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Bericht der Großloge für Deutschland · 1897-08-01 · August · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1897
Issue
August
Date
1897-08-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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41 - grössere Anzahl geeigneter Personen für den Ackerbjäu heranziehen zu können. Wie tief ist unter schmachvolle^ Druck unser Selbstbewusstsein gesunken, dass in würdeloser Selbstbekrittelung die entgegengesetzte Meinung sich erhalten konnte, ungeachtet der unbestreitbaren Tauglichkeit dW Juden als Soldaten, von der sie in den Kriegen und in den Dienstleistungen des Friedens massenhaft Zeugniss ablegten Waren sie den Anforderungen und Strapazen angesichts des Feindes wie in der Dienstausbildung gewachsen, wie m4g man dann so ganz allgemein hin behaupten, ihre Krähe genügen nicht für den Ackerbau! Im Hinblick auf die Statistik und ebenso auf die Kriegs- und Militairgeschicme sollte dieses Vorurteil in unsern eigenen Kreisen nunmehr abgethan sein. jKäme es ^uf die Bezeichnung der Klassen an, aus denen sich»die jüdischen Ackerbauer rekrutiren lassen, so wären wir nicht in Verlegenheit, sie namhaft zu machen. ■ j Sofort jedoch erhebt sich ein neuer Einwand. Warum gerade die körperlich schwersten Leistungen der Laupwirthschaft aufnehmen? so schallt es uns entgegen; es sei dies doch kein unbedingtes Erforderniss. Da wollen' wir denn mit einem Hinweiss antworten auf jene russischen Juden, die man nicht selten über die Achsel ansehen zu dürfen glaubt. Wir unterscheiden in Palästina zweierlei Arten von Kolonien, diejenigen, die mit grossem Kapitalaufwand und starker Beschützung emporgehoben wurden, — die andern, deren Insassen das Notwendigste zusarrtiipn-' schössen und das dann noch Fehlende mühsam ersammleln ''^E'"' . i '. ~ -j \ mussten. Diese hatten schwer zu ringen und zu sorgen. Und neben den Schwierigkeiten,, die in der Beschaffung der Mittel, in der Aufrechtlialtung des Unternehmens erwuchi en, waren es gräde die körperlich schwersten Leistungen der Bodenkultur, die sie bewusst . unternahmen, energisch und zäh durchführten. Sie sagten sich, dass es nicht e wa nUr die Erwerbung des Unterhalts gleichviel auf welche, wenn nur auf eine Zulässige Weise gelte, sondern dass es immmer die Aufgabe eines jeden Juden sei, den Xaiilen der Stammesgenossenschaft zu Ehren zu bringen. Sie wol len der Welt eine wahrhaft bäuerliche israelitische Bevölkerung zeigen. Aus dem steten Umgange und dem Kampfe mit der Natur, aus der persönlichen Erprobung,, was sie üns bietet, verweigert oder vernichtet, erwächst das aufrechte Bewusstsein; mit Recht messen sie gerade diesem eijnen besonderen Werth bei. Das ist wahrhaft grosse Gesinnung, gegen die auch wir nicht zurückstehen sollen. Wenn Iwir für jüdische Deutsche innere Kolonisation verlangen,, so muss immer die Frage uns bewegen, wie schaffen wir uns eine bäuerliche Bevölkerung? Der steife Nacken, dessen schon Israels grösster Führer erwähnt und der als Erbteil uns verblieb, zeitigt unliebsame Erscheinungen. Aber wenn er in der besten Bedeutung des Worts uns eignet, dürfen wir uns glücklich schätzen. Den der steife Nacken bedeudet — idealisirt, veredelt —: Individualismus, geistig errungenes Freiheitsbewust$ein, Würdigung der menschlichen Persönlichkeit im jüdisch - ethischen Sinne. Das aufrechte Selbstbewustsein ist also sittlich und geschichtlich ein vortheilhaft unterscheidendes Merkmal des jüdischen vor anderen Moral- Systemen. — Noch immer sind wir bei Weitem nicht am Ende der Bedenklichkeiten, die die Siedelungs-Bestrebungen zur Zeit als ein noli mi tangere betrachten. Einwendungen wirtschaftlicher Natur erheben das Haupt. Warum zu einer Zeit an Hinleitung -zur Bodenkultur denken, wo die Landiwirthe über die Schwierigkeit ihre'r Lage in heftigen Klagen sich ergehenJ Zwar könnte man antworten:', Dif Klagen der Landwirthe ertönen nicht nur aus Deutschland allein, sie werden aus den verschiedensten Landein erhoben' und zwar gerade auch aus solchen, über deren Wettbewerb auf dem deutschen Markte die heimischen- Grundbesitzer 'am meisten sich beschweren. Auch sindderartige Klagen "niiht allerneuesten Datums; sie kehren seit.' «inemlungeren Zeitraum wieder, als man gemeiniglich annimmt - "Sie würden auch nicht aufhören, wenn plötzlich ."die Zustände "behoben würden,' die. wie nicht selten angeführt, wird,, einen" ^bedeutenden Druck auf die heimische Landwirtbschaft ausüben. Wollte man also bis zur völligen Versiuriimung .derartiger Klagen warten, so träte der Zeitpunkt, für innere Kolonisation .wohl niemals ein. Um so geringere iijnvre Berechtigung hat noch dazu der wirtschaftliche Hinwand." "da, .wieschon an anderer Stelle erwähnt,' es sich' nicht, um sofortig* Ansiedelung grösserer Massen handelt. --.. Aber gerade .derjenige, der aufrichtig meint, ein'günstiger'Augenblick für die Sesshaft-' machung müsse gewählt werden., wird doclrdic Vorbereitungen -«.•'■*.-'.',"*'"-."'' i für einen solchen Zeitpunkt vorsichtig treffen wollen/ Nur um solche handelt es sich-doch .^zunächst sowohl was die Heranziehung und Heranbildung brauchbarer Personen, als die anzuweisenden Oextlichkeiten betrifft/; Man brauchte ferner nur darauf hinzuweisen, dass wir in der Kolonisationsfrage, doch nickt fürdie Interessen der Reichen und Wohlhabendenyorzusorgen haben Diese werden sich schon selbst zu helfen - wissen. Also handelt es sich um solche Elemente,,' deren wirtschaftliche Lage unter keinen Umständen verschlechtert würde.!'. Dass wir ' *1 T •* ■'. *• . " » '- '"*** 11" - \ ■ . . ■ - deren unter der deutschen Jud.enheit mehr als zur Genüge besitzen, braucht nichjt erst bestätigt zu Werden. — Mit diesen Erwägungenwäre im' G.runde der Einwand von den augenblicklichen Schwierigkeiten in der Landwirtschaft für uns erledigt...'. ' Zu den Bedingungen-neuzeitlicher Entwickelung gehören aber in Bezug auf Köyierbau neben der, Verwendung von Maschinen vor Allem die Benutzung der ^chemischen Hilfsmittel und die grössere Sorgfalt und Pflege des Bodens; man möchte es individuäjisiren'der -Pflege nennen. — Dazu bedarf 'man aber wieder der Menschen... wohlgemerkt, . mit dem Unterschiede, dass' an di? Stelle ungelernter Arbeiter, solche mit vermehrter. Durchbildung in.' Zukunft werden, treten müssen. Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, wie sehr der Boden, durch Bearbeitung mit Hilfsstoffen nach den. Lehren der Chemie.vorteilhafter vorbereitet und verbessert werden kann. -Weniger allgemein richtet sich die Aufmerksamkeit auf individualisierende Pflegeder Aecker. Damit meine ich ihre geradezu gartenmässige Behandlung; Es genügt gegenwärtig nicht mehr, Jtraditionellj aber gedanken- und achtlos zu verfahren. Intelligenz, Kenntnisse, offenes Auge und, unausgesetzter Fleiss müssen sich verbinden, damit, so gut wie Blumen und Obst auch die Aecker bis ins Einzelne sorgfältig auferzogen wenden. Mit diesem Mittel vermag man nicht, nur 'auf dem reichlich zur Verfügung stehenden Boden die Erzeugung des Korns zu vermehren, sondern auch dje Preise zu verbilligen.

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