Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1899
- Issue
- Nr. 6 - August
- Date
- 1899-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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bilden. Die schönen Tage, die wir in Wiesbaden verlebt, sie werden bei allen Theilnehmern in dankbarer Erinnerung fortleben und dazu beitragen, uns eng und fest aneinander zu schliessen, um dem Orden in Deutschland die allgemeine Anerkennung zu erringen, dass er den Factor zur Wahrung und Förderung der höheren Interessen unseres Volksstammes bildet. Wenn der Logentag in Wiesbaden solche Erfolge zeitigt, dann haben wir sie in erster Linie der Nassau-Loge zu danken, die grosse Opfer dafür gebracht und besonders dem Präsidenten derselben Br. Dr. Lahnstein, wie auch dem Vorsitzenden der Vergnügungs - Commission Br. Adolf Oppenheimer, die keine Mühe gescheut, die Vertreter zur Grossloge würdig aufzunehmen und zu erfreuen. Die Rheinlandloge in Köln. Die Rheinlandloge in Köln hat aus der Fülle von Autgaben, die uns vom U. O. B. B. gestellt sind, hauptsächlich diejenigen gepflegt, die darauf abzielen, die Erwerbsverhältnisse unter unsern Glaubensgenossen1 zu heben. Getreu diesen Bestrebungen hat sie in letzterer Zeit zwei neue Institutionen geschaffen, wofür die Gesammtheit ihr um so mehr zu Dank verpflichtet sein muss, als die Segnung dieser Schöpfungen nicht blos einer einzelnen Stadt oder Provinz, sondern dem ganzen Vaterland zu gut kommen soll. Es sind dies: ju Der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen, 2. das israelitische Lehrlingsheim, beide zu Köln. Was den Verein der Krankenpflegerinnen betrifft, so lässt das uns vorliegende Druckmaterial erkennen, mit welch grosser Umsicht und Vorsicht die Rheinlandloge bei Errichtungdesselben zu Werke gegangen ist, denn bis in die kleinsten Details sind alle Eventualitäten vorgesehen und vor allen Dingen ist auch dafür gesorgt worden, dass die Pflegerinnen eine gesicherte Versorgung finden, falls sie nicht mehr arbeitsfähig sind. Die Idee für die Errichtung dieses Vereins in Köln ist auf dem Boden der Rheinlaridloge entstanden, von ihr eifrig gepflegt und propagirt worden und, nachdem die Existenz] dieses Unternehmens gesichert war," traten die Brüder an die Oeffentlichkeit und haben es verstanden, weite Kreise dafür zu ihteressiren. Wir glauben, dieses Institut der jüdischen Krankenpflegerinnen zu Köln nicht besser den Logen und Brüdern empfehlen zu können, als wenn wir das Schreiben der Rheinlandloge an uns zum Abdruck bringen, worin ausgeführt wird: ' „Unter thatkräftiger Mitwirkung unserer Loge (Rheinlandloge ) hat sich ein Verein für jüdische Krankenpflegerinnen hierselbst gebildet, der jüdischen Mädchen und Frauen einen ehrenvollen Beruf eröffnet, ihnen aber auch eine völlig gesicherte Existenz für den Fall der Dienstunfähigkeit durch Krankheit und Alter verschaffen will. Es handelt sich somit um einen höchst bedeutungsvollen Zweig sozialer Thätigkeit, für die wir die Theilnahme unserer Schwesterlogen anrufen, zumal auch die Schwestern, sobald eine genügende Anzahl ausgebildet ist, aller Orten zu Dienstleistungen entsandt werden sollen. /' . v' - Indem wir uns beehrein; Ihnen die Satzungen, die Bes. Stimmungen für die Aufnahme von Schülerinnen und für Schwestern, sowie das Pertsionsregle'ment zu übersenden, bitten iwir Sie, der Neugründüng Ihre Unterstützung zu leihen, insbesondere auch. durch Zuführung von Kandidatinnen, deren •körperliche,- geistige und gemüthliche Veranlagung, deren Erziehung in Haus und Schule, deren Charakter und bisherige Thätigkeit die Gewähr bieten, dass sie den hohen Anforderungen dieses ehrenvollen Berufes gewachsen sind. Auskunft über alle einschlägigen Punkte wird ausser unserm Präsidenten .Br. I. Dülken, d«r Vorsitzende des Vereins, unser Br.' Dr.: med. Auerbach gern ertheilen.'' Was das Israelitische1 Lehrlingsheim zu Köln betrifft, so ist die Errichtung desselben in erster Reihe wohl gleichfalls der Initiative des Br. Dr. Auerbach zu danken, der seit dem Tode des Br. Dt. Wedel Vorsitzender des Düsseldorfer Vereins zur Verbreitung und Förderung der Handwerker unter den Juden ist; und welcher nach jahrelangen Mühen durch Errichtung des; am Brüsseler Platz Xo. 30 in Köln befindlichen Lehrlingslieims sein Werk gekrönt sieht, denn stets waren seine Bestrebungen; dahin gerichtet, ein Institut zu schaffen, in welchemXehrlinge: möglichst kostenlos Aul nähme, Pfleg*, Unterweisung und Erziehung gemessen. " Wer sich vergegenwärtigt, welche Schwierigkeiten sich der Unterbringung jüdischer- Lehrlinge bei Handwerksmeistern entgegenstellen, welcher Arbeiten es bedurfte, um das gesteckte Ziel zu: erreichen, der wird mit uns dem Br. Dr. Auerbach und der.Rheihlandloge von Herzen dankbar sein müssen für das, was sie. erreicht haben und sind wir der Erwartung, dass diesef Dankauch durch die That sich bethätigen wird.. Denn uic Rheinlahdloge führt sehr treffend aus, wie die Erziehung der jüdischen Jugend zu ehrbaren sozialen Existenzen und zu charaktervollen Juden eine Hauptaufgabe der Logen sei," und dass sie auf die Theilnahme unserer Kreise mit um So grösserer Bestimmtheit rechne, als das' Lehrlingsheim Kinder, gleichviel welcher Heimath, unentgeltlich, soweit die Mittel reichen, oder gegen Vergütung aufnimmt. Schliesslich ersucht die Rheinlandloge um Zuweisung geeigneter Knaben für diese wichtige soziale Aufgabe. "... Der Wohtthätigkeitssinn unserer Logen bethätigt sich seit Jahren durch Zahlung fester Beiträge an Wohlthätigkeitsinstitute, die in gar keiner Beziehung zum Orden stehen, und so dankbar wiV das auch anerkennen, so hoffen und erwarten wir doch, dass besonders solche Schöpfungen zuerst Berücksichtigung finden werden, die ihre Existenz unsern eigenen Logen verdanken. Wir ersuchen daher die w. Logen, ihr Interesse diesen neuen Instituten der Rheinlandloge in erster Linie zuzuwenden und dieselben sowohl durch feste Jahresbeiträge als auch durch Zuführung geeigneter Personen zu fördern. - . 1