K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Nathan Birnbaum: Die sprachliche und literarische Entwicklung der Ostjuden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Entwicklung der Ostjuden. 87. Ostjuden ein -allerdings, wie wir hören werden, nicht ganz genaues Spiegelbild des ostjüdischen . Geistes, wie er sich nach wechselvollen Schicksalen und auf dem Wege zu gewaltigen Umwälzungen entwickelt hat. Es ist nicht dasselbe Hebräisch, das im Westen als eine Art Prunkschatz, von eigens hiefür geschulten Wächtern^ behütet und nur bei besonderen festlichen Gelegenheiten dem. Volke gezeigt wird. Nicht ein Hebräisch im Beliquiet&chrein, sondern .eines, das durch das Leben der Völker und Zivilisationen lebendig schreitet. Man kann sich nun gewiß nicht leicht eine nur geschriebene und gelesene, eine stumme Sprache als lebendig vor stellen. Welches Bedürfnis sollte sie befriedigen? Map ist nämlich gewohnt, nur das normale Sprechbedürfnis für maßgebend zu halten. Aber könnte nicht in diesem einen Falle auch ein anderes wirksam sein? Hat sich nicht die hebräische Sprache während des ganzen jüdischen Mittelalters, das von den Anfängen der Diaspora bis zu den Anfängen der Emanzipation reicht, deshalb erhalten und entwickelt, weil sie als nötig empfunden wurde, die Einheit des Judentums und die Zusammengehörigkeit der Juden aller Welt zum Ausdruck zu bjingen? Ist es nicht diese Empfindung, die ebenso in den Gebeten wie in den unsterblichen Liedern der spanisch-hebräischen Dichter, pinoa Jehuda Halevy, eines Ga-f-