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Jüdische Volksstimme · 1934-02-14 · 7 (14.2.1934) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXXIV (1934)
Issue
7 (14.2.1934)
Date
1934-02-14
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nummer 7. I FRAUENBEILAGE 14. F ibruar 1034. .1 Der FrQhllns naht. au(h fur den Herm! Ein Modebrief fur die Herren der gclidpficig von Irene Kurcz (FleUrelle). Einc neue Jahreszeit kiindigt s(ch an, mcinc Verehrteste, beraten Sie liireir Herm Gemahl...: Wenn Sie sich in Ihr entziickcndes Abendkleid hullen und den Abend in glånzendcr Gcsellschaft verbringen, legeti Sie nicht Werl darauf, daB Ihr Mann/einen tadellos geschnittencn Smoking oder Frack anlegt? Der Smoking dieser Saison ist knapp geschnitten, leicht tailiert und mit zjemlich breiten Reversen versehen, da \vieder hauptsåchlich zwei Formen, mehr oder weniger gerundet! Die stets weiBc Weste ist auffallend kurz und weist besjonders auseinander strebenden Ecken auf. Der Hrusteinsatz zeigt Waffelpikee., Jedoch hat der Smoking eigentlich sein feierlich •Aussehen langst auch bei uns abgelegt — man tragt den Frack —i wenn die Dame das groBc Abendkleid |inlegt! Schdn ist ein Zylinderhut!. . . . aber es niitzt Ihnen nichts, gnådige Frau, Sie werden den Herm Gemahl bewegen miissen, sich einen neuen, modemen zu kaufen: Der neue Zylinderhut ist niedcr, mit geringer Schweifung ausgestattet! Bleiben wir beim Hut: Der'Zylinder wird zum wieder beliebten, mit Recltt forsierten Jakett getragen, zum Stadtpelz ist er sehr beliebt! Der steife Hut, die „Melone" verdrangt im Februar den weichen Hut zur Gånze. Die Farbe ist Grau, ifi drei Timen hellgrau, inittelgrau mit weifigriinlichem Stich und ein reines Dunkelgrau . .. Trotzdem Sie, gnådige Frau.j jetzt v*ohl genug eigene Sorgen haben, hestellen Sie Ihrem Herrn Gemahl schon jetzt den Friihjahrsanzug: die ijerrenschneidcr werden Ihren Wunschen gewiB heute weitest entgegenkommen kiinnen und der Ausfuhrung der Bestellung weit mehr Augenmerk widmen kdnnen, als im lenddn. Måri i. . dénn (Ilslem, das „liebliche” Fest ist d esinal am I. April! Zartgrauer, iu feinen Streifen dessjnierter Stoff, Kaimngam ein et<vas stårkerer Fresko (Sporist sicherlich das Richtige; auf drei [vstellte Facon, einreihig, mit falder Zeit éntsprcchcnd sachliclien sen. Die Hemden entnehmen Sie der chen oder rbtlichen Farbenkarte, die KrawLitte schwarz, wdtBgepunktet, harmonierend . . . das grime und moBgraue Sakkji zum Friilijahr aus Trikotstoff zur Flanellhose ist wieder „im Anzuge”! Stets achten Sie darauf, daB die Klappen des Sakkils långer sind und auch die allgemeinc' Form långer gehalten ist. Der feingestrejfte Kammgarnanzug — unsere einheimischen Tuchfabriken iiberbieten sich dieses! Jahr in schdnen Dessins und Qualitåtenlf — in etwas dunklerem Tone ist sehr rl-pråsehtativ, die Hose kann o h n e U m sje 11 I a g getragen werden. Damen kaufen langsamer.. . déswegen wåhlen Sie auch vorsichtigea ip den vorgelegten Farben . . . abeT beim „Morliingcoat” kann man seiner Phantasie freien Lauf lasseu, wie iiberhaupt die Hausbekleidung in den pråchtigslen Farben wiihlen|darf. . . Der Schuh gewinnt gerade bei Ihrem Herrn Gemahl eine1 besondere Bedeutung: er wirdlniemals abgespannt sein, wenn Sie, verehrtt gnådige Frau, seinem Schuhzeug besondere Aufmerksainkeit schenken. Hierbei lasjen Sie sich von einem erfahrenen Verkåufer beraten, dem auch Sie Ihr Vertrauen schenken . . . der Schuheinkauf ist eine Vertrauenssache . . . niemals erlauben Sie Ihrem Mann,. sich sclbst zu lx.schuhen, denn letzten tildes wissen Sie aus Erfahrung, wie schwer ein Mann bei guter Laune zu erhalten ist. wenn ihn der Schuh id r ti c k t .. Beperzigen Sie meinen Ratschlag, gnadigi Frau, das nåchste Mal erzåhle ich Ihnen die inodischcn Neu’gkeiten aus Paris -Rir Si e, , Ihre ergebeni r e n e Kur c z. Raananah, «in« Koloni« unter tausend (Juda Glucklich.) Endlich hat man unter den vielen Autobuslinien von Tel 'Aviv, die Sharon Colonies Service Company herausgefunden, die nach Raananah fåhrt. Jede halbe Stunde geht ein Wagen, Preis: 4 Plaster. —» Gleich nach Tel Aviv bildet man sich ein, man hat einen seiner Reisegenossen schon einmal in der Galuth irgendwo gesehen. richtig, das ist ja der und der, na griiB' Sie Gott, was gibt’s, w e geht’s, also auch schon hier? Das letzte Mal hat man sich zu Hause bei irge'nd eirer zion; Protestversammlung gesehen, npn fåhrt man gemeinsam durch jiidisches tand, dér Bus Jurchrast Pardessim, einen Hiigel hinauf, den anderen hinunter, auf glétt asphaltierter StraBe, daB es eine Freude ist! In Pelah Tikwah ist Fahrkartenkpntrolle, man 'halt einige Augenblicke und merkt, — Petah Tikwah ist eine ganze Stadt. — Ein Stadtpark wird eben gebaut, den Verkehr, Geschåftslåden Polizei regelt StraBenverkåufcr, Mistbauer, alles ist da. — Dann noch zu •Ragehfs weiter; — das gehdrt matajim, und die Håuser dort oben links, wir sind ca. 40 Minuten gefahren, sehen sie, das ist schon Raananaji! — Es ist fiinf Uhr nachmittags, eben kpmmen unsere Chaluzim mit Turier (schpufelfdrmiges Hackgeråt) und Esskorb '■ und einem groBen Sonnenhut aus Stroh aus der Arheit, umringen den Bus, um zu sehen, ob jemand^Neuer eingeruckt ist, imd um letzte Neuigkeiten aus Tel Aviv zu erfahren. ■— Man ist mitten d’rin im Landleben: Raananah ist eine amerikanische Grundung, und dementsprechend vorbildlich angelegt. Eine 4 km lange StraBe, die fur alle Eventualitåten etwa 20 m breit gelassen wurde, von der rechtwinkelig einige andere StraBen abzweigen, ist der GrundriB. Regierungsvorschrift ist es ubrigens noch, daB jedes aus mindestens 5 Meter vom StraBenrand entfernt sein Der Einflufi desWetters auf Ihre Gesutidheit ist grossj! Wenn die i Luft feiicht isl und kalte Wiéde weben. itrt IKi¥ Gesundhe^t durch Schnupfen, Katarrfet: und brippe im meinten bedroht. Sorxen Sie rechtzeitifc j fur Ihren OrxftniM>u<t i Schutzen $ie sich vor Krai ungunal bringt. Maaaagdi F r i n x I ikheiten. welche daa, ge Wetler mit aich Durch tegelmaBige mit dém Mentholbranntwein ALPA r harten und m »(hid gen dei widerati i gen Sie Sie lhretj Korper ab :hen ihn gegen die H c h e n Kinwtrkunrauhenl Jahreazeit ndafahtgtr. Befra* Ihren .\i*xt! torettet Letct und ve ■ die ((Jfld. Vallksstimme" — Mafigebende Er lahrungqphysiologen sind der Ansicht, da G die, rnige gefrnittchte Kost, die de einigetnale wochentlich Lågiich'reichlich Gemiuse, Obst und im Ubriøe i Milch-»Mehtspeisen enthalt. Sicher ist es av i JederW erwiinscht, auch eine Abwechslung irf < en Meh|speisen zu haben. Hier kommen Ihnei Dr. Oetker Pudi d i n g s, die leicht un 1 schnell mit Milch zu bt“ | reiten sind, sehr en gegen und sie ergeben schroackhafte und .wo ilbekbmmliche Nachspeisen. Dr. Oetk"ei s Pdddingpulver sind ebenso wie -Ba k pulver nBACKIN", Vanillinzucker, Gustin u. s. w. infoige des groGen Umsatzes in, allen Geschjiften stets frisch zu baben. Wie man Dr. Oetlcer Puddings in stet i neuer Form appetitlich und ansprechend anrifhtet, sagt Ihnen der farbig jllustrierte Pud lingsprospekt, der auf Wunsch gratis und frinko von der Fabrik Dr. A. Oetker, Brunn, $0 aitzergassie 2, zugesanat wird. muB. /.Iso Platz in Hulle und Fulle. — Raananah zåhlt heute an 1300 Einwohner i, zur Hauptsache Russen und Polen, da an Amerikaner und eine Gruppe Osterre cher, auch Deutsche hahen sich schon l)inverirrt.. Und man erzåhlt sich, daB vpr nicht allzulanger Zeit, jgmand im Freii n ubemachten muBte, weil er sein Haus inider Finsternis nicht fand, dabei lag er einigé Schritte von diesem; — und morgen wird auch Raananah, gleich Petah Tikwah, eine Stadt sein! Bei uns treffen sich ebtn russische Fiinfjahrplåne, amerikanischi s Tempo und europåischer Idealismus! — Ich hatte sie schon lange gesucht, alle unstre ehrlichen Pioniere, — drauBen sind sie, Land, umgeschichtet von intellektuellen Berufen und Verkåuferposten, Brunnen-, Landarbeiter. Man auf Bauist Fachmann fiir alles: heute veredlt man Orangen dezimmdr. morgen installiert man ein Ba- Di? Arbeitsvermittlung gescliieht durch d e Histadruth. — Man wird von der Zentrale in Tel Aviv dem Arbeitsplatz Raananah z. B. zugeteilt, wird drauBen in das Register aufgenommen. — Gegen 7, 6 Uhr abds. kommen die einzelnen Pardessanten in die Lischkah, und fordern fur den naclisten Tag soundsoviel Arbeiter in ihren PardeB an. — Der Arbeitsnachfrage entsprec lend, wird dann unter peinlichster Berucksi:htigung, wie oft man schon gearbeitet ind ob man Familie zu versorgen hat, die Jhrbeit verteilt. Das kann schon um 9 Uhr er ledigt sein, kann aber eventuell auch bis Mitternaoht dauern. — Um 7 Uhr Friih beginnt die Arbeit. Man arbeitet im PardeB dreiviertel Stunden, ruht dann eine vier el Stunde, um 12 ist Mittagspause, von e ns bis vier geht’s dann weiter. — Keit Wunder, daB idie Palåstinensische Oraige eine Sonderstellung am Weltmarkt einnimmt: denn es ddrfte in keinem zweiten Land so vfel Geld fiir Wasser, hochwertigen Dtlnger und Pflege der Orangen^aine ausgegeben werden, wie in Erez Israel. — Die Entlohnung geschieht nicht tåglich. Es stellt. vielmehr eine eigene Wissenschaff dar, davon unterrichtet zu sein, daB jener Phrdessan am I-, jener am 10., der driite an 20. jedes Monates zahlt. Ganz Raananah lebt daher auch mehr oder weniger ge^wungenermaBen auf Credit: Jeder hat ein Konto beim Wirten, eines beim Greislei, eines beim Sodawasserstand beim B icker, nur die Post ist bar zu^bezahlen. |a man kann es sich sogar mit dem Wirten oder dem Sodawåssermann verscherze i, wenn man bar bezahlen tvill, weil ihn i die Begleichung der ganzen Rtjch nung ai i ersten lieber ist, als Teilbetråge, die duridi die Finger rutschen. Die Norm ist,tlaB fur acht Stunden Arbeit im PardeB 20 Pias er gezahlt werden, Brunnenlind Bauarbi it wird mit 35 Piaster im Tag gntlohnt. 1 ~ Mi diesem Lolin kann ein einzejner Arbeitei bequem leben, wenn er tåglich ar beitet. lir muB rund 12 Piaster fiir ^das Essen, I Piaster fiir das Wohnen, 2 Pias;ei’ Zi{ aretten, das sind 17 Piaster. Also immerh n recht knapp, den unberiicksichtigt blitb eine Anscliaffung. an Kleidern oder ein Ausflug. Porto oder eine eventuelle l^rankheit, fails er nicht in der vorbildlichj ausgebauten Krankcnkasse ist. Nicht zli reden von der Rejenperiode,iwo er gezWungen ist, zu feierr. Dies sei fiir einen PardeBarbeiter vom absoluten Standpunkt aus festgestellt, relativ genommen, kann sich Palåstina plunkto Arbeit und Entlohnung dennoch mit jedem anderen Land messen, weil man hier im Gegensatz zur Arbeitslosigkeit der Galuthlånder immerhin noch die Mdglichkeit hat zu arbeiten, und dafur mindestens 20 Pias.er zu bekommen und nicht betteln gehen zu miissen. — Es ist jedenfålls auf dem Lande leicht unterzukommen, das Leben ist ein gleichmåfligeres, eben ein Landleben. Sich aber als Schwarzarbeiter eine Zukunft aufzubauen, ist schwer moglich. — Gebe Gott, daB sich allen groBen Umschichtungsschwierigkeitén zum Trotz, ein kråftiger und zahlreicher jiidischer Bauern- bis nun getan hat nennen wir es „natioi stand weiterbildcn iniige, so wie er dies Es iit jedcnlalls ein, tales Getuhl”, zu wissen, daB jener alte Bauer auf dem Wagen dort oben Jude ist, bnd so wie er ist es der Postbcamte. Er ti|rnt nfit dir in der setben Riege des Makkabi, Jude 4st der Backer, der Schmied^ deri Fleischer, der Arzt, und fiir Gemeindean^elegenhciten ist-, der jiidische Biirgermeister zuståndig. Es herrscht auf dem Lande kolossales Vertrauen, alle Hausuntl Wohnungsturen stehen offen, man kreditiert unter ziemlich leichten Bedingungen, unj es wird keinem Arbejder einfalien, auch nur eine Minute kiirzer, als vereinhartj im PardeB zu arbeiten! Landschaftlich liegt Raananah herrlich. Man glaube ja nicht, die Ebene zwischen Jaffa und Hhifa sei wirklich eben. Ein Hiigel reiht sich an den anderen, und das macht erst die Schbnheit der Gegend aus. — Es ist Samstag nachmittag. — Wir * liegen am Wassyrturm arp Westende der ■ Moschawah, und schauen.still *und iiberwåltigt iiber jiidisches Land. Es hat schon « i lange nicht geregnet. Aber die Orangenhaine zwischen uns und den greifbar nahen; diesjordamschen Bergen sind frisch griin und erzåhlen uns eine merkwiirdige Legende; es ist die Legende vom wustenrcictTCn , palåstina und vom zerstreuten Volk, und 1 von jenem starken Willen, tier in uns alle fuhr, aus Sand und deklaspierten Menschen ein Land aufzubauen, — jbne Orangenhaine zu pflanzen. — Dort irn Westen, zwei FuBstunden von uns — das Meer. Ein Schiff fåhrt eben von Jaffe die Kuste entlang nach Haifa, hat siiher viele Chaluzim an Bord. — Wir liegen und schåucn still und iiberwaltigf und konnen uns-nicht satt sehen. — W.ieviel unserer Volksgenossen —■ jenseits des Horizorits wissen noch nicht oder wollen' nicht wissen, wie glucklich wir hier am Wasserturm am Westende der Moschawah Raananah liegen?- —juda—

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