Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1900
- Issue
- Nr. 5 - April
- Date
- 1900-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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BERLIN, im April 1900. No. S. Bericht der Grossloge für U. O. B. B. ■ / ■ --t { t ■ m ~ Nachdruck sämmtlicher Artikel aas diesen Berichten verboten. Fernsprecher: D. Wolff, VI, No. 4619, Wilhems'trasse uff. Allen würdigen Schwesterlogen, die uns durch Entsendung von Delegirten oder schriftlich zu unserem Stiftungsfeste beglückwünscht haben, sagen wir herzlichen, brüderlichen Dank. Die August Lamey- Loge , L. Regensburger, Präsident. Dr. Moses, prot. Sekretär. S y&m # j „Die Musik im Judenthum." Vortrag, gehalten in der München-Loge am 12. Februar 1900 von Br. Emanuel Kirschner. (Schluss.) Freilich scheinen die Propheten von einer solchen Verweltlichung der Musik nicht sonderlich entzückt gewesen zu sein, denn Jesajas hören wir ausrufen: „Weh denen, die früh am Morgen aufstehen, nach berauschenden Getränken jagen, die spät sitzen am Abend, der Wein durchglüht sie. Und Zither und Psalter, Pauke und Flöte und Wein macht ihr Zechgelag." Ebenso der Prophet Arnos: „Die auf Betten von Elfenbein liegen und sich hinstrecken auf ihren Lagern und essen die feisten Lämmer und Kälber aus der Mast, die mit dem Psalter klimpern, wie des David wähnen sie ihr Saitenspiel." Doch auch Worte der Anerkennung werden der leichtgeschürzten Muse gezollt und gar hohes Lob spendet ihr der Spruchdichter Jesua Sirach wenn er sagt: ,.Wie ein Rubin in Gold leuchtet, so ziert Gesang das Mahl, wie ein Siegelring von Smaragd in goldner Fassung, so das Lied bei süssem Wein". Ja, er fordert auch für diese lediglich dem Vergnügen geweihte Kunstbethätigung Respekt und Wohlanständigkeit seitens des verehrlichen Publikums in folgenden vielleicht auch heut noch recht beherzigenswerthen Worten: „Sprich, Rathsmitglied, in gründlicher Kenntniss, denn das ziemt dir; aber sei der Musik nicht hinderlich. Wo Wein getrunken wird, bringe dein Gespräch nicht an und zeige dich nicht weise zur Unzeit." O, glückliches Zeitalter, in welchem solch eine Mahnung sich nur als nöthig erweist gegenüber der weltlichen Musik, dreimal glückliches Zeitalter, in welchem Solch eine Mahnung sich nur als nöthig erweist gegenüber einem zur Unzeit schwatzhaften Männergeschlecht. Ich glaube zwar nicht, meine verehrten Zuhörerinnen, dass Ihre Schwestern im Alterthum dem heutigen schönen Geschlechte an Zungenfertigkeit nachstanden; wohl aus Galanterie, aus Höflichkeit richtete Sirach seine Mahnung, seine goldenen Worte nur an die Adresse der Männer. Ob allerdings die damaligen Töchter Judäas in den Tempelhallen während gottesdienstlicher Veranstaltungen aui das angelegentlichste sich unterhielten über Küchen- und Dömestikenangelegenheiten, über Toiletten- und Kostümkunde, davon wird uns nichts ^berichtet, wohl aber wird, vielfach bezeugt, dass sie musikalisch hervorragend thätig wären, insbesondere bei Siegesfesten und Leichenbegängnissen. Jephta, Saul und - David . werden nach vollbrachten Heldenthaten im Kriege empfangen von Frauenchören, welche ihnen mit Pauken und Reigentänzen singend entgegenziehen. „So spncnt der Herr der Heerschäaren"*. ruft Jeremu, aus, „sehet euch um".und rufet die-Klageweiber, dass sie kommen, und zu den kündigen Weibern sendet, dass sie kommen und eilends ein Klagelied über uns erheben, dass unsere Augen von Thränen' rinnen undunsere Wimpern von Wasser fliessen. Ja, höret ihr Weiber das Wort des Herrn und es fasse euer Ohr das' Wort seines Mundes! Lehret eure Töchter Sterbelieder und eine die andere Todtenklage."? ' Wohl erging diese jeremianische Aufforderung an jene Zeitgenossen, welche den ersten Fall Jerusalems, die Zerstörung des ersten Tempels mit ansehen mussten. welche hinweggeführt wurden gebrochenen Herzens in ein fremdes Land, in die babylonische Gefangenschaft,, aber der .Nachhall dieser Aufforderung tönt wieder in noch weit verstärkterem Maasse bei der Zerstörung des zweiten Tempels, beim zweiten Fall Jerusalems^ durch Titus.4 Auch jetzt trifft Alles ein, was der Gottesmann jirmijarju ' vor Jahrhunderten prophezeite. ' I Zum zweiten Male sass Zijoh trauernd auf der Trümmerstälte und weinte, ihre Söhne waren gefallen oder mit ihren Töchtern in die Sklaverei hinweggefuhrt worden. Sie war noch unglücklicher als je zuvor, „denn ihre Thränen bleiben auf ihren Wangen, Niemand tröstet sie. Gefallen ist die Krone unsres Hauptes. Weh uns, darob ist unser Herz krank, gross wie das Meer ist unsre Wunde." „Ihr irren Stämme flüchtig und verbannt, wo gab' es Ruhe fern vom Vaterland? Der Fuchs sucht sie im Bau, im Nest der Rabe, der Mensch im Haus, Israel nur im Grabe." So zeichnet ergreifend, der geniale Byron in seinen