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Bericht der Großloge für Deutschland · 1900-05-01 · Nr. 6 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1900
Issue
Nr. 6 - Mai
Date
1900-05-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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— 68 1 '• So dürfen wir mit Vertraaen in die Zukunft blicken und rüstig wollen wir weiter arbeiten an der aaserer Ideale, zu unserem Heile und dem Ordens. Verwirklichung des gesammten Gabriel Riesser-Loge in Thorn. Bevor wir das erste Stiftungsfest schildern, werfen wir einen kleinen Rückblick auf die Thätigkeit der Loge im verflossenen Jahre. Die Logenabende wurden sehr rege besucht, und sind durch Referate und Diskussionen sehr anregend verlaufen. Der IMerstütiungsausschuss hat sehr wohlthätig gewirkt fnd auch Gesuche von auswärtigen Bittstellern berück- Eitigt worden. Jeden Sonnabend haben gemüthliche Zusammenkünfte mit den Familienangehörigen stattgefunden, die zur Belebung der Geselligkeit beigetragen haben; Das erste Stiftungsfest hätte einen sehr würdigen Verlauf. Bei Beginn der Festloge fand die Einführung dreier Kandidaten durch den Vice-Präsidenten " Br. Ad. Jacob statt. Dann erfolgte die Einführung und Verpflichtung der wieder gewählten Beamten durch den Delegirten der Grossloge Expr. Br. Placzek. Wir hatten auch die lihre, '2 Brüder der Borussia-Loge zu begrüssen. unter Ihnen den Präsidenten Jul. Levy. Nach beendeter Festloge, vereiiigten sich die Brüder mit ihren Schwestern im Artushof bei einer zwanglosen gemüthlichen Unterhaltung. Abends 6 Uhr fand in unserem Heim das Brudermahl statt, woran sich 43 Brüder betheiligten. Der prot. Sekretär Br. Feilcher feld schilderte in geistvollen Worten die Tendenzen des Ordens, die Notwendigkeit der Vereinigung und des fest?n Zusammenhaltens der Juden, und schloss mit einem Hoch auf die Gabriel Riesser - Loge und die Lodzer Brüder. Mit Begeisterung wurde die Rede aufgenommei, worauf sich Br. Heymann verpflichtet fühlte, Namens der Lodzer Brüder eine ansehnliche Summe für den Wittwen- und Waisenfonds zu stiften. Vice-Präs. Bruder \ acob toastete auf den Vertreter der Gross - Loge, was vom Expr. Br. Placzek in sehr anregender geistvoller Red?, in welcher er seiner Freude Ausdruck gab, dass es ihm vergönnt war. der heutigen Feier beizuwohnen, herzlich erwidert wurde und schloss mit einem Hoch auf die Beamt Riesser-Loge. Ferner toastete Br. Mentor Gäste. Br. Präs. Levy der Borussia - Loge Danzig gesandten Delegirten, Finanz-Sekr. die Damen und Br. Nathan Leiser auf die Nach beendeter Tafel überraschten uns die Schwestern, die mit grossem Jubel begrüsst wurden, und nach fröhlich vollbrachten Stunden trennten sich, nur seh" ungern, die Teilnehmer,, welchen das schöne Fest sicherl ch noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. An den w. Präs. Br Radt, der plötzlich verreisen musste, sowie £n den Grosspr. Bruder Timendorfer sind Begrüssungstele»ramme abge sandt worden. Hohenzdllern-Loge in Krotoschin. Unsere Loge hat am 18. v. Mts, während sie sich zur Feier ihres ersten Stiftungsfestes rüstete, einen herben Verlust dt^rch den Heim gang ihres lieben Vicepräsidenten, Br. J o s i p h N. Neumar.k, erlitten. Aus diesem Grunde wurdej von der Feier des Stiftungsfestes Abstand genommen und mi|t Genehmigung der hochw. Grossloge am 29. v. M. eine Trauerloge abgehalten. Zu derselben waren unsere Brüder und deren Damen, en der Gabriel Wolff auf die auf die nach Br. Jacob auf Schwestern sowie die Leidtragenden, die Amisgenossen und des Verewigten eingeladen und erschienen. Ein stimmungsvoller musikalischer Vortrag leitete Trauerloge ein. Der Präsident unserer Loge, Br. M. Auer b a c h, schilderte in beredten Worten die Verdienste de Entschlummerten und entwickelte ein lebensgetreues Bild seiner langjährigen Thätigkeit als Mitglied der Gemeinde Behörden und deren humaner Einrichtungen. Er hob ganz besonders des Verewigten ungemein hohes Pflichtgefühl, die Friedensliebe, den Wohlthätigkeitssinn und die in den Kriegen 1864 und 1866 bewiesene Tapferkeit hervor. Im Anschluss daran hielt der Delegirte der hochw. Grosslog«, Expräs. Br. Dr. Gross- Breslau, dem Verstorbenen einen tief pfundenen, schwungvollen Nachruf. Er betonte darin u. a. dessen vorbildliche Bestrebungen um das Ordenswesen im allgemeinen und insbesondere um die Egerloge, der er längere Zeit angehört hatte, und um die Hohenzollern-Loge, an deren Begründung er hervorragenden Antheil genommen. — Hierauf trug Br. Ries ein von ihm eigens zu dieser Feier verfasstes tiefempfundenes Gedicht vor. Nun sprach Br. Dr Berger, anknüpfend an das Schriftwort I. Buch Mos. 37,30: »Joseph ist nicht mehr da, wohin soll ich nun?4 über die hervorragenden Verdienste de« ewigten Br. Joseph Neumark als Bruder, Berather and Tröster jedes Einzelnen in Leid' und Freud'. Ein erhebender musikalischer* Vortrag schloss die Feier. itLj Nach einer kurzen Pause hielt der Delegirte der hochw. Grossloge einen anregenden und mit ungetheiltem Beifall aufgenommenen Vortrag. Der w. Expräsident stellte den Antisemitismus, den Krebsschaden der Gegenwart, als eine Volkskrankheit hin und beleuchtete diese seine Be hauptung durch verschiedene aus der Geschichte (Kinder kreuzzug, Hexenglauben, Veitstanz u. a.) angeführte Bei spiele. Als Heilmittel gegen die schreckliche Volkskrankheit der Gegenwart empfiehlt der Redner denvengen Zusammenschluss der intelligenten Kreise. Das einmüthige Zusammengehen erstrebt der Orden Bnei Briss, und deshalb appellirt der Vortragende an alle geeigneten Glaubensbrüder, mitzuarbeiten an den idealen Bestrebungen unseres geliebten Ordens. Dem allverehrten Br. Expräsidenten sei auch an dieser Stelle für seinen lichtvollen Vortrag, der hoffentlich nicht wirkungslos verhallen wird, unser herzlichster Dank abgestattet. Am Abend desselben Tages iand nach Einfuhrung eines Kandidaten durch den Delegirten der hochw. Grossloge die Installation der neuen Beamten in erhebender und feierlicher Weise statt. Vor Schluss der Sitzung theilt Br. Ruhmann mit, dass er zum Andenken an seine in diesem Jahre verstorbene Mutter eine Stiftung von 1000 Mark unter die Verwaltung unserer Loge stelle mit der Bestimmung, dass die Zinsen alljährlich armen Kindern der hiesigen jüdischen Schule zufliessen. Ferner überwies die Wittwe des verstorbenen Vicepräsidenten Joseph N. Neumark der Hohenzollern- Loge den Betrag von 300 M,, deren Zinsen alljährlich am 18. April, dem Todestage des Entschlafenen, an hiesige Arme vertheilt werden sollen. Diese beiden Akte hoch' herziger Opferwilligkeit und rührender Pietät seien hiermit herzlichst dankend zur Kenntniss gebracht. '* Buchdruckerei Max Öohn (Inh. A- M. Brodacz), Berlin NO., Kaiserstrasse 41.

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