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Bericht der Großloge für Deutschland · 1895-02-01 · Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1895
Issue
Februar
Date
1895-02-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 14 — % Brüder mit ihren Angehörigen erschienen waren, haben wir noch zwei kleinere, von Brüdern innerhalb der Loge gehaltene zu verzetrhnen. Br Wallerstein, der afm l'rjanuar redete, hatte .die Sprache, ihre Entwicklung und Erscheinungsforrhen" zum Thema gewähk. Der grosse Fleiss,- mit dem Bruder Wallerstein seinen Vortrag vorbereitet hatte, sowie.seine klare Darstellungsweise fanden bei den Zuhörein allgemeinste \nerkennurg. Eines gleichen Beifalls hatte sich Br. Moritz Levy jr. am ,p. Januar zu erfreuen. Sein Thema..war das ..Prophetenthum bei den Juden". (Den Inhalt ihrer Vorträge beabsichtigen die Redner selbst an dieser Stelle zu referiren.) Derartige Vortrage, in kleinerem Maassstaber Welche laut Logenbeschluss alle vierzehn Tagt zu halten sind, ein Beschlüss. dessen Durchführung für diese Wintersaison bereits gesich?rt ist, linden bei den Brüdern mehr und mehr Anklang urd wären vielleicht auch anderen Logen zu empfehlen. Ist damit doch ein bedeutender erziehlicher Erfolg und;omit eine entsprechende Verwirklichung einer der hohen Ideen verknüpft, welche unserem Bunde zu Grunde liegen Das -E r z i e lui n g's w e s e n ist überhaupt diejenige. Aufgabe, welcher sich unsere Loge mit Vorliebe zuwendet. So sind sätimtliche Brüder Mitglieder des Vereins für Ausbildung jüd scher Handwerker, ein-Verein, der bereits eine gros.se Keil e erfreulicher Erfolge aufzuweisen hat. So ist die Loge betheiligt '•an der Begründung des hier nunmehr sehr verbreiteten HandfertigkeitsUnterrichts, zu dessen Kosten alljiiirlich noch ein "kleiner Beitrag geleistet wird. So hat die Loge endlich ihren Antheil an der Einrichtung der hiesigei Kinderhorte, welche bezwecken, denjenigen Schulkindern.- die von ihren arbeitenden Eltern nicht beaufsichtig werden können, auch nach der Schulzeit ein Heim zu gewähren Nach einer genügenden Pause erhalten die Kinder ein kleines Vesperbrot, fertigen sodann unter Aufsicht uni Beihülfe*. von Lehrern ihre Schularbeiten an, um sodann die übrige freie Zeit in geineinsamem, anregendem Spiel zu verbringen.. Im Sommer bei schönem Wetter sollen diese Nachitiittagsstunden zu Spaziergängen und Spielen im Freien benutzt werden. Diese Kinderhorte sind um so schätzensweirther. als sie interconfessionell sind." Die Kinder —' Knaben und Mädchen getrennt — besuchen die Horte ihrei Distrikts' — Köln ist in dieser Beziehung in einen nördlichen, mittleren und südlichen Stadttheil geschieden —f ganz einerlei. welcher Religion oder Confession sie angehören Jetzt, da die Simultanschulen mehr und mehr schwinden, sind derartige Einrichtungen, bei jdenen sich die Kinder gegenseitig kennen und verstehen lernen, als ein grosser Gewinn für die Verbreitung von Toleranz zu betrachten, ganz abgesehen von ihrem sonstigen ethischen und praktischen "Werth. Auch derartige Gründungen können den Logen nicht dringend genug empföhlen werden. Noch einer funrichtung mit hervorragend pädagogischer Wirkung hat sich'unsere Loge zu erfreuen, einer Bibliothek. Unser Büchersehatz. zu welchem unser verstorbener Br. Leubsdorf bereits vor mehreren Jahren in hochherziger Weiseden Grundstock gestiftet hat, ist seil jener. Zeit beträchtlich herangewachsen, sodass sich unser Bibliothekar zur Herausgabe von gedruckten Katalogen veranlasst sah. Die Jdee des Begründers war vor aHem eine Jugendbibliothek. Die am jüd. Religionsunt Kinder sollten in der Lage sein, sich nach Müsse und Lust passende und angenehme Lektüre zu verschaffen, durch welche sie gleichzeitig in die jüdische Geschichte und' Literatur eingeführt würden. In derfhat sind die Kinder fleissige Entleiher unserer Büchersammlung geworden. Der geririge Umfang eigentlicher Jugendlitterajtur jüdischen Gepräges aber führte schon-ganz von selbst dazu, auch Bücher anzuschaffen, welche von alleinigem oder doch grösserem Werth für den Erwachsenen sind, als für das Kind. Die gute Folge hiervon wieder war. dass auch die Brüder dazu übergegangen sind, unsere Bibliothek vielfach in Anspruch zu nehmen. So ist denn die Loge endlich dazu gekommen, in ihr Jahresbudget einen Posten für den Erwerb geeigneter Erscheinungen auf dem Büchermarkte aufzunehmen* Auf die pädagogische Bedeutung auch dieser Bestrebungen wurde oben bereits hingewiesen. Pommerania - Loge in Stargard i. P. Der anfangs durch die verspätetem jüdischen Feiertage etwas .mangelhafte Besuch der Logenabende wurde durch interessante Vorträge unseres würd. Präsidenten bald gehoben. Die interessantesten waren: ,Hygiene im Talmud und den mosaischen Gesetzen", worin nachgewiesen wurde, dass schon zu Mosis Zeiten die Hygiene bekannt gewesen, viele Vorschriften der jüdischen Religion beeinflusst und Gutes geleistet' habe, l erner über r Antisemitismus und die Juden" nach Professor Lambioso und zuletzt eine wissenschaftlich populäre Abhandlung über rDyphterie - Heilserum, dessen Zuberei.ung und Erfolge". -Die Pommerania-Loge giebl viel auff die Pflege der Geselligkeit unter den Brüdern und den Familien derselben, wir haben dazu die Sonnabend Abende bestimmt und verleben dann in den Logenräumeh, gemüthlich vereint, angenehme Abende. In Folge dieser Einrichtung sind sich die Brüder und deren Familien viel näher getreten, als es früher der Fall war! Das Stiftungsfest unseres geliebten Ordens wurde in den Logenräumen, vereint mit unseren Damen, fröhlich begangen. Br. Maschke hielt , einen Vortrag über die neueste Richtung der modernen Litteratur, welcher in anschaulicher, lebendiger Weise die neueren und neuesten Dichter der Gegenwart vorführte und mit vollem Applaus für den Vortragenden endete. Darauf folgte eine Ansprache des würd. Präsidenten über die Bedeutung des Tages-, gemüthliches Beisammensein, zwanglose Vorträge von Brüdern und Gästen, später Tanz. Ebenso hatten wir Sylvester eine kleine Zusammenkunft mit den Damen unserer Loge und Gästen. Der würd. Präsident erfreute uns durch eine Abhandlung über Voltaire und die Juden, welche vielen Beifall fand. Gesang und Musikvorträge füllten die Zeit bis zur Begrüssung des neuen Jahres aus und schloss, sich dann ein Tänzchen für die junge Welt an. Die* Pommerania wurde von der Allemania zum Stiftungsfeste eingeladen. Den dorthin deputirten Präsidenten und Vicepräsidenten schlössen sich mehrere Brüder an und waren Alle von der zugleich erhebenden und gemüthlichen Feier voll und ganz befriedigt zurückgekehrt. Wir hoffen noch auf Erfüllung des Versprechens der Grossloge, die kleineren Logen durch Wanderredner besuchen zu lassen, welches bisher nicht in Erfüllung gegangen. Ins Jahr l395 gehen wir mit der festen Vornahme, durch alle möglichen Anstrengungen das Leben unserer Loge zu heben und hoffen, auch Erfolg damit zu haben Druck von Max Cohn, Berlin NO., Kaiserstr. 4t.

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