilsener Loge Worte wärmster Anerkennung. Sodann sprachen die Üelegirten der verschiedenen Logen, wobei auch ich als Berliner Delegirter zu Worte kam. Der stimmungsvollen "Logenfeier folgte ein gemütliches und genussreiches Bankett mit anschliessendem Ball. Beim Bankett gab es zwischen den ^einzelnen vortrefflichen Gerichten noch eine Reihe weiterer, nicht minder vortrefflicher Reden, von denen ich zwei hervorheben möchte; die Ansprache des Br. Prof.. Ehrmann aus Wien, der die Aufmerksamkeit der Theilnehmer durch eine Schilderung des österreichischen Hilfswerks für Galizien, eine Grossthat des österreichischen Ordens, zu fesseln wusste, ferner eine geistreiche Rede des Br. Dr. Ziegler aus Karlsbad, der, ab Rabbiner war er hierzu besonders kompetent, sehr wirksam ausführte, wie die Logen in die Aufgaben der Synagogen einrücken und diese mehr oder weniger ergänzen oder nahezu ablösen. Beim Ball hatten dann die liebenswürdigen Frauen und Töchter unserer österreichischen Brüder den Erfolg, uns Tneilnehmer im selben Masse wie die Bankettredner zu fesseln und zu interessieren. Die Gesammtfeier des schönen Festes der Pilsener Loge hat jbei allen Theilnebmern und auch bei mir die allerbesten Erinnerungen hinterlassen. Aus den Logen des VIII. Distrikts. Allemania-Loire-Stettin Seit der am lß. Nov. stattgehabten feierlichen Weihe unserer neuen Räume hat sieh auch der Besuch unserer Sitzungen gehoben. Bei der Einweihungsfeier konnten wir 8 Brüder, seitdem einen Bruder neu in unsere Loge einführen, während wir zu Weihnachten den im besten Mannesalter stehenden Br. Arensberg durch plötzlichen Tod und jetzt einen Mitbegründer unserer Loge, durch Verzug von hier verloren. Die neuen Räume boten uns auch Gelegenheit, die Brüder mit ihren Damen zur Sylvesterfeier zu vereinigen und zu Purim ein recht gelungenes Kinderfest zu veranstalten. Ferner hielt Br. Exp. Dr. L a n d sb e r g in dem neuen Saale vor den Brüdern und ihren Damen einen Vortrag über Ibsens .Frau vom Meere* und Br. Dr. Vogelstein wird daselbst in nächster Zeit über „Babel und Bibel" sprechen; in einer Sitzung erfreute uns Br. S a 1 o s c h i n mit einem kurzen Vortrag „über die Papierindustrie", während in einer der nächsten Sitzungen Br. Expr. Moritz „über die Geschichte des U. 0. B. B." sprechen wird. Der sonstige Inhalt unserer Sitzungen war gegeben durch die Erledigung der laufenden Geschäfte, durch ein Referat über die Ferienkofonienfrage, über den Plotke'schen Antrag u. a. Zu Beginn des neuen Termins erstattete Br. Präsident Dr. Landsberg vor den Damen der Brüder ein Referat über das Thema: „Welche Anforderungen kann die Loge an die Mitarbeit der Frauen stellen" und es ist Aussicht vorhanden, dass sich auch hier ein Frauenverein der Loge bildet. Schliesslich weisen wir noch einmal darauf hin, da«s unsere Loge „eingetragener Verein" ist und s. Z. die gesammten Nebengesetze eingereicht hat; mit etwaigen Auskünften sind wir den Schwesterlogen gern zu Diensten.