Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXXIV (1934)
- Issue
- 26 (10.9.1934)
- Date
- 1934-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I (Poørome ond Pogromisten) Der V o Rusi K o in der dcrttn sar und die .Schwarzen Rundert1 i r iclniger Zeit wurden in fentlicht nd die Protokolle der nsion, die die T ii t i g k e i t chwarzen Hunder 1“ und _ Beziehungen zu den zaristiseben Beh5ijpe« zu bntersuchen hatfe, verof- Durch Dokumenfe. die u u s scHijle^slich aus zgrjstischen A r c n I l/e n stammen, wird ietzf das erste Mtal klargelegt. wu» es ermoglicht hat^eil das die Pogromhunden. die mit Mofd]1 Brand und Plunderung uher die iudlsthe Bevolkerung Pusslunds herfielen, jHire Plane ungestort vorhereifen una Idurchfuhren konnfen. Wir bringen eiriig^ Auszugt* aus oharakteristisenen AktehjsfDcken. [inde 1^05 wiirde in Petersburg der „Verbanjd des rusischen Volkes" gegrundet, dem es in erster Linie zu verdankejn' ist, dass die Etappe nach 1905 sich i u einer der schrecklichsten in der neteren russischen Geschichte gestaltet latte. Das Programm des Verbandes war die Erhaltung der Selbstherriichkeit des Zaren und die Bekampfupg der demokratischen Bestrebungeh. Aber die Demokratie hatte in aer Duma immerhin sfchon ihre Køimzelle errichtet und es gab før die Patrioten nur den Ausweg Bie miti Gewalt zu bekampfen. Sie na timen »ich das Manifest des Zaren;vom 3. hjfarz, in dem der Herrscher aller Reussen die treuen Untertanen auftordepte, gegen den „Feind im lnnernl du kampfen, zu Herzen. Darum nahm der „Verband des russischen Valkes" die direkte Aktion gegen den „inneren Feind*' in sein Programm auf und stellte in allen Stadten bewaffnete Banden auf, die unter lem Namen der „Schwarzen Hunde :t‘| bald eine traurige Berflhmtl eit erlangten. Sie waren die Verbal d des russischen Volkes gegen d<n („Feind im Innem" zog. Aber djieser Kampf spielte sich Trupp* :n,i mit denen der patriøtische seltsafnettweise ausschliesslich in den 'Judenyie’teln ab, wo Scharen von bewaffjne ten 'Hooliganen eindnangen, wehriøse Menschen, auch Frauen und Kindef h nmprdeten, HSuser und Laden pliin ierten und in Brand setzen. Diese Mt ssakers fanden vor den Augen dier; Benorden, vor den Augen der Gendanøerie und Polizei statt, die eihe | seltsame Passivitat zeigten und oft erst einschritten, als sich die „Schwarzen Hundert" schi n ausgetobfj hqtfen und hunderte voi t Menschen j hingemetzelt waren. Vir dem zivilis er<en Europa wurde dann eine Komb die men ind mit „strengsfen M: ssnah- Bestrafung der Schu digen" aufgefQhrt. Wie es daipit in Wirkliehkeit ausglsehcn hat, zeigen die folgenden Dokumente: - Am 2. MSrz 1907 berichtet der Stellvertretet des Gouvemeurs von Jekaterinoslawak, Schildlawskij, uber einen vom „Verband des russischen Volkes" geplanen Pogrom: „Wie traurig es auch.ist, bestatigen zu miissen, aber als Schuldige an soleher Sachlage mussen in starkem Masse die Vertreter der ørtlichen administrativen Macht bezeichnet werden. In Alexandrowsk bildete sich der „Verband des russischen Volkes nicht n u r unter dem Protektorat, sondern fast aus Inifiative der ørtlichen Regierungsbeamfen, wobei sich an seine Spitze stellten: der Gendarmerierottmeister Budagowsklj, der Untersuchungsrichter Majdatschcwskij. den Isprawnik Wiwulskij und einige andere Polizeibeamte." . Die Majoritat der Beamten und Offiziere stand den Bestrebungen des Pogromisten verbandeb wohlwollend gegenuber. Solche Funktionare, wie der Verfasser des zitierten Berichtes einer war, gehørten zu den Ausnahmen und wurden bei der ersten ' 'Gelegenheit abgesågt. Die Moralische Verfassung der Beamten und Offizie-' re, die Protektoren und FunktionSre des Verbandes waren. wird am besten durch folgende Stelle im Bericht Schidlawsipijs geschildert: „Ausserdem sagten der Isprawnik Wiwulskij und Rittmeister Budagowskij in einem GesprSch mit einem meiner Beamten nicht ohne gewisse Genugtung, dass ein Judenpogrom sehr wahrscheinlich sei. aber dass die .luden diesmal nicht gepluhdert, sondem nur erstochen werden wurden! Und auf die Frage des Beamten nach Massregeln zur Verhinderung der Pdgrome, sagten die beiden Personen yoraus, -j dass solche Massregcln misslingen | wOrden." j Warum das der Fali sein -musste. ist leicht zu erraten. In Odessa zum Beispiel, der Stadt, in der die „Schwarzen Hundert" die tiirchterljchsfen Greueltaten verøbten, war der Militirkommandant General’ Kaulbars der Beschutzer und Protektor'; der Pogromisten. i— Der Ntadthauptmann v ein techtlich in Odessa Grigordenkender Mann, er aus heiner Gegnerschaft gegen den „Verband dejs russischen Volkes" keinen Hehl møchte Und darum schliesslich auch abgesetzt wurde, berichtetc in einem Telegramm vom 9. Mai 1907 No. 4348 an den Innenmini- ster: „Ich muss øffen erklaren, dass solange General Kaulbars offen seine Sympathie! fur die Taten des Verbandes des russischen Volkes ausdrucken wird und an der Spitze diescr politischen Partei steht, man fiir jeden Tag eine schreckliche Katastrophe mit| einem Attentat auf seine Person , erwarten muss. Da wird es unmø&lich sein, einen Pogrom zu verhindem." Fs gelang Grigoriew, nicht trotz des Vorwands r lit dem Attentat, die Abberufung des General Kaulbars zu erwirken. Als scinen besorgten Telegrammen und E erichten keine Massnahmen von S:iten der Regiørung folgten, reiste G rigorjew nach Petersburg, um durch personliche Vorsprache beim Z iren, die Abberufung des Pogromgen :rals zu erwirken. ,. Grigorjew, der selbst im Genenlsrjeg stand, errcichte nach langen Bcmøhungen die 1 lewilligung einer Audienz bei Nikolaus II. Studenlang wartete er im Audienzsaal und memorierte nervøs seine Ansprache, in der er alle Verbrechen der „Schwarzen Hundert" und der sie unferstutzenden hohen und høchsten Funktionare aufzudecken gedachte. F.ndlich ofineten sich die Fliigeituren und der Zar trat ein. | I>er alte General war starr vor Entsetzen. als er auf der Brust dies Zaren das Abzeichen; Ider „Schwarzen Hundert" sah, das Abzeichen der Leute. die er | ahzuklagen gekommen war. Grigorjew stammeite nur einige. bei solchin.Gelegenheiten ubliche Redcnsarti|n und wurde dann vom Zaren entlassjen. Aber diese Episode solite før den aufrechten Mann nicht gimpflich verlaufen. Unmittelbar nach der-Audienz teilte der Vorsitzende des; Ministerrates dem Genpral, der øs gewagf hatte, sich dem „Verbarid des russischem Volkes" in den Weg tu ste les, mit, dass „der Zar gerutje, ihn von der Stelle eincs Stadthauptnianns von Odessa zu entheben." Die, Abberufung des Generals Grig'orjew vyar nicht der einzige Liebesdienst der Kamarilla fur die Pogøo" misten. Wenn manchmal es geschah ntir in den seltensten Fallen ein Gericht wegen allzu druekéndt'r, unwiderleglicher Beweise g; - zwungen! war, Pogromisten zu-veru ■- teilen, ejann geniigte es, wenn _ dtjr beruchtigte „Schwarzc Hundert' AdvokatlP- F. Bulazel eine Bittschrift an den Zarenrichtete, um den Mørdem, RSubem und Brandlegem die Fre: heit zu verschaften.. Die Kamarills wussteden Zaren zu bøstimmen, die scheinheiligen Phrasenj Bulazels ernst zu nehmen: In einer seiner beriih nten Bittschriften srfifieb der Po£ rom-Advokat an den Zaren: „Seien Sie, MajesfSt, gegen Ihre F :inde stfHig. Ab.er gegen das Thn :n treue Volk seigen jig standig Barmherzigkeit und 9jføfilwollen, damil das Volk fuhlt ørid weiss, dass die Machf des rechtglaubigen u selbstherrschenden Zaren nicht g.-schwacht ist und fur |ei’ige Zeitrn nicht schwScher werldøn wird." T er. Zar Hess sich durcti solche Phi asen, in denen die Pjadromisten als die wahren Patrioten mngestellt wu de, erweichen, und derlAbberutung des Generals Grigorjew folgte die Begnadigung aller wm Odessaer Ge icht Verurteilten Pogromisten: - da« Ilrterf war wegen Mord und Ranb an Tuden gefallt worden. T 'as Abzeichen der „Schwarzen Hundert" auf der Brust•,des Zaren leilete eine neue Welle von Tudenver|folgungen ein. Die schjutzlose judische Bevølkerung war deø Pogromigten, voilkommen ausgtaiefert. Die .Mdhrpahl d«r Beamten doclite nicht meffr daran, die „Schwdrzén Hundetf" an ihrem \*erbrecheriscnen Treibeø zu hindern, den keinef wollfe dai Schicksal des General Grigorjew teilen, ausserdem waren i ihre Sympa|hien auf Seiten des L.Verbanjdes de$ russischen Volkes." fm offiziellen Tagebuch des ,JBeamften fur besondere Angelégenheiteø Podolzew, das spater dem .Senator Kuminskij in die HSnde gcriet, istj v'erzeichnet, dass der jGenCral Kaulbare wahrend eines Pogijoms bei eirtem offiziellen F.mpfang j gesagt hajte: : ,JMan muss offen s|ein und die Saghe beim Namen nennen... t- Wir alle sind in der Seele før didse Ge|valttaten." 1 fO;dachten die Diener dc^i Zai :n, kjleinen und grossen Pogrømg« tier3le,;die den pafriotischen P^bei auf die Wehrlose judische Bevølked ing lossllcssen. Sie sind die Hauptsd uldijgeti an den furchtbaren Gcmctz In. die weder vor dem Forum der 1 Jeschichte noch vor einem Einzelgev issen yerantwortet werden konnen. Tøtzt, da Dokumente vørliegen, lerwøisf sich ihre Schuld. die das :ivilijierte Europa immer geahnt hat, als uhwJderlegUch. Dip ludenpogrome dieserj Zeit hahpn 12.000 Todesopfer i i!- B. K ser Zeit efordert kof ■ Brit f an das Judische Volk. iiON THEODOR HERZL (Åusjdem Nachlass.) Dcrt |Weg spaltet sich und die Spaltung jgpht mitten durch des Fuhrers Brust. 'Darauj siød die Konsepuenzen jiu i ziehen. Alsi ichaufbrach, war ich nur ein i ludenstaatler, ich bin ein Chowewe i Zion gew orden. Fui mich gibt es kei- , ne andere Løsung der grossen Volksfrage, die man die fudenfrage nennt, als Palfistina. Abier' daneben kann und darf ich nichtj ubersehen, dass es in der Judenfrage auch ein Element von grøsstem! Elend gibt, welches zu lindem die pihilantropischen Vereine sich unfahig gezeigt haben. Da als ein Zwischcnrpsultat unserer Bewegung sich die Møglichkeit, hier abzuhelfen, gezeigtihat, halte ich mich einfach nicht berechtigt, das abzulehnen. Umsoweniger, als in dem letzten Respirø seit dem VI. Kongress trotz alleri meiner ehrlichen Bemflhungen, von denen ich dem VII. Kongresse Reciienschaft legen werde, nient ge- 1 un gen ist, unserem Ziele n§her zu kommen. Es gab Momente, in denen ich Kohlietwqs hatte ausrichten ttonnen, SchiffbrUchigen (London Mai 1901) verhallt waren. Man hat mir nicht geglaubt und nient geholfen. Allein konnte ich s nicht Imachen. Ich werde in spaterer Zeit die Einzelheiten, die Verantwortungen klarstellen. Heute muss ich sagen: dass auf absehbare Zeit nichts in Palastina zu machen ist. „Weil ihr nicht wolltet, bleibt es fOr dieje Zeit ein Marchen." Aber well wir beisamim-u sind. wollen wir wenigstens fiir die Not w">s tun und das Volk weiter wecken und die Geweckten starken. Das geht nur, wenn man festen Boden hat. Alter dahin kann ich nicht init, weil ich ein Chowew Zion bin. Nur wenn alle i Chowewim mit uns sein wollten, kønnte ich die schwere Mutze des Monomachen weiter tragen, Ost-Afrika leiten. Kommt es zur Spaltung, so bleibt mein Herz bei den Zionisten und mein Verstand bei den Afrikanem. Das ist ein soleher Konflikt, dass ich ihn nur durch meinen Austritt løsen kann. Ich verlasse dann die Bewegung im materiellen Erfolg und das ist gestattet. Ich håbe nach meinen bescheidenen Kraften einige Organe dem geweckten jQdischen Volke geschaften. Ich gehe auch durchaus nicht verbittert oder unzufrieden ab. Wohl wurde ich vielfach bekampft und geschmaht, aber da auch meine schlimmsten Feinde mir nie nach- DANNER. I ns Gieitende gebettit, Aut I einem sf arren Schiff, Vorpsi an schwankem Riff, An hohlrn Mast geket et; Von Purpurnacht 'umbrandrf, Vobø Schw?igen eingeliillt, Ferrt schopterischer Huld In traumes Rerrh gebndet. Die Seelp wieich vprschwistert Dem ungewi8sen Wahn, Im Schweben himipdan Von Zweifeln nach umfliistert... Und dann das jahe Sfurzen In Grunde end>os schwarz, Von bernsfeingelben Harz Umduftet und von Wiirzen. Kein Halt der Elemente! Die H5IK susser fast Als himmlisch;r Paiast. — O, dass ich Goff erkennte! Marek Scheriag. Was w.rde ich kochen, was we-de ich back:n? frugt besori t die H; friau. Die iudischen Feieitage dat t-m wjocnenlang und die H uisfrau fwill doen mit ifir sauem Muh.- wenigs den | Reifall ihrer I.iebct tinden Die ‘ Antwort darauf lautet: Koi hen Sie Goliners Eiertcigwurcn in silen Forilien und in allen Normen. Sie sparen Zeit. Kopfzerb echen und nicht zuletzt Kosten! Sind Sie versichert, dass Sie am hesten! durch den Gpbrauch von Gollncrs Ejerteigwaren fahren. Keine K letcréi. keinen besorgten Schutz vdr Fliigen u. anderen Insekfen. Peinlich sauber, appetlich und wohlschnjeckeridl ikivon hat sich bereits jode Hausfrau uberzeugt! Heute fehlen in keiner Kuche 6ollners Eierteidwaren, in keiner Kuche, die aufl Reputation etwas halt!... ' Nr Mflijm vi. Kunden zum dt«* Gluckwui AUGUSTIN KAI. Herrvnmodesalofi Antnv'ohikgossf I. V u Gihrsuechsel ISi'hf | iN Te|. 18255. sagen konnten, dass ich in dfirserTBewegung materielle Vorteile fur mich gesucht oder gefunden hatte, so konnte ich die Angriffe gelassen crtragen. Hingegen wurde ich reich, weit uber Gebuhr und Verdicnst belohnt wenn meine Rufe nicht wie die eines durch die Liebe meincsj Volkes, wie sie ,in solehem Ausmassp seiten Leutenj zuteil wurde. die viel mehr Anreent darauf ■ hatten als) ich. r- Mir kommt nichts heraus. Es ist ein gutes Volk. Aber leider auch! ein tlef ungluckliches Volk. — Gott helfe ihm weiter! 1 —i— i