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Jüdische Volksstimme · 1934-07-19 · 20 (19.7.1934) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXXIV (1934)
Issue
20 (19.7.1934)
Date
1934-07-19
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Nummer 20. 19. Juli 1934 . 2 In KQrz< I aét \iifsr«,*|iun\» ilt*'* .titu ■» d‘f |«-***■ l» uaanav k.inrn im orster« D.dhjd-.r uiimasTaits ludan al? ■■'r- ‘ ’ * lu JM":* «; N{ d.,s;.i .mN::i. k ni1 p.'ii <*.V, J.p,;ist,i!; hud 'An" ji<H 1 .! - -t >nu! ur? ilt: . \ li i rnfk.itn I c r;; " .i i i* "i I ti .M.f iT tn Pal-ssrm.i Jlnu Dfrxanm it ludni. 7tt Vutantl drn éini;* > inilri fan ludt-n w.. Usttf.1l m-r -/ ( . >!S l'HM. .1 .; M a .uidarta 1 Ser ilmt*n An Jr rin. Urin* at. nS Kupit.n \2 * H M« i.. ..U * - ‘ Nr., >arkr it.D.-V ai1 t-H «k" i -*arl*t m\ Man«!-: tilliv vi« n :1 ".Ii. ic \u •vkl..*4t «-»t .t: Kirw ar iCi tu l! t \ «*i . 1913 d , iat/ta (.‘.flair fHf- i .«• i s»*! r .lue XvTtfm.w a lind m dr t .V-’«! icf- * 9utr Rvtbl 1 dalsan bit*l: Hci.ih » \.u hru;.iat tf '•.•»nr t-4.il ■.afis, >:• f i.ilttill- Jirfiuf tltf? 1‘i .i/isys ani 1 - s V Ifl vttfl H‘ i \.i!IC iird dv^i ludv i i; ’ ' ■ l»* TI w. 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( a-n, : Dia Til ru -.. t ■ 1 s t (’: ru c i: ) .:,. ■ rr|< lf.ruis. <f«-r ha r:a^a w i . i. ... .!ci it. \rnu-f Hf; * . ^' .-.?•* 1 i r i --,» vier nauq .MM' ■ if* ■ i r : umv; <• ■!’ - ..>.-iml| Brilien 1 Vasicek Brunn flavaryk.! 10 l’ERIVIST Chalm Nachman Bialik Am Abend des 4. Juli. gegen 9 llnr, starb in Wien, 14 Tage nach eine.- Niprcnoperation, Chaim Nachman R i u 1 i k. Fr war 62 Jahre alt. fm Sterheziir.mer versammelte sich das Pr.’isidium der Wiener Kultusgemeinde, das bei Frhalt der Nachricht seine Sitzung unterbrochcn hatte. u. alle Rabbiner der Stadt Wfien. F.s wurde heschlossen, die Leichc mit dem ersten von Triest abgehetrden Sehifl nach Pa lastina zu uberfuhren. Chaim Nachman Bialilk wurde am 9. lanuar 1873 in dem wolhynischen Dorfe Rady geboren. Da er mit siehen Fahren seinen Vater verlor, wurde er von seinem Grossvater zuerst in die hebraische Literatur cingefuhrt, seine Fortbildung erfuhr cr im Beth MidrascJi der litauischcn luden im Schitomir u. in der W o 1 o s c ii i n e r lyschiba. wo er mit der modernen hebraischen I.iteratur u. den Ideen Achad Haams bek3iint wurde. Sein erstes Gedicht „Kl ha-Zippor" (An den Vogel) ersehien 1891 in Odessa in Rawnitzkis „Pardes". Seine erste griissere Dichtung;,ha-Mafniid“ (der- Bfiffler) entstand wahrend seiner Tatigkeit als I.ehrer in So s n o w i c e. Die Tragddie des Galuth findet ihren Ausdrtick in der epischen Dichtung „Mete Midbar" (Die Toten der Wfiste), die er 1902 in Odjessa schrieb. llnter dem Findruck des Pogroms in Kischinew entstand das Gedieht „Al ha Schechita" (Nach dém Mordent. 1921 verliess Bia 1 ik endgultig Russiand und iibersiedeltd, nach zu eijahrigem Aufenthalt in H a m<h u r g und Berlin, nach Palastina. Von besondercr Bedeutung sind neben den in mehreren Samm-, lungen erschienerten hebraischen Gedichten Bialiks se’ne Diehtungen in iiddiseher Spraehe, die 1906 in der Surtur,tung „Von Zaar un Zorn“ zusamn.vngefasst wurden,-seine Erzah-- lungeii, Fs-jV' und Uébersetzungen. li :i. stamn.t von Bialik eine hebraiselie Hejrbeitung des „Don Quichote" und eine llebertragung von Schillers „Telt-. Als Verlager hat er eine umfangreiehe schopferische Tatigkeit entfaltct.. Im jfidischen offentiichen l.eben spielte er, ohne jemals eine amtlichc Stellung bekleidet zu haben. eine iiberragende Rolle. Zu seinem 50. Geburt$tag ers ehien eine. Jubilåums-Ausgabe seiner Werke in 4 Banden. Seine Gedichte und Schriften? wurden in-fast alle europaischen Sprachen, auch ins Esperanto, ubersetzt. BfALfKS SARG IN TRIEST Triest. 12. Juli (2. T. A.). Aus Anlass des Eintreffens des Sarges mit den sterblichen Resten Bialiks in Triest fanden sich die Mitglieder des Prasidiums der Triester Judischen Gemeinde und Vetreterschaften der Triester judischen Vereine, souie M. M. Ussischkin und mehrere andere aus Palastina eingetroffene Herren auf dem Bahnhof ein, lim dem toten Dichter die Ehrbezeugung zu teisten. Am Mittwoch, den 11. Juli, wurde der Sarg auf den Dampfer „Italia" gebracht, der am glei elten Tage nach Palastina in See stach. TRAUFR IN WIEN Der I.eichnam Bia liks wurde in der Zeremonienhalle der judischen Abteiluiig des W iener Zentralfriedhofes aufgebahrt. Der Katafalk wird von einer aus Mitgliedern der Wiener jiidisch - akademischen Verbindungen u. Vereine gebildeten Ehrenwache flankiert. Schon in den ersten Stunden der Aufbahrung zogen Hunderte an dem Sarg vorbei, um von dem grossen Toten ehrfiirchtig A bschied zu nehmen. . Eine grosse Trauerfeier auf dem W'iener Zentral-Friedhof fand „ am Montag nachmittag st3tt. Im Sinne de> Dahingeschiedenen wurde nur eine stille Feier abgehalten. Abgesehen von einigen Abschiedsworten eines X'ertretes der Zionistischen Evekutive im Namen der Organisation wurde auch von Trauerreden Anstand genommen. In die Halle wurden nur Organisationen allcr zionistischen Richtungen cingelassen. Das iibrige vieltausendkiipfige Publikum versammelte sich auf dem grossen Platz vor dem TV. Tor des Friedhofes. Nach Schluss der Ftier wurde der Sarg zum Sudbahnhof gebracht. . . . UND IN AI.LER WKLT Die Nachricht vom Ablebcn Bia- Jiks hat in'ganz Palastina einen erschiitternden Findruck gemacht. Besonders Tel-Awiw. das in Bialik seir.en hervorrag.'ndsien Burger sah. I Edelfuchse! PAVLOU^EK, Passage | B R U N N. Johanfirsgasse 7 tønsba ANOLO-éKCHOfLOVAKIftCHE UND PRAQER CREDITBANK Ak<icnkapi(al Kl 239,000.000. ' Reserven Kl 143,000 000. fcxpositjr Franzensbad, Go<t lestrui'1 ,.Haus Or:ni*V\ Telcjir- AnjJlobank. Ffrnsprechcr Nr. 31. Centrale in Pra^. I'ilialtr in London. Kauf u. Vcrkauf. von Devisen u. Valuten. Zahlungen auf Kreditbriefe und Si'b^cks. Kulanteste Durchfubrun^ alter sonstijfcen bankjjescliaftl. Tran* iklion..*n. ist in tiefste Traucr versetzt. Alle jud. Institutionen Palastinas, alle ifidischen Schulen blieben am Tage nach Bialiks Tod geschlossen. Ueberall wehen Trauerfahnen. Aus allen Liindern treffen telegraphisch Trauerkundgebungen ein. In W'arschau wurden, als die Trauernachricht eintraf, alle jOdischen Veranstaltungen in Gaststatten und Versammlungssalen sofort abgebrochen. Samtliche judischen Zeitungen erschienen am folgenden Tage mit Trauerrand. Die Bedeutung Bialiks wurde in zahlreichen Artikeln und Nachrufen gewurdigt. Eine dreissigtagige Traue r um Bialik wurde proklamiert. Die Hauser samtlicher jlidischen Institutionen und zahlreiche Privathauser haben Trauerfahnen ausgehongt. Auch im ganzen iibrigen Polen, ebenso wie in allen anderen Landern und Stadten jiidischer Massensiedlungen im europaischen Osten wie in. Nordamerika fanden Trauerkundgebungen ■ statt. * llnter den zahllosen Beileidstelegrammen. die der Witwe Bialiks zugingen, findet sich folgende Dcpescbe des High Commissioners von Palastina, Sir Arthur WauchfOp e: Nehmen Sie, bitte, den Ausdruck meines tiefgefuhlten Beileids an ihrem Schmerz entgegen. Der frijhe Tod Ihres Gatten hat dem jiidischen Volk einen schmerzljchen Verlust zugefiigt und die judische Literatur eines Mannes der Feder beraubt, dessen Genie in hohem Ausmass zur Wiedergeburt des Hebraischen in modemer Zeit beigetragen hat." n«. ^karnlpk ver^,L■h, stin Fa<:h- Setes uer OHaiUieilwas »illgcpu( f ^efiirbl od.r ^ewaschen Alles Ut wieder wie neu- Chem Peiui^unjJ Kunsffiirberei LEOPOLD SKAROLEK, Brii^n. Fabrik: Gril|owitzjjasw: 28. Telephon: .18.141 16.329. , j Fe|iilleto Auf dem Weg nach S^hemenez! .-ii iiungcn v h :i Aid. ind d.i'Wcv zieb: ■ ind -.erlicrl tieb in „eml'io, zv.'iskhen den ter eiiiem B-.-rp. Und vi cbelt nul ti i c hier -»c ■ i.cli da hip iUf bvinc. •cldcm. ui - Himmel li - ielder iic niedcr. UnJ di. 1 alles jst, si -j!:-p sielutf . 11 f 111 v. is'T uncichcln empor; unU ruhig. so soli stsieher und Und die ganz.- W'clt klar line . stchl feS'- . 1'. e'i im J.bolligen .'■runde. Nur' il.ein irrej umher zv isch.n FTin»- Und zv ischen Hinti, e ml b.rde n .: i,ud lirdel herumirr. n zu miiss.« i!bte -iefi ist nliir bestimnft iijii f. i tir | utn , fahr ... 'j>i- Mg:len>(teine zUr Rechten u ■Link di i -åg,-ii |niir: Sich Ipsrcissen vc allcmi -1 .is mis lieb ist, aus dei Fri iiTjdcskrei: e entlaufen ist garnicht "^herall sinp Menscheji, lllll d leiebt. (M I i ii L c ru Werkje ihrer HaOkujgul. d.-nk' ichi dass djé Mifiisshenhiinile nicht hts zum Hirili'- binaufr-eichen, sonsi wurden sit audh ihn au: messen, nueh W'erstun und Meilen... Und dinn' machten sit eine groske Aktiengesellschaft u. trhielten tfiti Monopol die Sonne ai^szubeutent den Mond und d|e Sterne. Und Millionen yk'acbter »uj-j ’de cs geben und Millionen Aufseher. ...Dammer sinken. W'eithin zieht. sich der Weg. Und weit zwischen Himmel und Erde wird es dunkler und diinkler. Ganze' Herden losgetrenn'er W'olken wallen und fli essen ' und ducken sich und ballen sich wieder zusammen und reissen sich wieder los. Und ein anderes Stuck Himmel un.hiilll sich mit lei-hten und zarfen: Silbersehleiern. Und die Schleier zittern empor, heften sich aneinander. Und es wird so heimlich, so freundlich umher, wie einst, als wir Kinder Versteckens spielten... Kein Ifaus im weiten Umkreis. Nur Gottes Welt. Und die taubedeckten Feldeii schmiegen sich emnor an den tauhejeckten Himmel. Und die feuchten I limmel senken sich niedcr - /ur E|-de, und sie fliessen einander und Verden zu einer W'elt, zu c i n e f Gotteswelt. Und leis bewegen sich die Graser im WTnde pnd sich-er. Svi wie ein Kind, das auf dem Schosse der Mutter sich wiegt, stillvergniigl ’ spielend. Und wie ich das alles sehe, da mdcht ich mich schier vor mir selbst schamen, dass ich ailein hdher bin als all die Graser, die rings umher so fest wurzelit Nur ich ailein lauf umher, als war ich abgerissen ton der Erde und in die Welt gestossen. Meine Mutter håbe ich verlassen. Von meinem Vater bin ich weggelaufen; und wie ein Waisenkind streifc ich heriun, ailein, und suche ir-B gendwo eine Statte des Friedens.. tind dorten, inmitten des Feides, unten im Tal, hebt sich ein Biiumchen in die Hiihe und guekt auch in die Welt hir.ein und schamt sich wohl wie ich... Was soli es mir, dass ich hdher gew uchsen bin, denn alle Graser und grdsser bin, als alles umher? Nun schieben sich die abgerissenen Wolkenfetzen zusammen, einer an den anderen, und schweben wie ein leichter Panzer uber dem Himmel. Und wo er durchgerissen ist, gliinzt verschwommenes Licht hinilurch und saumt wie kosend die leichten, fluchtigen Wolkvn:. Bald wird ein Regen fallen... Ich freue mich dessen! Ich bin ailein auf dem Wege, wie ein Gråschen will ich sein, ganz ohne Scbutz vor dem Regen. Ein stilles, heimliches Grauen liegt fiber allem. Die Graschen beugen die Kopfchen und raunen in der Stille eines zum andern: Ein Regen wird sein... Weithin dehnt sich der Weg, er rfistet sich auch wohl ffir den Regen, als wollte er sagen: was kann ich tun? Von irgendwoher aus der Weite fliegt ein Vogel heran und schiesst wild feldein, all den Grasern meldend: ein Regen wird sein. Und dort "im Fdd. wiegt sich der Baym; und die Zweige rauschen in Aengsten ... Und die Felder dehnen sich und hlicken zum Himmel und rufen: Geheiligt seist Du Ewiger, wir sind bereit. die Gaben zu empfangen, die Du uns sendest. Ich aber ziehe weiter meinen Weg.‘ Dort, fem wirbelt der Wind den Staub empor und rollt ihn vor sich her. Von unten her aus dem Tale mfihen sich zwei Pferde den Berg herauf. Man sieht, wie sie ihre Halse vorstrecken. Und dann ein Bauer, die Peitsche in der Hånd. Und dann ein Dach. Im Tal steht ein Hauschen, versteckt in dichtem Gezweig und dunklem Laub, als schamte es sich, und von weitem scheint es so, als ware es so gleich den Baumen, die es umrahmen, aus der Erde emporgewachsen. Ein kleiner schmaler Fussteig zweigt sich vom Wege ab, schlångelt sich durch die Felder und fuhrf auf das Hauschen zu. Die ersten Tropferi fallen, und gierig saugt sie die Erde ein. Aber viele Tropfen bleiben auf den Grfisem hangen, wie gute Tranen. Nur auf der einen Seite ist der Himmel bewfilkt, von der andem aber lachelt die Sonne schmeichelnd hernieder. als wollte sie sagen: Seht, was Gottes heilige Allmacht kann!

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