Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1897
- Issue
- August
- Date
- 1897-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Zur Anschaffung der Maschinen, zu ihrer nutzbringenden Verwendung über grosse Complexe, zu Thon- und Sandmischung, zu allen sonstigen chemischen Maassnahmen, überhaupt zum wahrhaft rationellen Betriebe ist aber selbstverständlich entsprechendes Kapital erforderlich. Es ergiebt sich also, dass nicht der einzelne mit verhältnismässig geringem Bodenbesitz und verhältnissmässig geringem Kapital nutzbringend arbeiten kann, sondern dass es der Concentratiön bedarf. Der Rahmen beider Arten von Zusammenfassung findet sich in der geschlossenen Kolonie. Ich habe yor 11 Jahren eine Darstellung gegeben, wie der deutschen Landgemeinde die Zukunft verbürgt werden kann. Die sehr ausführliche Schilderung des societären Betriebs der Gemeinden kann ich hier nicht einschalten. ' Was die Genossenschaft für einzelne Wirthschaftaufsgaben erstrebt, vermag die Gemeinde für die Gesammtheit der in ihr gepflegten ländlichen Betriebszweige im Ganzeh zu erfassen. Der societäre Betrieb der Gemeinde erleichtert Kapitalaufbringung und Kreditbeschaffung, gewährt den einzelnen .Mittel- und Kleinbesitzern die Vortheile des Gross- (des Gemeindegesammt-1 Betriebes und schliesst ausserdem den Vortheil in sich.- dass die Interessenten in richtiger Arbeittheilyng den Eirizelaufgaben auf die ganze Ausdehnung des Gemjeindebesitzes oder einen grösseren Theil davon ihfe vollq Sorgfalt widmen können. Die Gesammtordnung und Organisation bleibt indess dabei doch eine solche, dass sie zwar! die Vortheile der gemeinsamen Wirthschaft jedem Einzilbesitzer ,.«u Theil werden lässt, doch^aber den individuellen Besitz, den individualistischen Charakter des Eigenthums auf rächt erhält. Die Form der Siedluhgs - Geipeinde wird sich ganz besonders für die Bestrebungen zur inneren Kolonisation deutscher Juden deshalb eignen, weil dabei die zweifachen Schäden von vornherein ausgeschlossen sind und sich dauernd ausschliessen lassen, die bald auf Gross-, bald auf Mittel- und Kleinbesitz in Deutschland jetzt, schwerbelastend drücken —: die Fesseln der Ueberschuldung und die Verwicklungen des Erbrechts. Die Siedlungs-Gemeinde entspricht aber auch dem jüdisch-ethischen Gedanken: denn sie bietet Gemeinsamkeit in den Zielen und in der Arbeit bei Aufrechthaltung der persönlichen Selbständigkeit. Die Ptlicht gegen das Vaterland, die Einordnung in die nationale Arbeit, die wirtschaftlichen Existenzbedingungen der deutschen Israeliten", die Hebung ihres sittlichen Niveaus, die Stärkung ihres Selbstbewusstseins. die Bekämpfung bestehender Vorurtheile, die Erringung ungerecht vorenthaltener socialer Gleichheit, — Alles drangt uns zur ernsten Inangriffnahme innerer Kolonisation, auf die Erfassung aller ihrer Zweig* in Gärtnerei, Obstkultur!und Ackerbau. Die deutsche Grossloge U. O. B. B. die bereits durch ■ ■* . ihr intimes Verhältniss zur Schöpfung unseres Br. Simori, der Israelitischen Erziehungs-Anstalt in Ahlem, Stellung zur Sache nahm.'' hat rn ihrer letzten Plenarsitzung erneutes Zeugniss davor} abgelegt, wie^ sehr sie mit den Bestrebungen auf Landsesshaftmachung sympathisirt. Sie hat ein Comite mit der Weisung eingesetzt, Vorbesprechungen in dieser Angelegenheit herbeizuführen. — Dieses Comite wjrd gegen Ende Oktober eine Conferenz in Berlin veranlassen, und dazu solche ihm bekannte Grundbesitzer und verdiente Personen einladen, die den Gegenstand geistig beherrschen und von denen erwartet werden darf, dass sie mit voller Herzinnigkeit die Sache zu fördern' bestrebt sein werden. Mögen die Berathungen von Erfolg gekrönt werden! Gustav T u c h - Hamburg. ■ ' ■'■ 1 .'' ' '• '.- ' Zu Gunsten der lieber schwemmten hat die Victoria-Loge zu Görlitz folgenden Aufruf an die Logen unseres Distrikts erlassen: - r*v ■ "hs^kL v '*' ■'■ ." v Würdiger Präsident und liebe Brüder! Das ungeheure Unglück, welches Ober die Gefilde Schlesiens durch dns Hochwasser der jüngsten Tjage hereingebrochen, weckt in allen Gauen des deutschen Vaterlandes die Mildthätigkcit und Nächstenliebe, und legt auch uns die Pflicht auf, die wir aus eigener Anschauung die entsetzlichen Verheerungen des Elementes zu sehen Gelegenheit haben, unsere Kräfte zur Linderung des Klends einzusetzen Die Mitglieder unserer Loge haben als solche sowohl, wie auch privatim das rhrige nach Mö-lichJceit gethan '— gegenüber dem grossen Schaden, allerdings nur ein Tropfen auf den hei-sen Stein. Schnelle Hilfe thutN oth!- l'nserem ' 'rdenspi ineip. Wohlthätigkcit zu üben, bietet sich hier die lenkbar grüsste Gelegenheit and.richten wir daher an Sie. werthe Brüder, die dringende Bitte, uns Ihre l 'nterstützung nicht zu versagen, vielmehr dieselbe so reichlich und so schnell als möglich, uns zukommen zu lassen. Görlitz, im August 18.,7. In W. Ii. und K. Victoria-Loge XXI Nbj 373- . A. Abrain ou sky, I'räs. Vorstehenden Aufruf der Victoria-Loge in Görlitz empfehlen wir den w. Logen unseres Distrikts auf das An: gelegenste und ersuchen Sie, die Gelder an unser Sekretariat. Wilhelmstrasse llS. abzusenden. . Grossloge für Deutschland VIII. gez. D. Wolff. ü, Dr. Marelzki, Secretär. '- Präsident. Gegenüber! verschiedenen Anfragen und geäusserter Bedenken erscheinen zur Klärung der Sachlage folgende Bemerkungen erforderlich: , ' Dass der Aufruf nicht direkt von der Grossloge ausgegangen.. liegt daran, iass der Grosssecretär einen vierzehntägigen Urlaub angetreten hatte und die Victoria-Loge in Anbetracht der dringend erforderlichen Hilfe eine Verzögerung nicht eintreten lassen mochte. Die Zustimmung des Grosspräsidenten ist in aller Form eingeholt worden. Die eingehenden Spenden, besonders wenn sie einen namhaften Betrag ergeben, sollen nicht Schlesien allein, sondern allen Gegenden zu gute kommen, die vom Hochwasser betroffen worden und zwar im Verhältniss zum Schadenumfange. Die Verwendung der Spenden ist derart gedacht, dass die Logen, welche den verheerten Distrikten am nächsten liegen, die Beträge den organisirten Comites überweisen. Soweit die angestellten Recherchen ergeben, sind unsere Glaubensgenossen von den diesjährigen Wasserschäden nicht betroffen worden. Sollte einem Bruder oder einer Loge etwas Gegentheiliges bekannt sein, so bitten wir um sofortige Benachrichtigung mit näheren, möglichst ausführlichen Angaben. Bis jetzt sind für die Ueberschwemmten bei uns folgende Spenden eingegangen resp. angemeldet worden: