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Jüdische Volksstimme · 1934-05-22 · 17 (22.5.1934) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXXIV (1934)
Issue
17 (22.5.1934)
Date
1934-05-22
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Nummer | (17). f 22. Mai 1934. Ritualmord-Beschuldigung ohne zu beten, deren Tod wird sein wie der des Feldviehes.. Die Ri ualmord - Niimmer des Nurnberger „S t u r m e r“ bringt untfcr der Ueberschrift „D a s Mcnsch :nschachtCescz'' ein scheinbar als Bcweifc fur die Blutbesfhuldigung dienendes Zitat, das c.er grosscrenl Ueberzeugungskraft willen in hebraischer S.chrift abgedruckt wird. Das Zitat geht zuriick auf Dr. Erich Bischoff. und es wird berichtet, dass in einem PtUzess w :gen Ritualmord-Beschuldigung Dr. Bischoff als Zeuge vom. Gericht ziiriickgewiesen wurde. Dass dies mit Recht geschah, erhellt aus dem nachstehendejn Sachv.erhslt, den wir wiledergebtn, Veil wir \(on einer grbssen Anzahl von des ifiebraischen nicht kundigen Personen nalch deri Bedeutung des vom „Sturmer" abgedrucktert hebraischer« Testes ge fragt worden sirid. : ' ■ i Der Sonar ist, wie vorausgeschickt werden imjss, ein 'iiberaus scbviieriges mystisches Buch dek Mittel alters, das stinen eigenffimlichen Stil hat. Es gilit seine Gcdtjnkcn in der Form éincs Ri - he dals Wort wit-d han wi^: fur „I lun g mit sehof* bel i i iclkomn entars, wobe dann auch die Einzel-;iten det Durchfiihrut g von Gcboten crortert werden, ii imer mit de' einheitjichen Tendenz, dir Mense hen zu einer innerlicHert Frommigkeit zu erziehei. Das vorliej ende Zitat. schliesst sich a« an die Bespfuchdng iles Gesetzes uber das Schlachten der Opfertie 'e. , ■ Ji ir slellen nebeneinajuler die vdm ..Sturmer" abbedruck;c offeubaz von Dr. Erich Bischoff stammende lleberset rung und die richtige Utjbersetzi ng. Vi'ie'ersichtlieh, wird: in dem Texf dif Frage vrd-tt rt, oh die Sehlachtdng i von Tierehi (iur von P r i e s t c r n, oder auel i von L a i e n -hz]*-, von frauen ausgeluhrt werde i durfe. Fur „Laien" *da.‘ heisst Slandesfremde) ié dnsselhe heliriiisehe Wort verwendet remde".'Sehoti die Neheneinanderstel- ’ ranen zeigi. dass def non Dr. Bilauptete Sinn: vier Stelle vdllig unm b g 1 i e h ist.' Das Zitat aus dem „Sturmer" ist viVllig unveraruiert abge iruckt: in der Quellenankjahe s,11! es offensiehtlich heissen „Bcrdi- , isjliew" stptt „Berdiwetiteh". Uebersetzuné aijis dem ,Sturmer* (Ritualmord)Nujnmei Mai 1934) „Ferner gibt es ein Gebot (H-D. Sch.) des Schachtens an Fremden, die dem Vieh gleichen. Dieses Schachten geschifht in gesetzlich gultiger ’ Weise. Demn diejenigen, die sich nicht mif dem Jjudischeti (Rcligionsgeset;: beschåttfgen, muss man dem gebehedcifen Gotf als Opfer darbringen. 1 Es gilt vop ihnen der Psalm 44, 23: „Deinefwegen sind wir g e m o r d e t. \Vir sind geschlachtef wie. Schiafe auf deri S c h 1 a c h f b a n k.“!(Thikunhé Sohar, Ausfcabe Berdiwetsch 88b)“ PE RIVIST Mein Name Stan. M. Vaslcek gtaatlich geprufter Optiker DRtNN, >1asaryKstr, 10*12 f Telefon IH 457. .verhiirgt Innen das'individuel! genaue fachmannische Anpassen der neuen, | ideal ^ebauten Vollsichttirillen Die ricliiige Ueberselziing laulel: „...ferner is't das Gepot des Sfhachtens zu- Uissig durch Fremde (indere Variante: durch Frauen), das sind Mensohenkinder, die den Tieren gleichen. Denn diejefiigen, die' sich nicht mit der Thora abmuhen (befassen), haben es notig, dass durch sie Gebet-Opfer gefibt werden, damif sie sich dem Heiligen, gelobf sei ER, nahern. Und wenn sie sich durch Gebete dem Heiligen, gelobt sei ER, nahern und manche Leiden erdulden wie es heisst (Psalm 44): „Denn wir werdeh ja ura Deinetwjllen taglich erwiirget, und sind geachtet wie Schlachtschafe" (Hier endet die Uebersetzung im „Stormer". Im Originaltext jedoch, der auch im „Sturmer" noch hebraisch abgedruckt ist, geht es weiter wie folgt:) „dann wird es angesehen, wie es heisst (Exodus 20): „Und du solist darauf (auf dem Altar) deine Ganzopfer und deine Dankopfer opfern usw.“. Denn das wird sie vom Tode des Todesengels erretten, wie es heisst (Psalm 36): „Menschen und Vieh hilfst du, Gott!" Die aber, deren Tun dem des Viehes auf dem Feide gleicht, die essen Die Zeitschrift „Die Hausfrau von Ber- 1 i n“, Edeka-Verlag, bringt in ihrer Nummer vom 28. April einen Aufsatz Ober Berliner Geschichte, worin, die Stellung der Juden in der Mark im Mittelalter behandelt wird. In diesem Zusammenhang wird auch die RitU'almord-Beschuld i g u n g besprochen, die niemals Beweise fOr sich erbringen konnte und als „eine Ausgeburt erhitzter Phantasie" bezeichnet wird. Der Aufsatz erwåhnt dann die Folterung von Juden, die man durch furchtbare Qualen zu allerlei Gesfåndnissen zwang, und schliesst mit den Worten: „Wenn wir auch zugeben, dass das Volk zum Teil Grund fur seinen Hass hatte, da manch einer durch die Wucherzinsen Haus und Hof verloren hatte, und wenn es erwiesen ist, dass Hostiehschåndigungen vorgekommen waren, so konnen wir nicht anders, als dicses Geschehnis als das traurigste und dunkelste Kapitel unserer Geschichte aufrichtig zu beklagen.” Keln „Blau-Weiss-Buch“ der Exekutive Eine Erklarung Sokolows. Jerusalem. Uf|mittelbar vor seiner Abreise nach-S u d a f r i k a, wo er die Leitung der diesiahrigen Kcren Hajessod-Kampagne ubemimmt, ausserte sich der Prasident der Zionistischen Organisation und der Je.wish Agency, Nahum S o k o 1 o w, uber einige aktuelle Fragen der zionistischen und Palåstina-Politik, wobei er feststellte: 1. dass die Geriichte, die Zionistische Exekutive bereite die Herausgabe eines gegen dieenglische Palastina-Politik gerichteten „B1 a u - W e i s s-B u c h s“ vor, grundlos sind; 2. dass die Meldungen uber die MSglichkeit einer Vereinigung Palastinas mit Transjordanien jeder Grundlage entbehren; 3. dass die Moglichkeif besteht, eine grossc re Zahl von Zerfifikafen zu erlangen, fails die Exekutive an hohere Instanzen appeflieren werde und 4. dass die Reisc Emir Abdullahs nach London mit jiidischcn Interessen nichts zu tun hat. „Die Nachrichten uber cin geplantes Blau-Weiss-Buch“, crklartc Sokolow, „schiessen recht wcit ubers Ziel hinaus. Die Exekutive ist nicht gesonnen, unter irgendwelchen Umstanden'irgendwelchc gegen die englische Regierung gerichteten „Biicher" hcrauszugeben. Was wir wahrscheinlich tun werden, wird sich'darauf beschranken, eine Broschure zu heroffentlichen, in der das gesamte uns vorliegende sfatistische Material uber judische Einwanderung nach Palastina zusammengestellt w'erden soli; damit soli'jedermann Gelegenhcit gcboten sein, das Problem der jiidischcn Emigration nach Palastina zu studieren." „Uebertrieben”, fuhr Sokolow forf, „sind auch die Meldungen, dass irgendwelche Vcrhandlungen mit dem Ziele, PalSstina mit Transjordanien zu vereinigen, derzeit im Gange sind. Alle diese Massnahmen stammen aus der arabischen Presse und sind nicht emst zu nehmen." Die Reisé des Emirs Abdiullah nach Londen stehf vermutlich mit rejn internen trpnsjordanischcn, nicht aber mit palåstirtcnsischen Problemen in Zusammenhang. Wahrscheinlich wird sich der Emir bemuhen, in London; eine Anlcihe fur Transjordanien zu erwirken. Seine Besprechungen in London durften sich wohl auf die angesichfs der wirtschaftlichen Notlage in Transjordanien zu ergreifend.cn Massnahmen beziehen, moglicherweise werden sie auch einen politischen Charakter insofern tragen, als bei ihnen die verscharfte Lage auf der arabischen Halbinsel und ihre Ruckwirkungen auf das an das Wahabitenreich grenzende Transjordanien zur Sprache kommen konnten. Keinesfalls handelt cs sich um Erbrterung eines Planes zur Vereinigung Palastinas mit Transjordanien." Schliesslich ausserte sich Sokolow uber die ungenugende Berucksichfigung der judischen Forderungen anlasslich der Festsetzung der letzten A r b e it e r - E i n w a n d e r u n g s - S ch e d u 1 e. „Ich bin der Meinung", sagte Sokolow, „dass fur uns noch nicht alles verloren ist. Wir kbnnen an hohere Instanzen appellieren, um mehr Zertifikate zum Ausgleich zwischen der Zahl der angeforderten und der der bewilligten zu erlangen." Im Anschluss hieran stellte Sokolow fest, er håbe wåhrend seines Aufenthaltes in Palastina beobachtet, dass in letzter Zeit die stadtische Kolonisation auf Kosten der Ansiedlung auf dem flachen Lande zu sehr in den Vordergrund geruckt worden sei. Anlasslich der bevorstehenden Kampagne in Sudafrika werde er mit besonderem Nachdruck auf die Notwendigkeit hinweisen, den judischen Besitzstand in iandlichen Gebieten. zu vergrossem. Die Stadt Mu h 1 h eim veransfaltef eine Werbe-Heimats-Woche, bei der auch ein Wettbewerb der Dekoration von Schaufenitern stattfindet. Judische Firmen wurden ibei dieser Werbewoche ausgeschlossen. _ „ - * In dem von Bukarest nach Czemowåti^ verkehrenden Schnellzug kam es zu schwelren antisemitischen Exzessen. Die judischen Reisenden wurden verhohnt und tatlich misshandelt. MusihinstrumentB, Klaviere, Pianos SHromådfta Q^rumt - JtftBrunnepgasse 19-21 Gemral-iirtritiii dir h. Bruder Housmann, Mflr. TrDban 6i|r. ii ]ikn 1177 Der preussische Jusfizminisfer haf die Verpflegungsordnung fur die Gefangenenanstalten dahin abgeandert, dass die Gefangenen judischen Glaubens in derselben Weise zu bekostigen seien wie die ubrigen. Sei einem judischen Gefangenen Selbstbekdstigung gestattef, dann kdnnten die Speisen unter Beachtung der judischen Speisegebote beschofft werden. Masaryk neuerlich Prasident der CSR. Wåhrend diese Zeilen i'n Druck gehjen, wird unser verehrungswtirdiges Staatsoberhaupt, Prof. Dr. Thomas G. Masaryk, neuerlich zum Pr5siL denten unserer Republik gewahlt worden seih. Wir Juden in diesem Staate, durch die Verfassung in unseren Rechten geschutzt, werden ausnahmslos diese Wiederwahl mit der allergrossten Begeisierung aufnehmen. Was uns die geheiligte Person Masaryks so wertvoll erscheinen låsst, ist in der judischen Presse wiederholt auseinandergesetzt worden: Der Prasident Masaryk ist als Staatsoberhaupt dasselbe geblieben, was er als M e n s c h durch fast drei Menschenalter gewesen ist. Humanitåt, wahre Demokratie, ein stupendes Wissen und vor allam ein unbestechliches GerechtigkeitsgefOhl, kennzeichnen Masaryk als einen der bedeutendsten Manner der Jetztzeit. M6ge es ein gQtiges Schicksal fugen, dass es uns vergdnnt sei, die Leitung unseres Staates noch lange Jahre in seinen Hånden zu wissen. Das ist sicherlich der einstimmige Wunsch aller AngehSrigen unseres Staates an diesem Ehrentage seines Pråsidenten. Die Judenschaft der CSR. schliesst sich diesem Wunsche aus vollem Herzen an.

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