Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1895
- Issue
- Februar
- Date
- 1895-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4864325-6028941-6029340--0170-4864362- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
aller vergangener Jahrhunderte sammelnd in die WiegSjChalje und entschied. Dieser Art ist! das zweite epochemachende Werk „Die synagogale rjoesie." Hat er in dem ersten Werke gezeigt, dass die Stimme der Propheten niemals in Israel jpjrloschen sei, so zeigte e r in diesem, dass die Harfe David s, das heilige Lied, dje gottesdienstliche Poesie niemals verstummt sei. Er entdeckte ein ganzes, fast verschüttetes Literatur gebiet, zählte tausend von Liedern, hunderte von Dichtefln auf| einen ganzen Sängerwald Hess er vor den erstaunt Ohren seiner Zeitgenossen erklingen, und so zerstörte ir gründlich den Wahn, als wenn das Judenthum eine erstarr e Mumie sei. Denn damals und zum Theil ja auch noch heute malte sich das Judenthum in den Köpfen benannter Judefn besonders aber der christlichen Theologen folgendermassen Einst hat es Gott gefallen, dem Volke der Juden durch Moses nützliche Gesetze und durch die Propheten Ver heissung zu geben. Aber dies war nur die Vorstufe wahrer Erkenntniss, diese kam erst durch eine neue Offenbarung in die Welt7 dur.h welehe das Gesetz Moses aufgehoben und die Weissagen der Propheten erfüllt worden sind. Di Volk der Juden war aber unbegreiflicher Weise so verstockt und, unverständig, dass sie das' nicht einsehen wollten Deshalb wurden sie von Gott .verworfen. Dieses Vojk existirl nun zwar seit diesen 18C0 Jahren noch immer das ist leider nicht zu leugnen. Aber es ist eine Mumie ein wandelndes Gespenst, ein Petrefact. Es besteht hauptsächlich aus unsinnigem Formelkram, Zeremonien, und seine Gelehrten haben nur immer neue Tifteleien über das Gesetz ersonnen. Jetzt aber, können wir uns jetzt nach Zunz sagen, ob das Judenthum wirklich nur ein Formelkram, seine Literatur Spitzfindigkeiten sind! Kann eine Religion todt sein, die durch alle Jahrhunderte hindurch unzählige Sänger mit heiliger Gluth, mit verzehrender GoHessehnsucht erfüllt hat! 1 Kann (und dies sollte ein drittes Werk beweisen) ei le Religion todt, ein leerer Formelkram sein, die iinzähli je Märtyrer mit dem Todesmuth erfüllte, die sie freudig psalmen singend die Scheiterhaufen besteigen hiess! Kann eine Religion todt sein, die wie eine tausendjährige Eiche immer neue Schösslinge treibt, ewig blühend, ewig jung! Nein, sie lebt und wird ewig leben. Wenn unsere Lehrer uns heute zu entflammen vermögen, Zunz ist es, d< m sie, dem wir es zum grossen Theil verdanken. » An diesen Vortrag knüpfte Redner noch ein hoch interessantes Bild über die äusseren Lebensverhältnisse Leopold Zunz, wobei er auf die Arbeit Dr. Maybaum's Bezug nimmt, die in dem „Zwölften Bericht über die Lehranstalt für (;ie Wissenschaft des Judenthums in Berlin* 1894 enthalten ist. Siebentes Kinderfest der Henry Jones-Loge zu Hamburg. Am 29. December a h. dem Sabbath-Chanukah, veranstaltete die Henry Jones-Loge in den festlich decorirtlen Räumen des Conventgartens ihr siebentes Kinderfest. Mit dem Ausgange des Sabbath versammelte sich in den Vorderräumen die festlich gekleidete,Schaar der Kinder, während den Erwachsenen nur der Zutritt zu den Galerien gestattet war. Von Nah und Fern strömten sie herbei. Gross und Klein. Arm und Reich, Hoch-und Niedrig, hm theilzunehmen an dem Feste, das in' seiner Art Wohl einzig dasteftt und infolgedessen von Jahr zu* Jahr an Popularität gewinnt. Vott Damen und Herren liebevoll empfangen, ordnete sich der Kleinen Schaar und in musterhafter Ordnung gmg's hinein in den grossen- Saal, wö die Tische bereits gedeckt standen und unter den frohlfchen Klängen der Musik, die von den Damöh und. Herren verabreichte Chocolade und Kuchen vortrefflich mundeten. Von den dicht besetzten Galerien flogen die Blicke der Erwachsenen hinunter in den Saal, wo an-fünf langen Tischen f>00 Kindel Platz genommen hatten und weideten sich an den wunder-i vollen Anblick, den das bunte Bild gewährte. Da betrat Herr 1 Rabbiner Dr. Werner aus Dänzig das Podium und ergriff das -Wort zu einer-"Festrede: Er forderte die Kinder zum Frohsinn auf hier in dem Paradiese, das liebe, gute Menschen ihnen für diesen Abend geschaffen und unter dem Hinweis auf1 die erhabenen Gestalten der Makkabäer ging er zu der Schilderung des jüdischen Familienhauses über, welches die Kinder sich ebenfalls zum Paradiese gestalten können, wenn sie in Liebe und Treue/ ihren Eltern ergeben sind. Indem der Re'dner aufforderte; durch Ergebenheit an die Religion der Väter gleich den Makkabäern. und durch Liebe zum deutschen Vaterlande* sich ein Paradies zu scharfen, schloss derselbe seine Rede, die einen ersichtlichen Eindruck auf die Kinder sowohl wie auf die Erwachsenen hinterliess. Da erhob sich der Vorhang und in lebenden Bildern, von Kindern entzückend dar- * ~- . *. ■ . * ■ » - ** gestellt, gelangte das tyärchen-Schneewittchen" zur Aufführung. Der verbindende Text, in poetischer Form mit gewohnter Meisterschaft von unserem Br. Sal. Goldschmidt verfasst, wurde von einer Dame .sehr gut zum Ausdrück gebracht. An das letzte Bild,, das Hochzeitsfest, schloss sich ein reizender Tanz von Wintern. Wmzerjnnen, Zwergen und einer kleinen achtjährigen . Serpenlintänzerin., 'Eine kleine 10 jährige Zauberkünstlerin beschlossdie Vorführungen, deren jede einen stürmischen Applaus, hervorrief. Hieran schloss sich das Abendessen und bei vollem Glase sangen die Kinder ein von einer Jugendfreundin* gewidmetes auf das Fest bezügliches Lied. Voran der würd. Präs. der Loge Br. Gust. Tuch und üntet Leitung der Damen und Herren, welche die Kinder bei Tjsche bedienten, erfolgte dann unter den Klängen der Musik der imposante Rundgang durch den Saal, bei welchem Kappen umKFahnen zur Vertheilung gelangten. Auf iU'rcn Plätzen wieden angelangt, sprach Rabbiner D. Werner, das Tischgebet unu nun erhielt ein jedes Kind ein.Gescheftk HlGestalt"eines BucnesT Spielzeuges etc. etc. Mit .einem > chalk-nden Hoch auf die ^oge, in das die jugendlichen. Kt hlen "kräftig einstimmten, schloss dies erhebende Fest. Langsam leerte $ich der grosse Saal und die Kinder begal en sieh um eine schone irinnerung reicher nach Hause. Zur richtigen! Würdigung dieses Festes, dasdie Krönung eines Actes echter Wohlthätigktjt; bildet, seien nachfolgende' Mails erwähnt. Alljährlich erhalten einige hundert Kinder, in diesem Jahre 330. von;dejn •Bcschehkungs-("'omitc der