K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Walter Graetzer: Zur Frage der gesellschaftlichen Stellung der Juden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 30)
- Language
- German
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76 Walter Qraetier. Abschluß wird eigentlich schon in der Schule begönnen, wo der jüdische Schüler eine Stunde eher gehen oder später kommen muß. Der gemeinsame Hin- und Rückweg mit seinem Mitschüler .vird ihm genommen. Wie muß es auf den kleinen Schüler wirken, wenn in der Stunde vorher die Geschichte der Kreuzigung Christi erzählt wird, und dann 2 oder 3 Mitschüler plötzlich ankommen, * welche der in dieser Geschichte genannten Religion angehören und nun erst •— also eine ungewöhn- ✓ liehe Erscheinung — mit ihrem Schulunterricht V. beginnen. Dasselbe Spiel wiederholt sich auf dem Gymnasium. Vitzthum in Dresden und Schulpforta nehmen “prinzipiell keine Juden auf. Auf der Universität ist dasselbe Spiel: davon mag ich nicht mehr reden. Wenigstens hat die akademische Jugend jetzt angefangen sich dagegen zu wehren, den Erfolg müssen erst spätere Zeiten lehren. Nach der Studienzeit ist es nicht anders; die wenigen Berufe, wo die Juden überhaupt untergekommen sind, geben ihnen keine Möglichkeit, außerdienstlichen, Verkehr herbeizuführen. Nur zwei Stände machen, infolge ihrer Eigenart, eine Ausnahme: Der Kaufmann und der Künstler. Ich argumentiere nicht so, daß Juden in diesen Kreisen stark vertreten, also ein nicht zu übergehendes Element seien. Das ist der Grund, daß der Kaufmann den schätzt, der persönlich tüchtig ist, einen hellen Kopf hat und es so zu etwas bringt; das