K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Walter Graetzer: Zur Frage der gesellschaftlichen Stellung der Juden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 15)
- Language
- German
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Gesellschaftliche (Stellung der Juden. 61 Wo sind die Väter dieser Bewegung? Die jetzt allein in Betracht kommende Bewegung nahm ihren Anfang gegen 1880. Aus der Fülle von Beispielen sei nift daran erinnert, daß im Jahre 1879 in einer Breslauer Zeitung ein Artikel erschien: „Der jüdische Referendar“, worin der Verfasser sich über jüdische Referendare beklagte, die mittags auf der „Schweidnitzer“ mit den Akten, absichtlich-und laut redend, spazieren gingen. Ich erinnere an den jetzt noch bestehen- * den, vor einem Jahre noch bekannt gewordenen „Verein christlicher Referendare“. (Stillfried-Rattonitz). Das war eine der ersten öffentlichen Regungen. Andere halten Bismarck für den Urheber dieser Bewegung. Ich rufe dem Leser die Namen Graf Pückler, Graf Reventlow, Liebermann von Sonnenberg, Amtsrichter Lattmann, Oberhofprediger a. D. Stöcker ins Gedächtnis, ich erinnere an, den Verein deutscher Studenten, ich erinnere an zahreiche Vereinigungen christlicher (dies ist heute „antisemitischer“) gewerbetreibender, Handlungsgehilfenvereine u. s. w. Dies Alles zeigt, daß die Anhänger des Antisemitismus lediglich in höheren Gesellschaftsschichten zu suchen sind, in den Schichten, tvb Geld und llacht und Name zur Voraussetzung der Zugehörigkeit zu ihnen gehören. Dort sind die ständigen Förderer des Antisemitismus, dies sind die Stützen der Gesellschaft — mit einem Wortdie~ maßgebenden Kreise!