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Bericht der Großloge für Deutschland · 1895-02-01 · Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1895
Issue
Februar
Date
1895-02-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BERLIN, im Februar 1895. Bericht der Grossloge für U. O. B. B. '.' •'* '.■ " .' . I . ' .;• -;V - '*."'• Nachd.ru.ck sämmtlicher Artikel aus diesen Berichten xJt r-b o t-e n.; ' r ■ ■ f < ■ ' - ''..■•►.*..':■■.*..''.'>.-•'. Fernsprecher: D. Wolff, IV, No. Wih, Lindenstrasse 15. Leopold Zunz. Vortrag des Br. Dr. Ehren fried, gehalten in der Deutschen Reichs- und Leopold Zunz-Loge. Nicht die wissenschaftliche Undankbarkeit ist der Hauptvorwurf, den die Geschichte den nachfolgenden Geschlechtern in der Regel zu machen hat, sondern die Yergesslichkeit. Wir geniessen mit Behagen erfreuliche Zustände, aber ^vir denken selten daran, welche Kämpfe und Opfer es gekostet hat, diese Zustände herbeizuführen. — L Es wäre leicht, dies an unseren staatlichen und culturellen Zuständen zu erweisen, aber es gilt natüilich in demselben Masse auch auf anderen Gebieten des beständig fortschreitenden Lebens. Ks gilt daher auch von unseren jüdischen Zuständen. Es wird zwar im ersten Augenblick befremden, in heutiger Zeit, von erfreulichen Zuständen reden zu hören, in der Blüthezeit des Antisemitismus einige Tage nachdem diese teutschen Eidgenossen ihr Rüth gefeiert haben, in der Zeit, in welcher besonders die geschäftliche und gesellschaftliche Achtung der Juden immer ernster und demüthigender wird] — Und dennoch haben wir das Recht, unsere Verhältnisse gegen früher erfreulich zu nennen. Politisch sind wir vollberechtigte Staatsbürger, während unsere Grossväter Schutzjuden waren. Unsere Grossvater waren fast ausschliesslich Schacherjuden, uns aber und unseren Kindern stehen die meisten Berufe orten, soviel uns auch noch missgönnt werden möge. Unsere Grossväter hauen kaum eine Ahnung von den geistigen Schätzen der modernen Culturwelt. und wir geniessen von der Kindheit auf an niederen und höheren Schulen dieselbe Bildung wie unsere christlichen Mitschüler. Unsere Grossväter — ich bitte dieses Wort nicht buchstäblich zu nehmen — sprachen ein widerwärtiges Kauderwelsch, heutzutage sind es eigentlich!nur noch die Antisemiten, welche bei ihren geschmackvollen Scherzen mauscheln. ' -, Unsere. Grossväter halten — und dies war das grüsste Uebel — fast gar keine Kehntniss von der Geschichte unseres Stammes, von der Entwickelung unserer religiösen Einrichtungen, und unsere Kinder können einen Religionsunterricht geniessen, der ihnen zeigt, wo die Wurzeln unseres Weyens, unserer Kraft liegen. Das alles erscheint uns heut so selbstverständlich, dass wir eben gar zu leicht die wackeren Männer, Kämpfer und Forscher vergessen, denen wir diese unschätzbaren Güter eines höheren, freieren Daseins verdanken. Möge der' eben geworfene Rückblick in die dunkle Vergangenheit uns nie vergessen lassen, was wir jenen Heiden schulden'. ' Wenn ich mir erlaube. 1 IhnenJieute das Bild eines solchen tlelden. eines unermüdlichen Kämpfers und- Forschers vorzuführen, so ist. die Säcularfeier seines Geburtstages eine ebenso drängende Mahnung, wie willkommener Anlass dazu. Vor wenigen Monaten waren hundert Jahre verflossen, dass Leopold Zunz geboren^wurde, und seit seinem Tode sind erst 6 Jahre vergangen. Ist hat also — 1704 geboren und l8*S gestorben — das seltene Alter von 94 Jahren erreicht. In allgemeinen Zügen-flur will ich hier die Bedeutung dieses grossen Mannes für das Judenthum aufzeichnen. ' Denn berufenere Kräfte sind dazu nöthig." um eine"halbwegs erschöpfende. Darstellung eines' Jahrhunderts 'angestrengter, geistvoller Arbeit zu geben, berufenere Kräfte, um die wissenschaftlichen Leistungen.eines Leopold ZuhZ zu würdigen. Das Leben eines deutschen Gelehrten und zumal eines jüdischen ist in der Kegel so-einförmig, dass,-"wenn man nur die äusseren Begebnisse im Auge hat, es meist in. die kurze Grabschrift zusammengefasst werden "kann : 'Ef wurde geboren, studirtc zeitlebens sehr fleissig, schrieb verschiedene Werke und starb. Wie ein stiller Baelik zwischen Wiesen, fjiesst ein solches LeDen dahin. grosse^Erschütterungen, gewältige Schicksale sind ihm fremd, in. das Getriebe der Menschheit, ihre Wünsche, Bestrebungen,. Kämpfe und Erfolge greifen sie so wenig ein. dass man leicht geneigt, ist, Jsie für gänzlichentbehrliche Glieder.zu halten. Von-vielen ist dies bis zu einem hohen Grade leider -wahr. Denn es giebt ja in der That Gelehrte, welche nicht viel besser sind wie eine Art lebendige Bücher, deren Gelehrsamkeif und Kraft sich darin erschöpft, aus neun Büchern.- welche, btsher von keinem Menschen gekannt in Bibliotheken .sjehiummetterr, ein zehntes zusammenzustellen, welches denselben ewigen Schlaf thun wird.;— * i' - - 1. - Das sind nicht die wahren Gelehrten. Die. wahren Gelehrten beschränken sich nicht auf ihr Studirzimmer. nein. sie greifen mit in 's volle Menschenleben-hinein, mit idealer Gluth fassen sie alles ah. was das warme pulsirende Herz bewegt. Nur diese sind-die wahren, die wichtigsten Förderer des Menschengeschlechtes, tri. .den Klausen dieser Gelehrten und Forscher entstehen, di6j Ideen, welche später die Welt umwälzen.' . \ ' i :■ i ■-. - Zunz gehörte zu die s e r Klasse von Gelehrten. Seine Werke sind in so hohem Grade gelehrt, sie schreiten so schwer bepanzert mit dem ganzen Rüstzeug "piner die Welt ' :-f \ -: ' i :■ . /

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