K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Bruno Weil: Spielarten des Antisemitismus
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 13)
- Language
- German
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Spielarten des Antisemitismus. 148 vor wie die Tatsache, daß jüdische Bankiers russische Anleihen unterbringen und so für das Geld sorgen, mit dem ihren Glaubensgenossen immer neue Auflagen von Kischinew bereitet werden sollen. Ebenso erbärmlich ist das Benehmen dieser jüdischen Humoristen, die nur damit das Publikum lacht, aus vollen Händen den Samen des Antisemitismus ausstreuen. Denn das schafft Antisemitismus. Es wegzuleügnen hat keinen Sinn, und so kindlich harmlos das Lied vom kleinen Kohn war, alle Freunde kennen Fälle, in denen man’ von „feindlicher Seite mit eben diesem Liedchen herausgefordert wurde. Aufklärung tut auch hier not. Wer nicht glaubt, daß die Uebelstände so groß seien, der prüfe von jetzt an einmal mit Aufmerksamkeit die Dinge. Er wird finden, daß auf dem Varißtö kaum ein Lied gesungen wird, in dem nicht ein „jüdischer“ Vers vorkommt, der gewöhnlich als Höhepunkt ans Ende der Strophen gestellt wird. Und wie strotzen die Prosadarbietungen von „jüdischen“ Witzen und Mätzchen! Nur zum kleinsten Teil sind es wirkliche jüdische Schwächen, die darin gegeißelt werden, meist stellt man frei erfundene, unwahre Typen hin, die mit der Erfahrung unseres täglichen Lebens nichts gemein haben, und die nur verhetzend, trennend und verfeindend wirken können. Daß immer etwas‘davon im Bewußt-