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Bericht der Großloge für Deutschland · 1899-08-01 · Nr. 6 - August · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1899
Issue
Nr. 6 - August
Date
1899-08-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Aus den Logen des VIII. Distrikts. Sinai-Loge in Cassel. Durch das Zusammentreffen einer Reihe von Umständen wurde es uns in letzter Zeit unmöglich gemacht, regelmässige Berichte zu erstatten. Wir können mit der erfreulichen Thatsache beginnen, dass im hiesigen Logenleben, mag es auch an Schattenseiten nicht leiden, eine Fülle von Lichtpunkten hefvortreten. Schwer haben wohl alle älteren Logen unter dem Indifferentismus mancher Brüder zu biiden, deren Logenthätigkeit nur im Zahlen der Beiträge besteht, und die Sinai-Loge macht hiervon keine Ausnahme. Aber die schlechtesten Brüder sindwir auch in dieser Hinsicht nicht. Zunächst besteht unsere Loge etwa zum 7. Theil aus auswärtigen Mitgliedern, die theilwejse sehr weit entfernt wohnen, und denen ein öfterer Logenbesuch nicht zugemutliet werden kann. Ferner sind unsere Sitzungen in den letzten Jahren immerhin durchschnittlich von ungefähr einem Drittel der hiesigen Brüder besucht worden.' Aber auch denjenigen unserer Brüder, welche leider nur selten den Sitzungen beiwoflnen. würden wir Unrecht tliun. wenn wir bei allen Gleichgültigkeit gegen die < »rdensziele voraussetzen wollten. Stehen doch gerade diese Brüder oft an der Spitze, wo es gilt, durch materielle < >pfer die Logenthätigkeit zu fördern. ■ Endlich aber besitzen wir einen Stamm von Brüdern, der. wenn auch nicht gross, von Begeisterung erfüllt ist tür die so mannigfachen hohen Auigalien des Ordens und von unerschütterlichem Vertrauen aut die siegreiche Macht der Wahrheit, die .-ich unter den schwierigsten Verhältnissen Bahn gebrochen hat und Bahn breclren wird. Mit tiefem Schmerze gedenken wir am h heute noch der edlen Männer, die sicli so hohe Verdienste um unsere Bestrebungen erworben haben und so früh aus dem Kreise der Brüder herausgerissen worden sind, des im vorigen Jahre verstorbenen Br. Baruch Bacharach und vor allem unseres geliebten Expräs. Br. Dr. Stein. Fast anderthalb Jahre sind dahingeschwunden, seit wir ihn ins Iii ab senken mussten, aber nocli immer blutet die Wunde unseres Herzens, nocli immer stehen wir unter dem erschütternden Eindruck des schweren Verlustes, den wir durch das Scheiden Dr. Steins erlitten haben. In der Aprilnummer JH08 die>es Blattes ist sein Charakterbild gezeichnet worden, und zur Erinnerung an ihn hat die Loge eine Dr. Stein- 'Stiftung begründet, aus welcher alljährlich am Todestage Bedürftigen, in erster Linie Schülern des von'S'tein 31 Jahre lang geleiteten hiesigen-Schullehrer-Seminars Stipendien gewährt werden. Die Wohlthätigkeit der Sinai-Loge ist eine im Verhältniss zu ihren beschränkten Mitteln. überaus weitgehende. Br. Hermann Oppenheim hat sich vor einem w' :M MmWy-'.- ":' i »• Jahr die kleine Mühe gemacht, die Höhe der von den einzelnen Logen je nach Verhältniss ihrer Mitgliederzahl ausgezahlten Unterstützüngsgelder zu berechnen. Danach stand im Jahre 1897 die Sinai-Loge mit 46 M. pro Kopf an 4. Stelle. Seitdem sind die Anforderungen, mit ihnen aber aucli die Opferfreudigkeit, noch erheblich gewachsen. Ein Hauptgrund des schlechten Logenbesuchs wird von vielen Seiten in der wenig interessanten Geschäftsordnung gefunden. Unser Comite für geistige Interessen, vor allem der unermüdlich thätige Vorsitzende des Comites, Br. Dr. Prager, sorgt für immer erneute geistige Anregung. Ausser den Vorträgen in unseren geschlossenen Sitzungen fand im Winter 1898/99, auch ein Vortrag des Professor Leffmann aus Heidelberg bei uns statt. Die in dem Fragekasten vorgefundenen Fragen lieferten Stoff zu mancher interessanten Debatte. Die Installation der neuen Beamten des Geschäftsjahrs 1898/99 wurde durch den hochwürdigen Grosspräsidenten selbst vorgenommen, der am 5. Mai 1898 unserer Loge die Ehre seines Besuches erwies. Die Stunden, die wir mit ihm hier verbrachten, waren äusserst genussreiche; manche werthvolle neue Idee, mancher neue Gedankengang wurde uns von dem hochwürdigen Br. Timendorfer entwickelt. Unser Stiftungsfest, welches am 15. Januar 1899 stattfand, nahm den schönsten Verlaut. Es wurde in den glänzenden Rietaeliug'scheu Sälen abgehalten und hatte die Brüder mit ihren Familien in stattlicher Zahl vereinigt. Ausser mehreren auswärts wohnenden Brüdern unserer Loge, welche mit ihren Damen zum Fest erschienen waren, hatten wir die Freude, einen Gast von der Lamey-Loge bei uns zu sehen. Treffliche Reden und Trinksprüche, theüs offiziellen Charakters, theils aus der bei der Tafel herrschenden fröhlichen Stimmung hervorgegangen, würzten in last ununterbrochener Folge i die Freuden des Mahles. So zog sich dafe Festmahl bis gegen Mitternacht hin, worauf Terpsichore in ihre Rechte trat. Bis zum frühen Morgen blieben die Tanzlustigen in fröhlichster Stimmung beisammen. Dem Stiftungsteste wohnte zu Aller freudiger Ueberraschung auch unser würdiger langjähriger Präsident, Br. Adolf Gotthelft bei, den eignes Unwohlsein, wie die schwere Erkrankung eines hoffnungsvollen Sohnes den Sitzungen leider für längere Zeit hindurch fern hielten. Da der um unsere Loge hochverdiente Manu auf keine Weise zur Uebernahme des Präsidiums zu bewegen war, so ward der bisherige Vicepräsident, Br. Moritz Lieberg, zum Präsident für den Termin 1899/1900 gewählt. Die bisherige Amtsführung unseres neuen Führers berechtigt uns, mit den besten Hoffnungen und mit freudiger Zuversicht der Wintersaison entgegenzusehen. V^N^ '9^^ J ^^^%asr B rneketei Max Cohn ilnh. A. M. Brodacz). Berlin NO., Kaiserstia.sse 41.

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