Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1901
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1901-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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gezeigt hat und dass wir mit unserer Arbeit zum Bau des Ganzen nach Möglichkeit beigetragen haben. Aber, meine lieben Brüder, ich behaupte, dass vielmehr hätte geleistet werden können, wenn die Theilnahme an unseren Sitzungen eine regere gewesen wäre, wenn nicht so viele unserer Brüder — manche sogar stetig — den Sitzungen fern gebheben wären, j Ich möchte am heutigen Festtage nicht anklagen, aber djLe Arbeitslust, namentlich die der Beamten wird gehemmt, wenn immer nur dasselbe Häuflein Brüder sich einfindet, um mitzuhelfen bei unseren Unternehmungen, um unseren Zielen weitere Verbreitung zu verschaffen.' Dazu bedarf es des Einsetzens aller Kräfte und wenn ijch auch weiss, dass Staat und Gesellschaft an -viele unserer Brüder erhebliche Anforderungen stellen, dass unsere Mitglieder in den Vorständen sämmtlicher hiesigen jüdischen Vereine eine erfolgreiche Thätjgkeit aufweisen, dass im Vorstände der jüdischen Gemeinde, im Magistrats- und Stadtverordneten-Kollegium, in vielen anderen grossen Vereinen viele unserer Brüder ausserberuflich .stark in Anspruch genommen werden, so hoffe ich doch, dass es nur dieser meiner Bitte am heutigen Tage bedarf, um Sie, meine 1. Brüder, zu recht reger Theilnahme an unseren Arbeiten heranzuziehen, und dass Sie eingedenk der beim Eintritt in ünseren geliebten Orden übernommenen Verpflichtungen mithelfen werden, dass die Amicitia - Loge wachse, blühe und gedeihe und dass W. B. u. E. jetzt und immerdar eine bleibende Stätte bei uns linden. i Friedens-Loge in Ratibor. Unser geistiges Stillleben hat am 10. v. M„ eine Unterbrechung erfahren. Br. Dr. W. Gross aus Breslau hielt auf Wunsch der Friedensloge einen Vortrag über ,Volkskrankheiten und Aberglauben*. Der durchaus geistige Inhalt dieses Vortrages -und seine Formvollendung hatt seinen tiefen Eindruck auf die Zuhörer nicht verfehlt. Der Redner hat es verstanden, seine wissenschaftlichen Forschungen auf medicinischem Gebiete in Zusammenhang zu bringen mit den geistigen Schäden längst vergangener Zeiten und der Gegenwart. Mit Hoffnungen auf eine bessere Zukunft schloss die geistige Illustration des Redners unter enthusiasmirtem Dank der Zuhörer. * ■ - '. Carl Friedrich-Loge in Karlsruhe. Bei der Feier unseres Stiftungsfestes hielt der w. Ex-Prä«. Br. Dr. Friedberg folgenden Toast auf die Gro>sloge: . „Es wäre undankbar, wenn wir an unserem heutigen dritten Wiegenfeste nicht, wie ein dankbares Kind der Eltern, so der würdigen Grossloge gedächten. — Ein Familienfest feiern wir, und bei einem Familienfest wünscht mau fco möglicli die ganze Familie um sich zu sehen; je grösser die Liebe und Treue, um so inniger das Gefühl, dass die Freude nicht vollständig, nicht ungetrübt ist, wenn irgend ein theures Glied der Familie beim Feste fehlt Nun, die Grossloge fehlt uns nicht, wenn sie auch durch keinen besonderen Delegaten vertreten ist, sie ist ständig besorgt um ihre Kinder, die Logen ihres Distriktes; in Wort und Schrift begleitet sie uns auf unserem Lebenswege, mit Rath und Tliat unterstützt .sie unsere Arbeiten, nimmt regen Antheil an Freud und Leid ihrer Kinder. — AVenn heute die Logen als ein * .gewichtiger Faktor im jüdischen Volksleben allgemein,- geacKtet und vielleicht auch von Uebelberathenen und' Unwissenden gelürchtet und gehasst dastehen, so trägt daran nicht zum Wenigsten die richtige und tüchtige Leitung der .Grossloge ' m i t die Schuld. Wie sali m im religiösen, wie politischen, >vie sozialen Leben der Juden aus, ehe durch,die Grosskige Waudel geschaffen wurde? Kaum dass die Juden selbst sich für mehr als ein Quantite negligeabel hielten: — Selbstironie musste den Mangel an Selbstachtung ersetzen, von Selbstbewusslsein geschweige vom Glauben an'"unsere".JBferechtigung zum selbststäudigen Mitwirken im politischen, kommunalen und sozialen Leben war fast nirgends Tiiwhr di.e Spur wähl zunehmen. — JJa kam im Namen unseres erhabenen 'Ordens die Grossloge, suchte und fand .laden, welche, noch an die Mission dis Judenthumtglaubten, es wurden Logen gegründet, welche," ohne sich von ihren christlichen Mitbürgern abschliesseh :ju wollen, doch zunächst unter sich im engeren Kreise arbeiten wollten an der Selbstbesserung und Besseiung ihrer-Glaubensgenossen im idealen Stühe: in dieser Arbeit der Selbstbesserung fand die Grossloge : ein . wichtiges Mittel, der — wenn ich mich so ausdrücken darf,' i n n e r « u Abwehr gegen unsere leider so zahlreichen Feinde, denn je mehr unsere jüdischen Brüder mit Recht gerügte Fehler ablegten, um so weniger Angriffspunkte'" boten sie unseren Feinden noch dar. — , "'. * :/ " r ■' Neben diesem Princip der Selbsterziehung aber regte die Gross-Logr, die Verwirklichung des* echt jüdischen Grundsatzes der Menschenliebe an. — Die - Menschen sollten ja alle sich als Brüder lie.be», die -jüdische Religion vor allem lehrt diesen Grundsatz bis zur äussersten Consequenz der „ Feindesliebe''!■'; Ich darf wohl zum Belege die bekannten Vorschriften unserer"heiligen Religion citiren: „Wenn Du den Ochsen oder Esel Deitfes Feindes unter seiner Last darniedersinken siehst musst Du .ihm authelfen, darfst Dich auch nicht der Aufgabe entziehen, (len Feind vor Verlust zu bewahreu, musst ihm ■ das . verirrte Haus'hier zuführen,* „Hüte Dich beim Fall Deines Feindes zu frohlocken." Nicht jüdische Freunde hatten das gleiche Recht wi i der Einheimische, in Israel, Ausweisungen von Ausländern kamen im alten jüdischen Staat nicht' vor, -wi« in den hochcivilisirten Staaten des '20. Jahrhunderts/ ,-. Die Menschenliebe Ue V r e n ja freilich auch die anderen Coufessionen, wie diese Le'lire aber verwirklicht wurde, das zeigt die Geschichte der letzten f90ö .Jalne. Wir Juden waren bereit, gemeinsam mit uuseten christlichen Mitbürgern an der Verwirklichung der Princiiiien der Menschenliebe, die uhs ja religiöse.-Pflichterfüllung war, mit zu arbeiten, man wiesuns zurüek und wir konnten nicht anders als uns um so inniger in" der engeren Gemeinschaft an einander zu schliessen. — Nicht a n f d r ä n g e n wollen wir uns. aber auch nicht, schmollend iu den Winkel stehen oder gar freiwillig in das Ghetto zurückkehren, da sei Gott vor! — Durch unser B eis p i el und unser W irken im engeren Aneinauderschlus*%ölleu: wir unsere 'irre-geführten christlichen Mitbürger über. Juden, und Judenthü'm belehren und aufklären. - Diese A r tdes Kampfes u m d a s