Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Nr. 7 - November
- Date
- 1898-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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BERLIN, im November 1898. No. 7. Bericht der Grosslage für Deutschland u. o. B. B. Nachdruck sämmtlicher Artikel aas diesen Berichten verboten. Fernsprecher: D. Wolff, VI, No. 4619, Wilhelmstrasse 118. Gegenüber mehrfach geäusserten Bedenken sehen wir uns zu erklären veranlasst, dass wir für den Inhalt •aller Artikel in diesen Berichten nur insoweit eine Verantwortung übernehmen können, als dabei die Würde, die Tendenz des Ordens, unsere und die Staatsgesetze In Betracht kommen. Ob die veröffentlichten Artikel mit den Anschauungen der Grossloge übereinstimmen oder denselben zuwiderlaufen, haben wir nicht zu prüfen. Das Redaktions -Comite. Festrede zur Einweihung des neuen Logenhauses der August Lamey- Loge, gehalten vom Expräs. Rechtsanwalt Dr. Staadecker am 23. October 1898.*) Würdige Präsidenten, geehrte Expräsidenten, werthe Br.! Mit gehobener Stimmung, im Festesschmucke sind wir hier zusammengetreten, um einen neuen Abschnitt unseres Logenlebens einzuleiten, um die Vollendung eines Werkes zu feiern, an dem* wir%«t~me&~denn Jahresfrist gearbeitet haben. Verschwunden ist die bescheidene Stätte, in der wir unsere Vereinigung gegründet und bis vor Kurzem unsere Berathungen gepflogen haben. Ein glanzvoller, mächtiger 'Tempel erhebt sich an ihrer Stelle, ausgestattet mit Allem, was zur andächtigen Sammlung, zum hehren Aufschwung der Seele, zur Entfaltung des idealen Gedankens wirksam stimmt. Und neben diesem Tempel erschließen sich alle jene herrlichen Räume, die bestimmt sind, unseren Brüdern ein behagliches Heim zu gewähren, in welchem sie ihr reiches Gemüthsleben zum heiteren, sinnigen Ausdruck bringen und das innige Freundschaftsband befestigen sollen, das alle BBr, umschlingt. Aber es wäre ein schwerer Irrthum, wenn wir die Bedeutung unseres Werkes in dem äusseren Glanz und Prunk erblickten, mit dem unsere ernsten undheiterenVersammlungen sich nunmehr umgeben können oder in dem kunstgemässen, dekorativen Gewände, in welchem unsere Vereinigung nunmehr auftreten könne. Eine solche Auffassung stände mit dem Prinzip unseres Ordens, das jeder Effecthascherei, jeder Reclamesucht abhold ist, im schärfsten Gegensatz. Niemals hätten wir uns dazu verstehen können, ein Unternehmen zu fördern, das nur dazu dienen sollte, die alten Gebrechen der Ueberhebung und Ueberschätzung, an denen vielfach unsere Glaubensgenossen noch leiden, zu verewigen. Nein, die Bedeutung unseres Werkes muss von einem .höheren, ethischen Gesichtspunkte aus beurtheilt werden. Dasselbe soll als leuchtendes Wahrzeichen der Mit- und Nachwelt künden, dass in ernster Zeit ernste Männer unter der alten Fahne *) Benutzt wurden die Festreden des Bruders Dr. Maretzki V. 27. Sept. 1885 and des Bruders Dr. Stein vom 23. October 1894. des Judenthums sich zusammengefunden haben, um die g-heiligen Ideale desselben zu pflegen und zu erhalten, es ist die Bedeutung unseres Werkes. Aber steht denn unsere Vereinigung überhaupt noch auf Boden des Judenthums? Haben nicht Viele von uns ches Wesen mehr oder minder abgestreift? Ueben wir r&cht die Geselligkeit und Wohlthätigkeit wje andere Vereinigungen, die ausserhalb unseres Logenverbandes stehen? St. lautet der Einwurf, den wir schon in unserer eigenen Loge aus dem Münde eines geschätzten Bruders vernommen haben. Es sei mir daher verstattet, in dieser weihevollen Stunde das Verhältniss unseres Ordens zum Judenthum einer kurzen Betrachtung zu unterziehen. - Meine Br.! Allerdings enthält sich unser Bund jeder Stellungnahme zu den Streitigkeiten der religiösen Parteien, allerdings gehen Viele unserer Bundesgenossen gleichgiltig an dem äusseren Cultüsieben unserer Glaubensgenossenschaft vorüber und nehmen, keinerlei Antheil an d«fn religiösen Uebungen weder der einen -noch der anderen Richtung. Wer auf diese formale Seite des Judenthums den entscheidenden Werth legt,, mag daher-geneigt sein, unserem Bunde seinen jüdischen Charakter abzusprechen. Aber, m. BBr., es giebt in unserem Judenthüm glücklicherweise keine Partei, welche in dem Eormendienst das Wesen der Religion erblickt, alle Parteien und alle Religionsphilosophen, auch die strenggläubigsten, erkennen an, dass die Formen und Symbole hur die Mittel sind, um den grossen Gedanken-- inhalt des Judenthums seinen Anhängern zu erschliesssen, um die ewigen Grundwahrheiten, die Ideale, seinen Bekennern zur klareren Erkenntriiss" zu bringen. Ja, wenn ich mich nicht täusche, bricht sich, in alten Parteien eine Bewegung Bahn, welche darauf hinausläuft> auch einen Entwickelungsgang der jüd. Religion anzuerkennen, den formalistischen Zug, welcher die talmudische und rabbinische Periode beherrscht, als eine geschichtliche Kntwickelungsphase zu betrachten, die leitenden Ideen des Judenthums aber wieder in seiner klassischen Litteratur, in dem K^anon, zu suchen^ und vor Allem die religiösen und socialen Gedanken des Mosaismus und die ethischen Principien des Prophetismus wieder zur vollen Geltung zu bringen. Damit ist aber auch das Gebiet be-