K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Walter Graetzer: Zur Frage der gesellschaftlichen Stellung der Juden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 16)
- Language
- German
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62 Walter Graetzer. Unwahr bleibt die Behauptung aller Agitatoren, daß der gemeine Mann dem jüdischen Vorgesetzten nicht gehorchen können und wolle. Ein älterer Offizier versuchte sogar einmal in der „Zukunft“ darmt-die Nichtbeförderung der Juden im Heere zu rechtfertigen. Er führte an, daß Soldaten dem jüdischen Vorgesetzten nicht gehorchen wollten.. Abgesehen davon, daß ich ein solches Vorkommnis für unmöglich halte, kann ich hierzu nur sagen, daß, wenn es wirklich der Fall gewesen wäre, diee nur eine Folge der Verhetzung, also eine Wirkung gewesen ist. (Die Wirkung einer Tatsache nehmen, um sie als Motiv für ihren Eintritt zu •benützen, das heißt falsch spieleti). Man kann lange suchen, bis man einen Mann aus dem Volke findet, der im Innersten seiner Seele den Juden haßt, so wie er den Verbrecher und den Feind haßt. Gerade dort, wo noch gesund empfunden wird, wo nicht tausend Interessen den Blick trüben, wird nicht nach Name und Art gefragt; dort gilt der, der etwas leistet. Der Tüchtigste ist dem gemeinen Mann Freund und Genosse. Wann fragen Gewehr und Säbel nach Taufschein und Ahnenreihe, wenn sie in der Faust ruhen’t Das allein ist es, die maßgebenden Stellen verhalten sich ablehnend. Auf der linken Seite des Reichstages findet der Antisemitismus keine Liebe, dort sind aber auch die Stützen der Gesellschaft nicht zu finden. Nur dort, wo die Ahnenreihe gilt, wo