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Jüdische Volksstimme · 1934-08-23 · 25 (23.8.1934) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXXIV (1934)
Issue
25 (23.8.1934)
Date
1934-08-23
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Nummer 2L 23. August <934 Botschaft Barth ous an die Judische Weltkonferenz ,; (Z. T. A.i , „Renasteijea". das Bratt der ICd •schenReicnsirartci.brir.i4t an der , Spitze ihrer Ictztcn Nummer eitje Botschaft des franzbsiscfien Ausssn- . ministers ut»d fruheren Ministerpråsidenten Lojuis Barthou an die :3. Jucrjsciic Weltkonferenz, die heute iin Genf eroffret wurde. Der franzi-^ische Aussenminister -hat diese Botschaft dem Pariser Vertreter der .JJcnasterea ' zur Veroffcntlichi ng ubermittelt. Das Schreiben Barthpps .lautet: „Es gibi fiir einen Judischen W:ftkongiess keinc nutzlichere, ke pe wichtigere und keine edlere Ro le, •als die merschliche lind gfc- •setzliche Gleichheit a filér R e 1 i g it> n t n und allcr Rass "z'u pro kit m'jeren. Es ist p> lich, darauf zu’ruckkommen zu m ' sen nach der Err.anzipation, di Werk der franzosischen Revolut pn . gewesen ist. Aber die Ereignisse i ir- . dern es, und es ist notig, die Z.i\{ili sat ion zu retten vor der ru |klåufigen Bewegung, die sie bedre if. Mbge der judische Weltkongr ss zur Vernunl t und Zum Herzen < er Welt sprechen. Seine Stimifie wird geh?rt verden. Louis Barthou. ■ ' (Privat. In der heutigen Sitzung der Wi tkonfercnz u u rd e der Vertreter ces amerikanisepen ludentums und Pi asident des Judisch-amerikahisch rn Kongresses Professor Dr. Steph ir. W i se zum YorsifzCnden der Kt riferenz gewiihlt. Dr. Wise wies qj-t .die Aufgahen der Konferenz hin u id betonte die Solidaritat des. a’meriljanlschen Jud:ntums mit-den verfo gten Stbmmeigenossen in Europa uj^d Afrika. Die iHaltung des air.erlkiinischcn V o 1 k e s g e g e n u b |: r Deutschland zeigt,.dass man d« rt das Yerhalten gegenaber den .luden, als einen Masstab der Kultlir ansieht.! . 1 Grosse B^wegung rief eine 'R des Dichjer J Schalom A s e h i\ber v ie iudenverjfoLgungen eutscblond her\or. ' „Die Juden haben schon grt szre Tragddien durchgemacht, aber noch niemals hat eine Gros macht den Kampf gegen uns z Basis ihrer gesair.ten Politik macht und den g an zen Reg rungsapparat gigen die Jud aufge»*ndet. - Wir durfen StHz - sein auf d C VerLdgung .durch c i« reaktionaren Machtfc der Welt, weil de Geschichte unser Anteil an ihrer Abwehr anerkennm wird. Wir proklam eren nicht unszre „Auserwahltheit", sondern lj>h ir i*’ Gaiegenbeltskauf shreange der Welt l^JO, 1902. I905.t 1906. 1908. 1909, 1910, 1912, 1913 in-schv arzeri^ l.’einen gebunden|pro Band. Kc 100.— exelusiee Porto Zu bezienen [.einen durch den Vettag der.Iiidische Volbsstimme' Briinn A BO N1ERKT das ^inziije unabhangige unparleiische judische Wochcnblatt die : JUdische Voiksstimme Arabischer Grenzdienst verboten Zusammenistosse bei Nathania unsere menschliche Gleichberechtigung.‘ Die Konferenz wahlte sodann eine Reihe von Kommissionen. I i tur.) Die judische 'Veltkonferenz bchandelte heute den Beiicht Latschinskis uber dip wirtschaftliche Lige des judischen! Volkcs. Er erkla t die fortschreitende Veramtung d:s judischen Mittelstandes mit der Tal - sache, dass di? nationalen Mchrheten verschiedener Staaten sich at f : Kosten der natiopalen Minderheite a j wirtschaftlich ausoehnen. Der Staat: - kapitalismus und die Staatswirschaftspolifik dienen ihnen dazu, die luden zu verdratgen. Die krassesle Form einer derartigen Politik sei ih Deutschland zufatge getreten. Josaf Z o 11 s ch an, (Karlsbad), der als F.xperte fur Rassenfragen eingeladen war, entwickelte folgenqe Gedankengange: Die jeder w issenschaftlichen Grundlage entbehrende d.utscheAuffassung jetzt der nordischen Rass/, die sie verherrlicht, die Tuden 'als Verkorperung des Schlechten gegenufcer. Die Vertreter der Wissenschaften sollten die Verleumder des judisches Vo'.kes vor ein nach objektiven Grundsatzen der Wissenschaft gebildetes Forum laden. Der Euhrer der tschechoslowakischen Juden, M ar gu lies fuhrt/' uber dos Minderheitenproblem aus: Der Weg," den die europaische Zivilisat:on vor . 130 Jahren zur Losung des judischen Problems gefunden zu haben glaubte, hat sich als unrichtig erwiesen. Die in Europa durch die Eriedensvertrage gesohaffenc fJeuorientierung hat dem.judisschen Volke die Mdglichkeit gegeben, in Palastina einen Nat onalstaat zu grunden und es jhir. ermoglicht, in anderen Staaten als gleichberechtigte nationale Minderheit zu leben. Das ju-. dische \'olk wird durch seine eigene Kraft die Yoraussetzungen fur die Rechtsgleichheit schaffen, in dem es scine. Y/urde 'behauptet und den Tatcnwillen zur Verteidigung . seiner Werte betont. Der judischer Statistiker Jakol? Letschinski erklårte, dass nahezu 70.000 Juden tor den Persekutionen seitens der Nationalsoziaiisten aus Deutschland gefluchtet seien. Letschinski erklårte, die co'itische Stellung der Juden sei in Østeuropa gunstiger als in Deutschland, aber ihre wirtschaftliche Stellung -sei ungunstiger und lasse keine Hoffnung fur junge Juden zu, da die Verarmung in den breiten SchicJiten dieser Lander katastrophal sei. Strenge Massnahmen der Regierung Die Palastina-Regierung hat, am 17. August einen Erlass herausgigeben, wodurch privaten Personen untjPrsagt wird, als freiwillige Patrbuillen zum Zwecke der Verhutung illegaler Einwanderung an den Kustenljoder an der Grenze tatig zu sein. DDiese Verordnung richtet sich offenkundig gégen die freiwilligen arabikchen Grenzschutzformationen, die von den arabischcn Jugendverbanden orlganisiert worden waren, und gegetT die sich in der hcbriiischen Presscj ein Sturm erhoben hat. Zugleich hat die Regierung angekQndigt, dass drastische Massnahmen zur Verhinderuné 'der unerlaubten Immigration ergriffen werden. 1 Aus Jerusalem meldet die JTA. folgende Einzclheiten uber die Vorfalle bei Nathania: Am 14. August, abends, versuchten in der Nåhe von Nathania freiwillige arabische Grenzwachen judische Einwandcrer, die angcblich ohne gesetzliche Erlaubnis in das Land kommen ttollten, am Betreten palåstinensischen Bodens zu verhindem. Dabei entwickelte sich eiri emster Kampf zwischen arabischen und judischen Jugendlichen. Noch ernster scheinen die Zusamrr.enstosse zwischen Arabem und Juden bei der judischen Kolonie Chedera gewesen zu sein. Wie es heisst, wurden dort zwei junge Araber, die zu dem angreifenden Trupp gehorten, erheblich verletzt; einer soli am 17. August seinen Verletzungen erlegen sein. Von Jerusalem sind Polizeiverstarkungen nach Chedera abgegangen, um weitere arabisch-judische Zusam.menstSsse zu verhindem. Das Mitglied der Paliistina-Gxekutive der Jewish Agency, David Ben Gur'on, hatte bereits am 14. August, abends, eine Unterredung mit dem High Commipsioner Sir Arthur Wauchope uber die Angelegenheit der illegalen arabischen Grenzwachen, in deren Verlauf er auf die Moglichkeit _ von Zusammenstossen aulmerks,3m' machte. In seiner Unterredung mit dem High CommissionCr beriihrte Bert Gurion auch andere politische Fragen des Jischuw und 'des Zionismus. Als Gegenniassnahme gegen die Aufstellung von arabischen Freiwilligen-Åbteilungen zur Festnahme illegaler jiidischer Einwanderer ist eine Werbung fur ein j ii d i s c h e s Wa chkorps eingeleitet worden, das seinerseits der illegale arabische Einwanderurig aus dem Hauran verhindern will. In die Werbelisten haben sich bisher 600 Personen eintragen lassen. Das amtliche Communiqué Die Antwort der[ Manatarmacht In dem amtlichen Communiqué uber die Zusammenstdsse wird mitgetcJt, dass eine arabische Åbteilunj in Pfadfinder-Unifonn unter Voran-r tragung einer Fahne die jfldische Kolonie Nathania in der Richtung zum Meeresufer passierte, um dort eineni Patronillendienst gegen die Landungj illegaler Einwanderer einzurichten. Hierbei wurden die 1 Einwohner der judischen Kolonie durch Absingen von Kampfliedem uhd das im allgemeinen aufreizende Verhalten der Teilnehmer an dieser Kundgebung provoziert. Am Donnerstag morgen kam es zu vereinzelten Zusammenstossen, die sich spater zu einem offenen Kampf am Meeresufer ausserhalb der Ko’.onie steigerten. Einige Kilometer nordlich vom Kampfplatz wurde ein Araber verletzt aurgefunden: seine Verletzungen sind nicht schwer; ferner wurden mehrere Personen bei einem Zusammenstoss mit einer Gruppe von 30 40" Unbekannten leicht verwundet. Polizeiabteilungen wurden auf den Schauplatz der Vorfalle entstand. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Jetzt herrscht Ruhe. In dem von der Regierung herausgegebenen Communiqué heisst es ferner, dass der High Commissioner mit dem Minister fur die Kolonien schriftlich Beratungen pflege beztiglich der zur Sicherung der Grenzen gegen jegliche illegale Einwanderung auf dem Landwege notwendigen Vor-.- kehrungel.i, und dasss demnachst Massnahmen getroffen werden wOrden, von denen man annehmen k8nne, dass durch sie die illegale Einwanderung auf dem Land- und Seewege wirksam verhindert werden wqrde. Nach den Gesetzen Palastinas haben Personen, die keine amt licHe Stellung einnehmen, nicht das Recht, illegal Einreisende zu verhaften. Die Tatigkeit einer solehen Organisation bedeutet fur die Polizei ein tatsachliches Hindernis und eine Verlegenheit und tragt in sich die standige Gefahr, dass es zu Friedensstorungen kommen kbnnte; die von Einzelpersonen und1 KOrperschaften untemommenen Versuche, die Handhabung der Gesetze selbst zu iibernehmen, mussen aufhdren. Personen, die diese Verordnung ausser acht lassen, machen sich auf Grund des Gesefzes zur Verhutung von Verbrechen strafbar, Gleichzeitig wamt der High Commissioner gewisse Presseorgane vor der Veroffentlichung von mutwilligen und irrefuhrenden Mitteilungen Aber die Tatigkeit dieser inoffizieflen K5rgerschaften, und droht ihnen mit Einstellung, sobald sich dies als notwendig herausstellen soilte. Pressespiegel Die judische Gouvernante Arabische Arbeitslose Das „Pariser Tageblatt” beschafti^t sich in einem Berichte seines palåstinensischen Korrespondenten ausfuhrKcn mit der EinwandeningspoIHik der britischcn Re^ierung lm Zusammenhang mit dem Hinweise auf die Starke aratische Einwanderung schrelbt das „Pariser Tageblatt": Da man diese Einwanderung - im Gegensatz zu der judischen hier nicht zahlt war es schwer, bisher sich .eine Vorateliung von ihrer Grosse zu machen.- Jetzt aber hat derfranzosisch-syrische Bezirksgøuvetneur vom Hauran auf Grund sciier Beobachtungea fest' gestellt. dass rund 354)00 Menschen aus dem Hauran nach Palastina ausgewandert sind. dass sie dort ørbeiten und in oen letzten •. naten’ 50-000 bis 40.000 Pfurad nach dem Hauran zu Unterstutzung ihrer Angehorigen geschickt haben. Die Zahl der aus dem auch zu Syrien gehdrigen Drusenland nach Palastina Ausgewancterten wira auf etwa 10-000 geschatzt. Das sind die Tatsachen. Xlmd gleichzeitig lehnt man die angeiorderten judischen / rbeiterzertif ikate mit der Begrundung 8b, dass lose unter den Arabem in Bewilligung der es noch Arbeits- Palastina gebe 1 „Die franzosische Republik hat als Protektor in des Sultanats von Marokko die J u d i n Meyer zur Gouvernante des ffinf* jahrigen Thronerben von Marolc ko gewahlt." An diese Meldung knupft die in Neustadt a. d. Hårdt erschelnende „Rhein NSZ. Front" dustere Pcophezeiungen uber die Zukunft Marokkos. Nur fur seine Juden erobere Frankreich dieses Und „Die einst im Scherifenreiche von den stolzen Arabem niedergehaltenen Juden nehmen jetzt an diesen ihre erbarmungslose Revanche, wobei sie sich auf das franzosische Beamtentum und aut cl* franzosischen Kanonen stutzen... Der zukunftige Sultan wird von einer Judin ta, kteru pro sebe ulolila cirkevnl statky, erzogen, gemass den Weisungen des K ah a 1 s. Dass aber der junge Prinz ausgerechnet von einer Fremdglaubigen und Fremdrassigen seine Bildung erhalten soli, muss - seine besondere Bewandtnis haben. Franécreich geht bei der Auswahi seiner Methoden, sich die Kolonialvoiker bel der Stange zu halten, ziemlich skrupellos vor. Dass ihm dabei der Jude als Zersetzer. allen Volkstumi gute Hilfe leistet, kann man aus diesem Falle wieder klar erse hen." i Schius auf S. 4

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