Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1900
- Issue
- Nr. 5 - April
- Date
- 1900-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 50 — wir es uns versagen, hier auch nur auszugsweise jene Ansprachen wiederzugeben; nur die Rede des Präs. der Borussia- Loge, Br. Julius Levy, glauben wir skizziren zu sollen, weil aus derselben hervorgeht, welch grosses Verständniss derselbe bereits für unsere Aufgaben besitzt. Br. Levy führte etwa folgendes aus: Im Namen der soeben gesetzlich konstituirten Borussia- Loge erlaube ich mir Ihnen würdiger Br. Gross-Präsident, den Expr. sowie den Delegirten der'Gross- und Schwester- Logen unsem Dank dafür auszusprechen, dass Sie in unserer Mitte erschienen sind, um diesem für uns so bedeutungsj vollen Tage durch Ihre Anwesenheit, Ihre Ansprachen und Ertheilung des Freibriefes die Weih'e zu verleihen. Ihre Anwesenheit und die der genannten Brüder hat für uns Danziger Brüder aber auch eine eminent praktische Bedeutung:'sie führt uns vor Augen eine starke Organisation, die gewillt ist. Schwache . zu stützen und den Muth zu beleben. Durch den Anschluss an diese Organisation, durch den Rückhalt, den wir bei ihr zu finde» hoffen, entsteht für uns ein Gefühl der Sicherheit, es ,wächst unser Selbstvertrauen und wir finden den Muth, auf diesem vorgeschobenen, nordöstlichsten Punkt« des deutschen Logengebiets die Ordensfahne hoch zu halten, um.ihre Inschrift ..Wohlthätigkeit, Bruderliebe und Eintracht'- in Thaten umzusetzen. Auf diesem Wege hoffen w^r zu erreichen, dass wir als ein würdiges Glied diesem grossen Ordensorganismus angeschlossen werden können. In den Ansprachen der werthen Brüder ist auf die Schwierigkeiten hingewiesen worden, die beseitigt werden mussten, bevor sich auf diesem dürren, unfreundlichen Boden die ersten Keime für die Ordensidee, für die Logengründungen entwickeln konnten. Der Anregung und der Mitarbeit der BBr. Bergel und Wolff-Berlin, der BBr. Dr. Lewin und Crombach - Stettin, des Br. Meyer - Stargardt, haben wir zu danken, dass der Boden beackert werden konnte. W ir sehen ihn heute von einer jungen, grünen Saat bedeckt und unser heisser Wunsch ist es, dass diese Saat, wenn auch noch umgeben von eisiger Kälte, von anstürmenden, hohlen Winden, sich zu einer kräftigen, kernigen Pflanze entwickeln m jge. die edle Früchte zeitigen und angenehmen Duft verbreiten wird. Würd. Herr Gross-Präsident! Sie und die von mir genannten Brüder sind nicht die ersten Ordensbrüder, die als Träger von Humanitätsideen im Weichselland erschienen sind. Vor fast 700 Jahren waren es Ihre Vorgänger, die Ritter des deutschen Ordens, die hier auftraten, in der einen Hand das Schwert in der andern das Ordensstatut' haltend, um dieses Land den heidnischen Preussen zu entreissen, damit dort eine Stätte für deutsche Kultur, deutsche Anschauungen und deutsche Sitte errichtet werden könne. * Jahrhunderte hindurch wogte der Kampf, fast schien es, als wolle der weisse polnische Adler seine Fänge in diesen Boden einschlagen, doch mit rauschendem Flügelschlag umkreiste ihn der schwarze Adler, das Wappenbild der Krone Preussens derBorussia, undihmgelang es, diese Provinz'als eine kostbare Perle dem Diadem der Krone Preussens einzufügen. Wir Danziger Brüderf empfinden mit ganz besonderem Stolz, dass unter Würdigung der eben skizzirten historischen Entwicklung, unter Würdigung der uns umgebenden Ver: hältnisse unserer Loge gestattet worden ist, die Bezeichnung Borussia, das ist Preussenloge, zu führen. Preussenthum und Ordensthum haben vielfache Berührungspunkte; beide setzen voraus, dass ein grosses ideales Ziel fest und unentwegt im Auge gehalten werde, beide verlangen anstrengende mühevolle Arbeit ohne Rücksicht auf den unmittelbaren Erfolg, beide verlangen Ordnungssinn, Achtung vor der Obrigkeit. In diesem Ordensgeiste, in dieser preussischen Art -werden die Danziger Brüder an ihrer Selbsterziehung, an ihrer Selbstveredlung arbeiten und so hoffen wir. hochw. Gross-Präs.!, wenn einmal von der Grossloge aus die Loosung ertheilt werden sollte, die Segnungen und Wohlthaten des Ordens Bnei Briss hineinzutragen in das in mancher Beziehung heute noch heidnische Preussen, Sie-an Danzig, ein Ausfallsthor und eine Truppe von Brüdern finden werden, mit denen im Vertrauen auf Gott, im Vertrauen auf unsere gerechte gute Sache, Sie in diesen heiligen, unblutigen Kampf ziehen können. Sie werden von Erfolg zu Erfolg, .von Sieg zu Sieg schreiten, denn der Orden ist der starke Arm des Judenthums, der diesozialen und ethischen Wahrheiten unseres Glaubens nicht nur unter seine Bekenner verbreitet, sondern auch dafür sorgt und dafür wirkt, dass diese Wahrheiten im Leben der Juden sich .zu Thaten gestalten!'1 Dem offiziellen Theil folgte ein prächtig arrangirter festlicher Theil, der in einer allegorischen Darstellung von W. B. u. E.. einem Bankett. Stellung lebender Bilder und Ball zerfiel. Ueber denselben dürfte wohl noch von anderer Seite berichtet werden. Die Brüder in Danzig haben es meisterhaft verstanden, die Installationsfeier zu einem wahren Verbrüderungsfest zu gestalten und auch an dieser Stelle sei ihnen der Dank für all die Liebe und Freundschaft abgestattet, die sie den Gästen entgegen brachten und erwiesen haben. i Aus dem Gedächtnissbuche der Grossloge. Seit Erstattung des letzten Berichts hat unser Distrikt den Tod folgender Brüder zu beklagen. Es starben: , 8. Am 2. April 1900 Bruder Dr. Max Rothenberg, Mitglied der August Lamey-Loge in Mannheim seit dem 3. März 1897, geboren am 9. Mai 1868 zu Dassel (Hannover). 9. Am 6. April 1QO0 Bruder David Bresiauer, Mitglied der Berthold Auerbach-Loge in Berlin seit dem- 7. Februar 1887, geboren am 9. November 1851 zu Schmiegel. 10. Am lt. April 1900 Bruder Moritz Blumenthal, Mitglied der Zion-Loge in Hannover seit dem 7. Mai 1899, geboren am 11. Mai 1851 zu Diepholz. 11. Am 14. April 1900 Bruder William Oppenheimer, Mitbegründer der Zion-Loge in Hannover — 14. März 1886, — geboren am 26. August 1849 zu Gronau bei Leine. . 12. Am 18. April 1900 Bruder Vice-Präsident Joseph N. Neumark, Mitbegründer der Hohenzollerh- Loge in Krotoschin — 17. April 1899 — geboren am 5. August 1831 zu Jutroschin.