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Bericht der Großloge für Deutschland · 1896-10-01 · Oktober · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1896
Issue
Oktober
Date
1896-10-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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' V f BERLIN, im Oktober 1896. {Bericht der Grossloge für ' l u. o. B. B. Nachdruck sämmtlicher Artikel (X aus diesen Berichten verboten. Fernsprecher: D. Wolff, VI, No. 4619, Wilhelmstrasse *8. Die Loge und der Antisemitismus. Autoreferat von Dr. Julius Moses, Berlin. Mitglied der Montefiore-Loge.*) Der Bericht über die Delegirten-Conferenz in Dresden am 12. Juli d. J. birgt so viel des Anregenden und für die Fortenlwickelung unserer Logen Wichtigen in sich, dass wir dessen Besprechung im Interesse unseres Ordens für dringend jiothwendig halten. Ja wir wünschen sogar, dass die einzelnen Logen sich mit den dort angeregten Fragen in der nächsten Zeit intensiv beschäftigen und 'das Resultat der Debatten der Redaktion dieses glattes zur Verfügung stellten, damit dieselbe aus einem zu erstattenden Resüme den Logen Kenntniss gebe von der Stellung der Brüder zu derkeinzelnen Punkten Es ist dies um so dringender, als die Thalsache, dass einige Logen sich augenblicklich in einem Stadium des Stillstandes befinden, wohl kaum bestritten werden kann. Dieser Stillstand bezieht sich nicht etwa allein auf die Thätigkeit nach aussen hin, sondern, und das ist das wesent- , lichere, unter den Ordensbrüdern selbst zeigt sich im Besuch der Logen vielfach ein Indifferentismus, der die erspriessliche Arbeit hindert. In dem Referat des Br. Deutsch über die Frager „Was hat zu geschehen, um die Thätigkeit der einzelnen Logen und das Interesse an den Versammlungen zu heben?" sind die wichtigsten Punkte erörtert worden: Aenderung der Geschäftsordnung, des Rituals, Vorträge, Geselligkeit, Antisemitismus u. s. w. Wir Wollen heute nur unsere Ansicht über die Stellung der Logen zu dem letzten Punkt kundgeben und behalten uns vor, auf die anderen in einer der nächsten Nummern zurückzukommen Die These, die über diesen meistumstrittenen Gegenstand in der Conferenz aufgestellt wurde, lautet: „Der Orden erstrebt die Hebungides geistigen, sittlichen und sozialen Niveaus der Juden undgräbt damit dem Antisemitismus das Fundament ab; in eine Polemik gegen den Antisemitismus als wirtschaftliche oder politische Tendenz darf der Orden sich nicht einlassen." Wenn man dem * Dieses Refeiat wird in der Absicht gebracht, die BrQder zu veranlassen, ihre Ansichten hierüber in den Monatsberichten niederzulegen. Das Redaktions-Comite ist sich bewusst, dass dieser Gegenstand allseitiger gründlicher Erörterungen bedarf, und werden die Brüder dringend um baldige Aeuaserung ersucht. Durch die sich hurausbildende Diskussion werden wohl auch die irrigen Auffassungen, welche Ober die in der Conferenz zu Dresden gefaasten Thesen noch vielfach vorherrschen, Aufklarung finden. zweiten Theil dieser These ohne weiteres nach den Satzungen des Ordens zustimmt, so kann^man doch die Richtigkeit des ersten Theils sehr stark bezweifeln. Gewiss, der Orden erstrebt die Hebung des geistigen, sittlichen und sozialen Niveaus der Juden, aber doch zunächst nur innerhalb des Ordens selbst, also bei einem verschwindend kleinen Bruchtheil aller Jnden, und er erstrebt sie nur, ohne sie doch bisher annähernd erreicht zu haben. Und zweitens^ und vor allen Dingen trifft der Nachsatz, dass dadurch dem Antisemitismus das Fundament abgegraben wird, in keiner Weise zu. Wir Juden könnten heutzutage alle Engel sein, der Antisemitismus würde dadurch doch nicht verschwinden, und das müsste doch die" logische . Conse^üenz der aufgestellten These sein. Der Jude kann es überhaupt nie recht machen . Wenn - esi in der "grundlegende^ Schrift: „Zwecke und Ziele des U; Ö: B* Br" heisst, dass die Loge ein beredter und energischer ProtestWde .gegen alle Vorwürfe und Anschuldigungen, die gegen das^Judenthum erhoben werdenk nun so fragen wir: in welcher Weise denn? Wo ist jemals von einem i solchen Protest - die. Rede gewesen? Wer von uns hat je einen solchen vernommen? .Machtlos", heisst es ferner in der mehrfach erwähnten Schrift, „stehen wir, als Gesammtheit, heute - Anfeindungen gegenüber, deren Schlagworte, immer, weitere Schichten der Bevölkerung durchdringen, /deren. Aeusserungen von Tag zu Tag gehässiger und. brutaler werden." Und gesperrt gedruckt heisst es weiter: „Hier muss energisch eingegriffen werden; nicht länger dürfen wir unthätig, mit verschränkten Armen dem Verfalle zusehen und unsere Vereinigung ist es, die in sich die Kraft fühlt, diese Zustände zu bessern, die Zukunft minder bedrohlich zu gestalten," Ja, wie greift denn der Orden hier energisch ein? Wie bessert er die Zustände? Wie gestaltet'er xfi*e Zukunft minder bedrohlich? Wir haben nach <üeser■ Richtung hin noch absolut keine Thätigkeit des Ordens zu bfeobachlen Gelegenheit gehabt. Im Gegentheil, es wird selbst das Wort „Antisemitismus" in unseren Logen ängstlich vermieden.. Wir wollten, wir könnten es vermeiden. Wenn jemand von uns als einzelner Bruder in gehässiger Weise mit den vergifteten Pfeilen der Lüge und der Verleumdung angegriffen wird, wird er es o!a nicht für seine Pflicht halten, -mannhaft, für seine Ehre einzutreten? Und das Judemhum .als Gesammthei{ — und die Loge bildet; dbch nun einmal einen Theil des Judenthums — sollte dem unthätig zusehen? Ja; heisst es da: wir dürfen uns nicht in politische Angelegenheit mischen. Bilden denn \% :,; '. ■

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