Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1896
- Issue
- Oktober
- Date
- 1896-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ist, so glaubten wir uns, angesichts des geringen Bildungsfrrades der palästinensischen Jugend, mit einem an Zahl so geringen Ergebniss nicht begnügen zu dürfen, sondern hielten es für ein äusserst wichtiges, verdienstvolles Werk, ja geradezu für eine Kulturaufgabe, auch andere Kinder die .Wohlthat eines methodischen Unterrichtes geniessen zu lassen, und dem gemäss jedem anständigen Knaben den Eintritt in die Waisenhausschule zu gestatten. Der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde kam diesem unserem Bestreben bereitwilligst entgegen, indem er uns die Zinsen des Lämmel-Schulfonds zur Verfügung stellte, welche aber bei weitem nicht ausreichen, die Kosten des Unterrichts in unserer Schule zu decken Unsere Zöglinge lernen dort die Elementarfächer,, die an einer deutschen Volksschule gelehrt werden, ferner von Sprachen, ausser dem Deutschen, als Unterrichtssprache, das Arabische als | Landessprache, selbstverständlich das Hebräische, das ausser seinem religiösen Werth in Palästina als Verständisiungsmittel der Juden aller Nationalitäten dorten eine ganz besondere Bedeutung hat, und fakultativ Englisch oder Französisch. Der Besuch der Schule ist unentgeltlich; ärmeren Kindern wird nach Landesgebrauch Kost, den allerärmsten auch Kleidung gegeben. Trotz der Anstrengungen bildungsfeindlicher Gegner zählt"die Schule etwa 100 Zöglinge. So eminent wichtig gerade unsere Anstrengungen sind, aus der jüdischen Jugend des heiligen Landes arbeitsfähige und arbeitswillige Menschen zu machen und sie vor entsittlichender Bettelei zu bewahren, so scheint doch, als ob dieselben nicht die gebührende Anerkennung fänden; denn unsere Einnahmen an Jahresbeiträgen und Geschenken, die fast nur aus Deutschland fliessen, gehen von Jahr zu Jahr zurück, während die Ausgaben, trotz unserer grössten Sparsamkeit, sich nicht weiter einschränken lassen, sondern eher wachsen Seit wir die Schule errichtet haben, kämpfen wir mit einem jährlichen Defizit von mehreren tausend Mark, wodurch unser mühsam angesammeltes Kapital in wenigen Jahren aufgezehrt sein wird. Näheren Aufschluss gibt unser Bericht für I8Q4 pag. 7 und für 1895 pag. 5. Das Jahr 1896 hat bereits wiederum das Kapital um einige tausend Mark vermindert. Wenn unsere Glaubensgenossen unseren Verein nicht mehr unterstützen, so müssen wir in Erwägung ziehen, ob wir nicht die Schule, welche einen Zuschuss von etwa 5000 Mark erfordert, eingehen lassen sollen. Dadurch würde der Jugend unserer Brüder in Palästina die einzige Stätte verschlossen, an welcher sie von seminaristisch gebildeten Lehrern einen geläuterten, »geregelten Unterricht und die Möglichkeit, zu selbstständigem Erwerb befähigt zu werden, empfangen können. Ich bitte Sie, werther Br., bei der hpchwürd. Grosslage des U. O. B. B., der so viele wohlthätige Institute ins Leben gerufen hat und unterstützt, auch für unseren Verein zu wirken. Wenn jeder der vielen tausende von Mitgliedernnur einige Pfennige regelmässig opfert, so ist wenigstens unser Defizit gedeckt, und wir können dann in Ruhe uns bemühen, auch die Mittel zur Vergrösserung des Waisenhauses und zur Errichtung eines Mädchen Waisenhauses herbei zu schaffen. Sind doch von all den armen unglücklichen Kindern des heiligen Landes die Waisen die ärmsten und unglücklichsten! Suchen Sie die verehrl. Brüder zu einer möglichst thatkräftigen Unterstützung un.'iies Strebens zu gewinnen, i und der Segen des Vaters aller-' Waisen wird-"Ihnen und den Spendern nicht fehlen. ■ ' t_^ Mit freundlichem, Brudergruss- '„•. Ihr in W. B/und E, treu vergebener (gez.) Henry Selicman. Cassier des Vereins Mir Erziehung jüdischer Waisen in Palästina. Obigem Schreiben will ich'meinerseits hoch Folgendes beifügen: Auf Veranlassung des sei ' Br. Simyn*e'l wurde vor etwa 6 Jahren seitens des hochwurd. Executiv-Comites dem Verrin zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina, dessen Vorstandeu. A. unsere lieben BrüderRabbiner Dt M Horovitz. Dr. phil. H. Heinemann und Henry Seligman angehören, in Aussicht gestellt, dass ^ämmtfiche Logen je 80 Pfennige pro Mitglied jährlich der .hochw. Grosslogein Berlin für genannten Verein übermijteln würden Dieser Plan scheint, nach den dem Verein zugeflossenen Summen zu urtheilen, nicht voll und ganz zur Abführung gekommen zu sein, denn dieselben betrugen anfangs circa" »3Ö00 Mark und gingen nach und nach bis auf wenige" 13ÖÖ Mark zurück. Die amerikanischen Logen entschuldigten ihre Zurückhaltung damit, dass ihre Mittel durch. di^. starke russische Einwanderung in Anspruch genommen sejen; Nachdem jetzt die Besserung der Verhältnisse in, Russländ den Strom der jüdischen Auswanderung zum Stillstand gebrächt hat, ist zu hoffen, dass man in Amerika wieder derjenigen russischen Vertriebenen, bezw. ihrer Kinder gedenkt, Welche sich nach Palästina wenden mussten, und damit 'unsere .Glaubensgenosseninden Vereinigten Staateixgewissermassen entlasteten. Auch von den deutschen Logen haben viele aufgehört Beträge an die hochwurd. Grossloge für Deutschland für das Waisenhaus in Jerusalem e nijisenden Angesichts der in obigem Briefe seitens eines unserer würdigsten Ordensbrüder dargelegten Verhältnisse, welche eine kräftige Unterstützung der so überaus segensreich wirkenden und für unsere Gläubensbrüder im Orient geradezu unentbehrlichen Institution des gen. Vereins dringend geboten erscheinen lassen, möchte ich die höchwurdige Grossloge für Deutschland bitten, sowohl bei den Logen unseres deutschen Distriktes, als bei dem hochwurd' Executiv-Cörnite in New- York dahin zu wirken, dass der i.„- Z. acceptirte Plan des sei. Br. Simmel jetzt vollständig: £ur Ausführung gelangen möge. Ich zweifle nicht daran, dass dieser Appell an die verehrl. Brüder nicht ungehörl verhallien. sondern von Erfolg begleitet sein wird, umsomehr,. als das Opfer, welches die würd Logen, bezw. die einzelnen Brüder zu bringen hätten, ein äusserst geringfügiges sein, und selbst'den kleinsten Logen nicht schwer fallen würde. •':""* Frankfurt a M, 10. October 1896." Joseph Wisloch, Präsident der Frankfurt-Loge v 1 ■' . ■ .' * ■ v''V."4 .l'.-\'-ie. ' ■'• ■ .!. . -. ■* ■t _ - .. Bien-Feier. In allen Logen unseres Distrikts ist der 2b September dieses Jahres, des Ehren- und Jubeltag; unseres Ordens- Präsidenten Br. Bien, in der -würdigsten Weise begangen worden. Ueberall wurden .Festipgen abgehalten, bei welchen Julius Bien als Mensch und Bruder gefeiert, sowie seine Verdienste um den Orden beleuchtet unAseine.hervorragenden