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Bericht der Großloge für Deutschland · 1898-10-01 · Nr. 6 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1898
Issue
Nr. 6 - Oktober
Date
1898-10-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 54 — ferner die BBj\ auch andersgläubige Freunde besitzen, mit denen sie nur am Sonntag zusammentreffen können? Dass endlich mancher Bruder, der durch des Tages Last und Mühen im Kampfe um's Dasein wenig der Genüsse, des Lebens theilhaftig wird, das Bedürfniss fühlt, durch Besuch des Thealers, Concerts oder Museums seinen Kunstsinn zu bereichern unc dass ihm hierzu nur der Sonntag zur Verfügung steht? Ein anderer Theil von BBr. ist gezwungen, am Sonntag seine Geschäftswege zu besorgen. Ich glaube ganz bestimmt, wollte man den* Vorschlag des Br. Dr. Staadecker nur versuchsweise zum Beschluss erheben, das Gegen theil von dem würde erreicht werden,- was der Vorschlag bezweckt. Was ich bis jetzt als b^es^es Mittel befunden, habe, die lässigen BBr. zu den Logensitzungen heranzuziehen, wär und ist, dieselben in ihren Wohnungen aufzusuchen, sie zur Rede zu stellen, auf ihre Klagen und Wünsche (denn dass ein Jeder von ihnen andere Wünsche hat, ist begreiflich) einzugehen und zu untersuchen; die Folge war immer eine regere Betheiligung an den Sitzungen. Die meisten Klagen, die ich zu hören bekam, gipfeln darin (ob mit Recht oder Unrecht lasse ich dahingestellt, ich meinerseits kann dies nicht behaupten), dass das Wort .Bruder' nur auf dem Papiere steht, dass es nur eine leere Formel -sei, denn kaum wird die Loge geschlossen, so zerstreuen sich die Herren, nicht mehr Brüder, nach allen Gegenden, mit einem Worte, das Gesellige, familiäre Beisammensein, das verbinden soll, fehlt. Hier sollte und müsste man die Hebel einsetzen und der Entgelt bliebe nicht aus. Auf die Dauer lässt sich die zuvor erwähnte Hauspropaganda, wenn sie auch noch, so nutzbringend wirkt, doch nicht durchführen und es werden daher andere Mittel und Wege zu suchen sein, die Hebung des Logenbesuches dauernd zu" erreichen. Ich schlage deshalb vor, dass das General - Comite sämmtliches auf diese Frage bezügliches Material von allen Propaganda-Comitcs des Districts einfordere, dieses prüfe und auf Grund der daraus skh ergebenden neuen Gesichtspunkte den, Logen Vorschläge unterbreite. Daraus ist für den District Erspriessliches und Gedeihliches zu erhoffen. Saul Kohn Mitglied der Henry Jones-Loge. / ■■ Aus anderen Distrikten. %■ Isidor Busch. Wiederum hat der Orden eins seiner verdienstvollsten Mitglieder verloren. Bruder Isidor Busch ist hochbejahrt aus dem Leben geschieden; was er gewirkt und dem U.O.B.B*, gewesen, geht aus folgendem Nachruf hervor, den ihm die Logen in St. Louis, Missouri, gewidmet haben: ~~ „Einer nach dem Andern von unseren Pioniren, die uns in der neuen Welt den Weg ebneten, sinkt in das kühle Grab. Nun hauchte Isidor Busch, einer der angesehensten Bürger des Staates Missouri seine edle Seele aus, allgemein betrauert, darunter von Tausenden, denen er im Stillen ein Wohlthäter gewesen. Er wurde 1820 in der altehrwürdigen Josefstadt, dem Judenviertel Prags, geboren. Er wanderte, als gebildeter Mensch, da ihn die damaligen schlimmen Zustände doppelt schwer drückten, Anfangs der 40er Jahre nach Amerika aus. Wie alle jungen Leute, die in der Ferne ihr Glück suchen, war er anfangs ein Spielball der Verhältnisse. Er gab die erste jüdische Zeitung: „Israels Herold* 1848—49 heraus und vertrat das Princip, dass der Jude Ackerbauer werden sollte. Er zog nach dem Westen und wurde selbst Farmer. Beim Ausbruch des Bürgerkrieges ward Busch Secretär des kommandirenden GeneralsFremont. 1863 wurde er Mitglied des Verfassungconvents von Missouri, 186.") ward er Sekretär der Staatseinwanderungsbehörde, welche Stellung er 15 Jahre lang bekleidete. 1866-in das Oberhaus/- gewählt, hatte er 240 Oker zum Weinbau geeignetes Hügelland, 20 Meilen von St. Louis, erworben, seither „Buschberg* benannt, und nachdem er seine Anpflanzungen vollendet, widmete er sich vollständig dem Weinbau und gründete die Weinfirma Isidor Busch & Co. Als Im Jahre 18 70 die Nachrichten von den Verheerungen der Reblaus nach den Vereinigten Staaten kamen, war Busch der Erste, welcher die wiederstandsfähige amerikanische Rebe als Rettungsmittel empfahl und mehrere Tausend Wurzelsprösslinge als Geschenk zu Versuchen nach ijontpellier, Frankreich, sandte. Der Erfolg war bekanntlich überrasohend. „Buschberg" ward nun zur Rebschule. Busch errang europäische Berühmtheit und ein bedeutendes Vermögen. Sein'Weinbaukatalog, den erjährlich in mehreren Sprachen herausgab, wurde von den Weinbauern der ganzen Welt gelesen. Von seinem Vermögen verwendete er mehr als ein Zehntel für wohlthätige Zwecke.. Er gründete mit anderen Glaubensgenossen das Institut Jewish Orphan Asylum, eine Schöpfung des Benai Berith-Ordens, in welchem Tausende verweiste jüdische Kinder zu brauchbaren Menschen herangezogen werden. Als' einer der Aeltesten Benai Brith war er bei jeder Convention anwesend. Sein weiser Rath wurde nicht nur gerne* gehört, sondern auch willig befolgt. Er sicherte den Wittwen* der Benai Berith eine Wittwenunterstützung von 1000 Dollars in allen Logen der Vereinigten Staaten. In seinem District sogar 3000 Dollars. Wo etwas Gutes, Gemeinnütziges im Westen entstand, ob confessionell oder communal, überall fand man Isidor Busch als Mitglied gebend und rathend an der Spitze." Von der Grossloge für Rumänien in Bukarest erhalten wir folgendes Schreiben, das einen erneuten Beweis von den Segnungen des Ordens erbringt: Im Monat Dezember d. J. wollen wir -eine aus drei Abtheilungen — Tischlerei, Schlosserei und Klempnerei — bestehende Handwerkerschule für 150 Zöglinge eröffnen. An die Spitze jeder Abtheilung wollen wir einen Meister, der sein Fach theoretisch und praktisch gründlich kennt, stellen. Jedem Meister soll ausserdem ein Gehilfe beigesellt werden, so dass im Ganzen sechs Lehrer nothwendig sind. Die genaueren Bedingungen der Anstellung können von den Unterzeichneten erfahren werden oder von Herrn Adolf Salomon, Fabrikant in Bukarest.

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