Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1899
- Issue
- Nr. 7 - September
- Date
- 1899-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 82 — i- 1.' : ■ . - ». Sachen ergeben, dass, je mehr die Logen auf geistigem, idealem Gebiet leisten, desto grösser ihre Frequenz und desto geringer der Abgang an Mitgliedern ist. Hier also ist der Schlüssel gefunden zur Lösung der Frage: „Wie ist das Logenleben zu heben'', eine Frage, die so häufig autgeworfen und behandelt wird. Möchten sich doch die Logen diesen Nachweis'zur Richtschnur für ihre Thätigkeit dienen lassen, sie würden dann über mangelnden Besuch und über Gleichgiltigkeit ihrer Mitglieder für unsere Aufgaben wohl nicht mehr zu klagen haben. Die 5 Rubrik. .,Wohlthätigkeitseinrichtungen'\ giebt Auischluss über das selbständige Vorgehen der Logen auf diesem Gebiete, über die Förderung bestehender Institutionen durch Subventionirungen, wie auch darüber, bei welchen Wohlthätigkeitsvereinen etc. die Logen durch ihre Mitglieder im Vorstande vertreten sind. Das Material dieser Rubrik muss das Herz jedes Menschen - Freundes höher schlagen machen, denn es ergiebt, dass wohl kaum ein Gebiet, menschlicher Wohlthätigkeit exislirt, das von den .Logen nicht gepflegt wird, sei es durch eigene Schöpfung, oder durch Zuwendung sehr namhafter Beträge an bereits bestehende Institutionen. Hier wird von Neuem bestätigt, dass Wohlthätigkeit eine unserm Volksstamm angeborene Tugend ist. es ist jedoch ein besonderes Verdienst unserer Logen, die Erkenntniss dafür geweckt zu haben, dass Wohlthätigkeit den höchsten Segen stiftet, wenn sie nicht planlos erfolgt, sondern organisirt und mit fühlendem Herzen ausgeübt wird. Hoch erfreulich ist ferner die Thatsache. die aus dieser Rubrik hervorgeht, dass in einer verhältnissmässig recht grossen Anzahl von Wohlthätigkeitsihstitutionen im Vorstande derselben die Logen durch ihre Mitglieder vertreten sind, denn dadurch werden die Bestrebungen unseres Ordens, an möglichst allen Wohlthätigkeitsgebieten Antheil zu haben, allgemeine Würdigung und Anerkennung finden. Die Angaben in der letzten Rubrik des Fragebogens ..Aeussere Propaganda' . lassen leider noch sehr viel zu wünschen übrig, denn es sind nur einzelne und immer dieselben Logen, die über Maasnahmen und Arrangements zur Gewinnung neuer geeigneter Mitglieder und Plätze lür Errichtung von Logen berichten; in den meisten erhaltenen Fragebogen ist diese Rubrik unbeantwortet geblieben, was recht charakteristisch ist. Glauben die Logen, auf dem Gebiete der Propaganda wirklich schon genug geleistet zu haben'' Vergegenwärtigen sie sich denn nicht, dass ein Abgang naturgemäss eintreten muss, der Rückgang also unvermeidlich ist, wenn nicht kräftig für neuen Zuwachs gewirkt wird9 Es muss ausgesprochen werden, dass diejenigen Logen" ihre Pflicht nicht erfüllen, die die Propaganda derart aus den Augen lassen, dass sie darüber garnichts zu berichten haben. In erster Reihe sollte mit diesen Ausführungen den Logen und Brüdern dargethan werden, welche Zwecke, die Grossloge mit der Einführung des Fragebogens verfolgte und welch' hohen Werth dieser für die «Gesammtheit hat. Wenn das mit diesem Artikel erreicht ist, dann werden sich auch alle Logen der Pflicht zur Berichterstattung bewusst werden und dieser Pflicht nachkommen. Rede des Br. Dr. Frank, Rabbiner in Köln, zur Einweihung des dortigen Lehrlingsheims. Hochverehrte .Festversammlung! . Wir sind im Begriffe, dieses stattliche Haus, das neuerbaute Lehrlingsheim, einzuweihen und seiner sozial-gemeinnützigen Bestimmung zu übergeben. Das erste Weihewort, das über diese Stätte ausgesprochen wird, soll von der Religion ausgehen, denn das bedeutet die richtige Auf- und Erfassung alles dessen, was hiehieden in der materiellen Welt vor sich geht, wenn man bestrebt ist, die Brücke zu schlagen, die das Sinnliche mit dem Uebersinnlichen, die Materie mit der Idee, den Menschen mit Gott verbindet. Alles, was unter den Menschen geschieht und sich vollzieht, muss von einem höheren Gesichtspunkte, im Lichte Gottes und de/ Religion betrachtet werden, und nirgendwo offenbart sich das Licht Gottes und der Religion heller, klarer und deutlicher als in der Entwicklung der Weltgeschichte im allgemeinen und der Geschichte eines Einzelvolkes im besondem. Dess können wir Bekenner des Judenthums uns am gründlichsten überzeugen. Heute vor acht Tagen beginnen wir den Trauertag zur Erinnerung an den Untergang des stattlichen Lebens unseres Stammes; Tempe} und Stadt, Priester und Altar, Freiheit und Unabhängigkeit gingen verloren. Zweitausend Jahre fast liegen seitdem hinter uns: die zeitgenössischen Völker der alten Welt sind nicht mehr, und von den Kulturvölkern der Gegenwart vermag kein einziges auf solch ein hohes Alter zurückzuweisen, und während wir mit gewissen VVehmuthsgefühlen zurückblickten auf das, was wir einst waren und nicht mehr sind, auf das, was wir einst besassen und nicht mehr besitzen, gingen wir nicht gleich thatenlosen Existenzen in unfruchtbarer Rückerinnerung auf, sondern, die Brust voll von Hoffnung, traute der Genius des Judenthums der dem Stamme innewohnenden Kraft der Verjüngung und liess sich von dem Prophetenworte, das gestern in allen Gotteshäusern Israels vernommen wurde, aufrichten, „tröstet, tröstet mein Volk" . . . „Alles Menschliche ist wie das Gras und alle seine Vortrefflichkeit ist wie die Blume des Feldes, es dorret das Gras, es welket die Blume, aber das Wort unseres Gottes besieht ewiglich." Und Israel hatte sich getröstet und aufgerichtet, da es fortan an den Ausbau seines Religionsgesetzes und die Erforschung der heiligen Schriften seiner unvergleichlichen Literatur herantrat und seinem Geiste Nahrung zuführte, die dem ganzen Körper des Volkes zu gute kam. Aber nicht die geistige Beschäftigung allein wurde als eine unentbehrliche Voraussetzung der Fortexistenz Israels erkannt, auch die körperliche Arbeit stand im Vordergrunde als Mittel zur Erhaltung des jüdischen Stammes. Hat doch ein Fürst in Israel, der Vorsitzende der höchsten Religionsbehörde, hat doch ein Rabbi Gamaliel seinem Zeitalter zugerufen: „Schön ist es, das Studium der Gotteslehre mit weltlicher Beschäftigung zu verbinden, denn beides vereint, hält die Sünde fern, und wo Thora und Arbeit nicht Hand in Hand gehen, dort hat auch die Thora keine Bedeutung." Und diese Ermahnung ging in das Fleisch und Blut Israels über; hervorragende Schriftgelehrte. Männer, deren tiefe Gedanken und hohe Weisheit noch heute uns belehren und erbauen, waren schlichte, fleissige,