K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1906
- Article
- Ernst Hochschild: Gabriel Riesser
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- section
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4862473-6377459--183-4862645- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
158 Emst Hochschild. S. Namen einer seit 1000 Jahren unterdrückten Rasse verlangte er für dieselbe jetzt, wo der Tag der Freiheit für alle^anbräehe, dieselbe Freiheit. Man solle dann sehen, wie die Juden die besten Patrioten wür- _den, wenn sie ihren Platz im~Vat8riände hatten. Die innere Ergriffenheit seiner Worte machte Eindruck und von da an wurde die jüdische Frage von der allgemeinen freiheitlichen Sache nicht mehr getrennt. Rießers Ansehen wuchs durch das mutige Eintreten für seine Glaubensgenossen, und der liberale Sinn der Versammlung berief ihn bald zu einer der höchsten Ehrenstellen, die sie zu vergeben hatte, indem sie ihn zum Vicepräsidenten machte. So leitete ein Jude, den man früher von der Advokatur fern hielt, nun an der erhabensten Stelle die deutsche Nationalversammlung. Berühmt wurde' Rießer durch seine sogepannte „Kaiserrede,“ in der er stundenlang zusammenfassend über die Kernfragen der Debatten sprach, ob dem Könige von Preußen die Kaiserkrone anzubieten sei und wie —ftian mit Oesterreich verfahren soll. Ein urteilsfähiger, unparteiischer Zeuge schrieb von dieser Rede, daß an Klarheit der Gedagken, Schönheit des Ausdrucks und Schwung der Empfindung nichts Ähnliches gehört worden sei, und daß es die beste Rede gewesen sei, die bisher in der Paulskirche gewalten worden sei. Ende März 1849 fiel die Wahl zum Kaiser auf Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. In die