Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1895
- Issue
- Februar
- Date
- 1895-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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. Präsident zum Schluss die Halle, welche bereits im Dienste der Humanität steht, und ertheilte sodann dem Vicepräs. Br. Rechtsanwalt Bacher das Wort. Markig, weil frei von jedem Phrasenthum, waren dessen Ausführungen, in denen er die Schäden unseres Logenlebens, worin wir übrig ens nicht so allein dastehen, aufdeckt, aber auch zugleich das Heilmittel giebt, das, richtig angewandt, sicher auch Besserung und Kräftigung bewirken wird. Er definirt den Begriff unssier * „Arbeit", zeigt, wie an uns selbst, an unseren Brüdern und nach aussen hin ..gearbeitet" werden müsse, um gedeihlich fortzuschreiten, und spricht die zuversichtliche Hoffnung aus, dass, wenn jeder der Brüder seine Pflicht thue, die Mendelssohn-Loge auch weiter blühen und wachsen wird. Die Feier war damit zu Ende und es erfolgte dann die Erledigung der Tagesordnung. Henry Jones - Loge in Hamburg. Aus Anlass des Stiftungstages der Loge und zufolge einem Circulair einiger BBr. versammelten sich nach Schluss der Logensitzung vom 2. Januar a c. im Hotel Continental ca. 50 Brüder. In dem erlassenen Circulaire wurde den BBr. Kenr tniss daVbn gegeben, äass der würd. Präs. Br. Gustav Tuch in ' den letzten Tagen des Dezember in aller Stille seiner 60. Geburtstag gefeiert habe und zur nachträglichen Stiftung nner Ehrengabe aufgefordert. Wohl nahezu alle Brüder haben diesem Ersuchen Folge geleistet. In einer Ansprache; gedachte.der würd. Expräs. Br. Deutschländer der hohen Verdienste unseres würd. Präsidenten um die Loge und den Orden und überreichte unter Vortragung eines -selbst jyerfassten Poems als Ehrengabe der Brüder die von Meisterhand, ausgeführten Statuen der Judith und Ruth. In seiner Erwiderung dankte der würd. Präsident voll Rührung der ihm erwiesenen Ehrung als der zweiten in diesen Tagen, denn bei den letzt stattgefundenen Wahlen zu Repräsentanten der hiesigen Gemeinde ging der Na^ne des Br. Tuch als gewählt aus der Urne hervor. Diese Ehrung betrachte er jedoch nicht als seiner Person gezollt, sondern entsprechend der Stellung und Wirksamkeit unserer Loge als Ehrung und Anerkennung der Thätigkeit derselben: Redner versprach, fortzufahren, 'i seine Kraft dem Gedeihen der Loge und des '. Ordens zu widmen UrM^schloss mit einem Hoch auf die Loge und den Orden. In längerer, warm empfundener Rede feierte sodann Br. Dr Leimdörte.r die Verdienste, das tiefe Wissen und die seltene Herzensgüte des würd. Präsidenten und stimmten die Brüder begeistert in das demselben gewidmete Hoch ein' In gemüthlicher Stimmung blieben alsdann noch die Brüder zusammen und trennten Sich in später Stunde. Rheinland - Loge in Köln. Seitdem unsere Loge im November vorigen Jahres ihr schönes neues Heim bezogen, hat' für dieselbe auch in jeder anderen Beziehung ein neues frischeres Leben begonnen. Die regelmässigen Versammlungen wenden fleissiger besucht. diey»Comitcs haben ihre Arbeiten mit grösserer Lustwieder aufgenommen, ja, das erhöhte Interesse für die Loge, das die Brüder bereits gelegentlich der Einrichtung der neuen Logenräumlichkeiten durch rühmenswertbe Arbeitsfreudigkeit und Opferwilligkeit bewiesen,] zeigt sich auch darin, dass sich in jenen alltäglich eine grossere Zahl von Brüdern zu Geselligkeit, gegenseitigem Gedankenaustausch, Lektüre und, Spiel vereinigt. Dieses Gefühjr; der Zusammengehörigkerf fand noch letzten Sonnabend besonderen Ausdruck in einem .gemeinsamen Brudermahle, woran sich etwa sechszig Brüder betheiliglen. und das einen eberiSjp gemüthlichen wie anregenden Verlauf nahm. Auch zwei. andere Festlichkeiten hat die diesjährige Wintersaison bereits zu verzeichnen und zwar im Anschlüsse an zwei grössere Vorträge., «von denen der ©ine von Carl Emil Franzos. der ändere von Professor~ord. Cohen aus Marburg gehalten wurde; Frartzos sprach in theils ernsten, theils humoristischen Worten über die deutsche Ghettonovelle und ihre Hauptvertreter Auerbach, Hernstein, Kompert, deren schriftstellerische Verdienste und Lebenssehicksale er in fesselnder Weise darzustellen wusste. Bei der-hervorragenden Bedeutung. Welche Ffanzos-selbstfür die Ghettppoesie hat, und bei der grossen1 Beliebtheit, deren sich seine Dichterwerke hier allgemein erfreuen, war es eigentlich zu bedauern, dass er gerade der Vortragende wari Würden wir doch sonst die Genugthuung gehabt haben.^auch einiges aus dem Leben und Werden Carl Emil Franzos zu erfahren•; Professor Cohenjiiielt einen Tioch'bedeutenderi Vortrag .über den Werth des1 Lebens'. Nachdem er einen geschichtlichen 1'eberblick über die diesbezüglichen philosophischen Ansichten vor* den Zeiten des Srtkxates ÖU auf unsere Tage gegeben hatte., bei Leibniz flnd Kaijit besonders verweilend — entwickelte er zunächst .seinen eigenen Ständpunkt, der. als wohlbegründeter Optimismus zu bezeichnen sein dürfte. Sodann besprach er in sehr anziehender Weise die Stellung der jüdischen Religion und ,-des jüdischen ^Wesens zur Frage des Themas, wober er den, gesunden Realismus des Judenthums, seine richtige.- Werthschaizung des irdischen Daseins und der irdischen Güter* — im Gegensatz z. B. zur Entsagungslehre des Buddha — in's .hellste Licht setzte. Dieser wohllhätige Realismus sei; üfa ,so aoerkenhenswer(her, als die jüdische Religion keineswegs, wie manchmal behauptet werde, des Glaubens, an ein Jenseits entbehre; Rcdheir bewies das mit verschiedenen'Belegstellen aus dem alten Ttjstäment. Hiermit stehi denn auch die idealistische Seite des Judenthums in Einklang, seine höh«. Pietät,Tür die-Familie und die Ahnen, sein Wohlthätigkeitssinn, seine Menschenliebe und seine erhabenen sozialen Ideen- Zürn'Schlüsse, kam Redner nodv einmal darauf zurück, dass es die Pflicht; der Menschen sei, den Werth des Lebens nicht allein zu"i schätzen, sondern (steinen Werth immerfort zu mehren, dags dahin zu stieben sei dass jedes einzelne*Leben;nicht hur Mjitel für andere, sondern auch Selbstzweck sei.-dass jeder Mensch, der seine Pflicht thue, auch an allen Gütern. des Leben, in allen Fortschritten der C'ultur seinen berechtigten ^Antheil habe, dass der Werth des Menschen .eben nur dadurch hestimmt werde, wie er seine Lebensaufgabe. erfülle ~ EVies sei das ideale Ziel, welches uns immer, vorschweben müsse, die wahrhaft messianische Zeit, der wir näher zu kommen stets trachten sollen. Professor Cohen" s Vortrag wurde -mit grossem Beifall aufgenommen und würde noch mehr Anerkennung gefunden haben, wenn der Redner*', besonders im ersten Theile. seinen wohl abgerundete!)-Stil etwas populärer-igesfaltet und, weniger philosophische Vorkenntnisse bei seinen Hörern vorausgesetzt hätte, Eijst der zweite Theil; der sowohl ah Inhalt wie an Form verständlicher gehalten war... kajn zur vollen Geltung und Würdigung. - '-■ *r Ausser diesen beiden' grossen Vorträgen, zu denen die