Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1899
- Issue
- Nr. 6 - August
- Date
- 1899-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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/ unserer Grossloge überreicht. In der Sitzung unseres Comites kamen sie vollinhaltlich zum Vortrag. Es kann hier keine nähere Darlegung der 24 offiziellen Referate, kein Eingehen auf Das stattfinden, was alle die von den verschiedenen Nationen entsandten Berichte rstatler an massenhaftem Thatsachen-Material, Schilderung der Gesetzgebung, Einrichtung erziehlicher und wohlthätiger Anstalten etc. beibrachten. Auch eine Besprechung der kenntniss- und geistreichen Debatten schliesst sich an dieser Stelle aus. Eine Berichterstatterin und Rednerin jedoch gab einmal in ihrem Referat, und ein anderes Mal in ihrer Rede den Anführungen eine gewisse confessionelle Spitze, und deshalb sei die Sache hier kurz berührt. Das Referat nämlich enthielt einen Hinweis auf die jüdischen Mädchenhändler und die Connivenz der jüdischen Presse. Ohne direkte Bezugnahme auf den Vorwurf der österreichischen Baronin von Langenau wurden ihre Bemerkungen indess beseitigt durch die Rede des Mr. Coote, der der seit Jahren, geübten Mitwirkung der englisch-jüdischen Gesellschaft ben sondere Anerkennung zollte und hervorhob, dass sie zu deri Kosten des Congresses 200 Pfund Sterling beigetragen habe Ferner gab der englische Bericht die auf die Juden gewälzte Schuld den währen Schuldigen zurück. 1 Endlich in ihrerj Rede war die protestantische Baronin von Langenau mit einer gegen Katholiken gerichteten Klage aufgetreten, von dem gerade präsidirenden französischen Deligirten, Mr Picot jedoch unter Zustimmung der Versammlung sehr enf-i schieden zur Ruhe verwiesen worden. Der geschilderte Vorgang zeigt deutlich, wie bedeutsam es war, dass neben englischen, auch deutsche und franzöi sische Juden auf dem Congress erschienen. Andernfalls hätte die Zusammenkunft, wenn nicht unmittelbar, so doch in ihren Nachwirkungen seltsame Resultate zeitigen können. Aus den gefassten Resolutionen ist Folgendes hervörl zuheben: In jedem Lande soll ein National-Comite zur Be; kämpfung des Handels mit weissen Sklaven gebildet werden. — Die auf dem Congress vertretenen Comites sind die Comites in ihren betreffenden Ländern: sie haben die Befugniss, ihre eigene Verfassung zu ändern, wenn sie es für erforderlich halten. In allen andern Ländern sollen Comites gebildet werden; mit der Durchführung dieser Aufgabe wird das Bureau beauftragt. — Der Congress setzt ein Internationales Comite ein, das aus zwei Repräsentanten jedes National-Comites besteht. — Das Uebrige betrifft die sonstige Organisation. Der Congress sprach folgende Wünsche aus: Es mögen die Regierungen sich vereinbaren, die gewaltsame Verschaffung von Frauen oder Mädchen, Betrug, Missbrauch der Autorität, oder irgend eine andere Beeinflussung zur Prostitution, wenn möglich auf, gleiche Weise, zu bestrafen, auch in Fällen der Anklagen solcher Verbrechen gleichmüssig zu verfahren; Die Vereinbarung möge sich darauf erstrecken, dass im Falle die Thatsachen, die das Verbrechen constituiren, in' mehreren Ländern begangen sind, die Untersuchung eine gemeinsame sei; das jedem Konflikt über die Gerichtsbarkeit durch Festsetzung des geeigneten Gerichtssitzes vorgebeugt sei; dass internationale Auslieferungsverträge geschlossen werden. ~ Eine bestimmte und dauernde Vereinbarung möge zwischen den philantropischen, und wohlthätigen Gesellschaften der verschiedenen Länder getroffen werden, in Bezug auf. die gegenseitige Benachrichtigung über Auswanderung von Frauen unter verdächtigen Umständen und in Bezug auf den'Schutz Von Auswanderern bei ihrer Ankunft. Eine genaue und vollständige Liste aller Gesellschaften in den verschiedenen Ländern, die geeignet und Willens sind, dieser Pflicht zu folgen, soll angefertigt werden. Diese Liste soll an alle Regierungen und Gesellschaften gesandt werden.. - -' Der nächste Congress soll in zwei Jahren in der Schweiz stattfinden.. .. ".'. '- ' Von den mancherlei Beziehungen* die im Anschluss. an den Congress geknüpft wurden/, muss hier die Rede sein. Denn wenn auch solche darunter sind, die ausserhalb der Grenzen liegen, die unserm Cöniitc vorgeschrieben sind, so dürfen sie deshalb nicht unerwähnt bleiben, weil sie auf wichtige Aufgaben unseres geliebten Ordens geineinsam abzielen. .Hierunter ist insbesondere gemeint die Beziehung zu dem im nächsten Jahre in Paris stattfindenden Congress für öffentliche Unterstützung und private Wohlthätigkeit. Die dem Delegirten unseres Cwniu's in London eingehändigte Drucksache ist eine unter, den. Auspizien der französischen Republik erlassene Einladung, ' Sie trägt die Unterschrift von Casimir Perier, als Präsidenten. Der Congress wird von den verschiedenen Regierungen beschickt werden. In der Organisations-Commissioh befinden sich u. A. die in London als französische Delegirte anwesend gewesenen Herren: Vicepräsident des Senats Berengar und Ferdinand Dreyfus. Es wird sicherlich für unsern Orden, namentlich für unsern Distrikt, der eigentlich als Corporativ-Mitglied auch dem deutschen Verein für Armenpflege und Wohlthätigkeit angehören müsste, überaus bedeutsam sein, an den Pariser Verhandlungen durch Vertreter sich zu betheiligen. Denn nicht nur ist es für uns in heutiger Zeit unumgänglich, offiziell von den allgemeinen Wohlfahrtsbestrebungen unterrichtet zu werden, sondern auch—dafür liefert entschieden der Londoner Congress den Beweis — auf gleiche Weise die Allgemeinheit von den jüdischen Institutionen in Kenntniss zu setzen. Auch in der Philantropie gab es für uns ein Ghetto: wir haben keine Veranlassung darin, zu^veTharfen. Auf diesem Gebiete vor Allem müssen wir unsere Selbstständigkeit, bewahren; aber ebenso müssen wir die Bedeutung dieser Selbstständigkeit in internationalen Und JnterConfessionell'en Zusammenkünften geltend zu machen wi9§en. Einen ganz hervorragenden Hinweis erheischt in unserm Londoner Bericht der Vermehr mit der Jewish-Association, wovon zum Theil bereits die Rede war. Doch muss noch auf die Sitzung hingewiesen werden, die das Gentlemens- Comite am Sonntag, den Ä''Juni, Abends, zur Zusammenkunft mit unserm Delegirten* anberäumt hatte. Sie führte zu einer eingehenden Erörterung, des ganzen Materials der uns beschäftigenden Frage, die leider'uns Juden weit mehr interessirt, als im Allgemeinen, selbst nur geahnt wird. Ueber die nächsten, von uns?ü ergreifenden Maassnahmen und über die Art gemeinsamer Arbeiten wurden Berathungen gepflogen. Die Weiterbildung .unserer Organisation und die Anstellung von Hafenagenten wird dringend von uns in Angriff genommen werden müsseh. Sosehr indess unsereSonderauf-gabe mit ganzer Energie und in Uebereinstimmung mit den -gleichen Zielen zustrebenden Vereinen und Comites durchgeführt werden müss,