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Jüdische Volksstimme · 1931-12-17 · 48 (17.12.1931) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXXI (1931)
Issue
48 (17.12.1931)
Date
1931-12-17
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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L Jiidische Volksstiinnic Nr, 49. Seite 2 24. Dezember 1931. daB die Ent^icklung auf einer grbBeren Basis als hente geschieltt. fch håbe jedoi:h ilas Oefiihl, ilali die Juden der rapide wachsenden stadtischen Bevolkerung zp- . stromen. Die Balfour-Deklaration, fuhr Simf)- son fort, wurde zu einer Zeit verkijndét, als die Welt noch glaubte, Palastina sei ' ein Land ohne Volk. Heute kennt man die Sachlage besser. Araber wurden infolge der judischen Bodenkampfe landlos und reclineten mit der Miiglichkeit, aus dem Lande vertrieben zu werden. Diese ernste Lage erfordere . eine sbrgfaitige Behaitdlimg. Die Araber wollen nicht dulden, daB sich die Juden des Bodens bemSchtigen, die Tendenz. zum Widerstand wird sich v.ersteifen. GexviB haben die Juden das Kccht. Palastina zu kolonisieren und dort gemaB den ihnen eingleraumten Rechten zir leben, aber diese lEntwickkmg mufl in genial.'iigtem Tempo vor sich gchen und j.lart flicht dazu angctan sein. das MiB x crguiigcn jetter hereorzurufaji. die eher .•geitiigt sind. den Streit zu verscharfen res' (i. Ilxe:i!'.e,it 2ttr Verstandigung zu stiche-i. Die Herheitiilmiiig einer arabisclt- ••ii.li-clun Versi-hnuiis;• liegt dttiehatis im Beieiciie ler'Mogliehkeit. Fjir die Zukunft . s, |te i el i kcitUti An!aB zu Kontiikten, ich hotte. d". t’ die Diftereitzett geglattet »ver- den und daB das Land sich in Frieden und J <>tt-eltrit't entxvickeln xxird. Viel hangt a!'. dal.’i beiite Teile sich als betalijgt eiweiseit, zu ge:ben itinl zu itelmie-n intd die Difteren/eu in -ler riclttigen Art aiiszugleieh' n. . Ich bege Bexvup'deruttg;i■ r den »••u'!»•;»■ iii.'ischett Kolonisten erzielteii IjTlselintt. Siiuipfe xxurden in blik- Ilende (inri'en verxxandelt. seit Jahrhun delten braelt Ifegendes’Land wurde kultix'ett Die zionis.ii-.clle Bexvegung hat tinir-i. aut diese-s W'erk stolz zu sein. Tel- Ax»iv ist ein Jtixvel am Halse [’ajåstinas. Wenn der Fortschritt in. -lem nachsten ’• J.abrzehnt So xveiter gejlt, so xvird das lleijige l.aml ein Zciitrum von Kunst. Kultur lind Zivilisation. Vuffiussetzung hierfiir isr, daB das Judentuni in der ganzen Welt mclit iiaelTiiBt in-der L'merstiitzung der Saelie'. die von der zionistischen Bexvegung vertretep xvird. Ich hofte, daB ihein Vorschlag betreffend Vermehrung des lanihvirtschaftlichén Bodens in Palastina xon alleii jenen unterstOtzt werden xvird,!die an dem Aufbau des Judischen Nationalheiins interessiert sind. Ich mbchte keinen Zxveifel dariiber heste lien lasserr, daB ich den nationalen jiidischen Aspirationen nichf feindlich gegeniiberstehe. Ich liajie volles Verstandnis frir die zionistischen ‘Gesichtspunkte, ha- Fe in Palastina diese Frage mit Fnhrern xvie Dr. Ruppin und Dr. Arlosoroff, beide bemerkensxverte Månner, wie sie den Kredit eines Volkcs agsmachen, erdrtert.- Ich xviiusche. daj} das Wagnis in Palastina zum WohKr der Juden wie der Araber gelingen soli. - Vor 50 Jahren. Brand ét* Wiener Ringtheeters. — 200 jUbohe Opfer. Am 81 Dezember j3hrte sicli der 50. Jahrestag pes Brandes des Wiener Ringtheaters, bei dem 917 Menschenleben umkamen. Es war der ereignisvollste Abend den je ein Theater zu durchleben hatte. Mit Wehmut erinnern sich die Juden an diesen Tag, denh die ZaHl détumgekommenen jOdffechen Opfer bélief'Sich fast auf zweihunden. Nur eirt géringef TWI, fctwa neunzlg, konnte agnoszierf werdeh, w3hrend der addere fn emem Massengrab bestattet wui de. Das BegrSbnis dér jOdfschen Opfefand am 11. Dezfember statt. Die verkbh ten und halb entstellten Leichen wurden nach allen Regeln des Ritus bestattet. Schon um 8 Uhr friih hatten sich die Lei Itrageiulen und ttin groBer Teil der Wiener Juden am Zentralfriedhof eingefunden, uti den ungliicklich ums Leben Gekommenqn die letzte Ehre zu erweisen. Funktionen iibten die Rabbi- und Jellinek aus. Fur die r der KaUstroph -unktionen ausggiibt, an die : geineinsame Funktion fiir die selven und bbhmisclien Juden ihr Leben bei dieser Kata- Die tue Kel reichtmr ()p er der KaUstroplie xxurden geSOiWvrté sich danti di vielen rnålir anschloB, stroplie geldssen haben. Fiir jeiie Opfer. die durcli illfe Verwandten. w e es im Partezetiel der Stadl Wien lieiBt, nicht bestattet xverden konnten, wurde lin Masseiibegrabnis aligehalten. -Die Trruergaste begannen ihre Auffahrt um 10 l.'hr. und eine unzahlige Menschenmenge wohnte der vielfachen Bestattung der Offer bei. Alle Konfessionen Wieti.s. alle »varen erschieneti. um ihnen die letzte Eh e zu erweisen. Unter andeftn sprach der i rste Prediger der jiidischen Gemeinde W en. Jellinek: „Und dieser gemeinsaine Ti d ist es. der diesen Brandipfern ein gei neinsames Grab bereitet. Das Lehen trennti sie voneinander — der ToH vereinigte si: und verbunden im Tode. soli die Erde zum ewigen Frieden sie aufnehmen. O mbge nicht vergebens ein gemeinsamer Tod sie ereilt, ein gemeinsames Grab sie aufgenommpn .hab«n'\ waren die biweglichen SchluBworte des hervorrSgend :n Predigers. Hierauf wurden die Sarge zu dreien in das Massengrab gesenlct, an d -m sich herzzerreiBende Szenen der Hint irbliebenen abspielten. Nur mit Mfihe xvu de die Ordnung aufrecht erhalten. loMaltm | tdiitiliti;Ik T«ejr«båek ins reiatr Tettwmr MWie fadere IG«biekspezialiuten anter pertSnlifher Aafcebk trz^agt and gfnttlctt liefert AMT. MLEJMEK IrlM, NMMtki la. wtar 4«« IMal NJai« Inntmil ¥1d«*iké fl Taltlpa If.W Bettellunfcn wjfrden im Gecebitt «oeb telefoniaeb lbprnomm*n vL aebneilatena freo Bui x«cwtellt Mliaéi I Niurt« JUtllsohBr Woltmpløgol SOhne IRr die aotfjldisdien Ansschreitntigen la Rawa. Das Gericht in Rawa bei Tomaszow verurteilte 20 jugendliche feinwohner aus den umliegenderi D6rfern, die sjeh an den antijiidischen Ausschreitungen in Rawa beteiligt haben, zu je zwei Wochen GefSngnlg. Antijudische Siukfcitteiiexzesse »ich ilt Ronstanfftfldpel. An der medizinischet) FakultSt der Kttnstanfinopoler UnfversitSt erneueften sich die ÉJizcsse gegen die jQdischen Medizin-Studenten. Die juden wurden von tOrkischen Nafionalistett attackiert und zuhi Teil schxyer verprllgelt. Die jiid. Medizinstudierende des dritten Jahrgangs Bela Ansel wtirde aus der UniversitJt hinailsgeworfen. Die Professoren nahmen sich der bedrångten judischen Horer an und stellten zum Protest gegen die nationalistischen Exzesse und gegen die schimpfliche Behandlung von Fri. Ansel die Vorlesungen im driften Jahrgang der Fakultåt auf einen Tag ein. Zum zweitenmal SchSndung der Synagoge in Luneburg. Am 11. Dezember berichtete die „C. V.-Zeitung” iiber die SchSndung der Synagoge in Liineburg. In der Nacht zum 9. Dezemher sind wieder zxvei Fenster der Synagoge durch Steinxviirfe zertriimmert »vorden. Vorher war versucht »vorden, die in der Zwischenzeit vergitterten Fenster am Eingang der Synagoge wieder zu zerstoren. Ein jiidische Architekt Miterbauer der Briisseller Weltausstelhing 1935. Die belgische Regierung haf den judischen Architektcn De Lange beauftragt, wichfige Abteilungen der 1935 in Brussel zu eriiffnenden Weltausstellung zu erbauen. Als erstes wird De Lange die Abteilung „Alt- Belgien" erbauen. Fiir seinen Plan „Alt- Belgien" hatte De Lange einen Preis erhalten. De Lange ist EhrensekretSr der Judischen Gemeinde Antwerpen. Der Konstantinopeler ,^w Beth Din” Rabbi Arlet Gestorben. Im Alter von 78 Jahren verstarb hier der Vorsitzende des Rabbinischen Oefichts (Beth Din) in Kon- Stantftiopel Rabbi Jlzchak Flieser Arlel. Er war eine hohe rabbinische Autoritat in der TOrkei und unter der Bevfilkerung sehr po pular. Eintags-Prbteststreik der hebraischen LehreF In Patfttittt gegen fliehtzahlung der Gehalter. Am 15. Dezember, gegen 10 Uhr morgens, traten die Lehrer der Jevvish Agency-Schulen in Palastina in einen eintågigen Streik ein zum Protest gegen die Nichtauszahlung der Lehrergehalter fiir die Monate Juni und Juli. Etwa 100 Lehrer begaben sich zum Buro der Jewish Agency in Jerusalem und erzwangen dort die Unterbrechurfg der Arbeiten fiir eine Stunde. Erst als den Lehrern die Zur Bahn får dl Stolt ond tfberland, fiber dit Cfrenze, mitten Sie billigst algftafce Autos bel AUT6TAXI FUKAt mm TM*Mnnuiiiå*rii 13.SS7, 13.SS8 Kanslsl: Grand Hotnl Anch bei 6»itiigen Wagen Klein« wagentaze. Bei Pabrten zar Bahn <in der Nacht) lassen Sie sich telefonisch wecken Bis jetzt die Besten Schrsibmateli hien, JERR9- BUromttbel, VervldfSttigunfsapparate, Redxnmat(f)i> o en und samtlidie BQromdbel liefert JKai^dgnev Brtinn 6eskå 16 Chapéaux Monsieur Idenyo Pltho, BrOnn JohhhnctjgdMé 16, I. Etage Erstfclattlg« H«rrhhithnéid«rei Stefan Hannak Broun, Kiattfengau« Nr. ti Tel« Ion 11.150 Zusage gegeben wurde, daB man sich tlhverzuglich mit ihrer Forderung beschSftigen werde, verlieBen sie das Buro. Das Resultat des Keren Kajemeth-Tages In New Vork. Der Offentliche Sammeltag (Flaggentag) fiir den Keren Kajemeth in New York erbrachté ein Ergebnis von 27.000 Dollar. 150 amerikanische Juden siedeln sich in Palæstina an. Das Palåstina-Amt der Zionistischen Organisation Amerikas gibt hekannt, daB sich iiber 150 amerikanische juden in Amerika, in der Hauptsache Angehorige des Mittelstandes mit einem durchschnittlichen Kapitalsbesitz von 8000 Dollar, im Palastina-Amte zur Reise und Die Juden von Algier. I Von H. Boucris. (’l)ir Algier ist schon ungcheiier viel geschri.hen xxorden, hu Jalire 1895 veroffentlicfite der Hauptmann Plaifair, der friihere Generalkonsul Englands in Algier. tinter dem Protektorat der Kdniglichen Geographisclien. Gesellschaft in Lonifbn, unter dem Titel „Bibliographie von Algier" zwei dicke Bande, die in London gedruckt wurden; darin wurden die Titel von ungefahr 20.0(X) Werken aufgefiihrt, die sicli nussclilief.’lich mif der groBen Kolonie beschaftigen, deren hUndertjåhrige Zugehiirigkeit zu Frankreich vor kurzem ge- feiert wurde. Der Autor hat alle Werke, die er zitiert, sellist eingesehen, xvas beweist, mit welcher Genauigkeit in seiner Arheit vorgegangen ist. Immerhin konnte auch er nicht alles sehen und kennen. Bei einem solehen Gegenstand kann yVoMkommenheit fast nicht erreicht werden. ' Unvermeidlicherweise muBten ihm zahlreiche Unterlassungcn unte'rlatrfen. Das soli uns aber nicht hindern, ihm die Anerkennung zu zollen, die er verdienh Dank dieser Bibliographie weiB man, daB alles Wesentliche uher die Geschichte Algiers gesagt »vorden ist. Historiker und Schrift- steller von Rang haben sich eingehend mif den romanischen, arabischen und kabylischen Viilkerstammen beschaftigt, diein diesem liande wohnten oder jetzt noch xvohnen. N'ur die Judqn bildeten noch _nie _ N Gegenstand sblcher Untersuchungen und Forschungen. Natiirlich haben die verschiedenen Aultoren, die sich fiir die Rassen Algeriens intekftssierten, auch den Juden immer einigejnichtssagende und stindig xviederholte aeilen gewidmet. Der Jesuit Haedo, der Vater Don,. beides Spanier, beides Geogranhen, die im 15. Jahrhundert lebten, habenlgroBe Werke iiber Nordafrika geschriphen, die im Auszug auch ins Franziisisclie ubersetzf wurden. Diese beiden Miinchihaben Algier eingehend studiert und u idmen den Juden ein interessantes Kapr el. Aber ein groBes zusammenfassendes Werk iiber die algerischen Juden, ihre Geschichte, ihre »tadte und Niederlassungen ist bis jetzt noch nicht geschrieben worden. Eine einz ge kleine Arbeit bi|det eine Ausnahme. D :r Hauptmann Plaifair erwahnt sie in seiner Bibliographie. Sie tragt den Tite : Haddey, Das Goldene Buch der alger schen Juden (Algier 1872). Haddey, der Verfasser dieses kieinen Buches, das heut: fast nicht mehr aufzutreiben ist, hieB in Wirklichkeit Albert Dexwulx. Er war :in ehemaliger Beamter der Kolonie und konnte gut turkisch. Er benutzte die Dbfumente, die die tiirkische Regierung nach der Aufgabe Algiers zuriicklieB und i ntdeckte darin vieles, was die Juden anging. Insbesondere studierte er den Handel Algeriens zur Zeit der Tiirken. Das kleim Werk ist ein auBerordentlich interessan es Exposee fiber die Handelsbeziehungen zwischen Algier und den Mittelmeerlandern, die durch die Vermittlung*der Juden vor sich gingen. Devoulx bringt in seinenv Bericht auch viele biographische Detaire fiber einige jiidische Familien Algiers. An erster Stelle finden »vir hier die Bacri und die B u s n ac h, Am 15. Juni 1926 hat der „Temps” ein unverdffentliches Dokument abgedruckt und es auf eine Weise kommentiert, daB kein Zweifel dariiber bestehen bleibt, daB alles, was fiber den auBerordentlich gro¬ Ben politisch und kommerziellen EinfluB der Bacri und Busnach gesagt worden ist, auf Wahrheit beruht. Es handelt sich um den Text eines Berichtes, der vor 130 Jahren, am 2. Germinal des Jahres V von Jean Bon Saint André, damafs franzosischer konsul in Algier, geschrieben worden ist. Der Bericht ist an den franzosischen Gesandten in Madrid gerichtet, der den Verfasser um Bericht uber die politische und kommerzielle Lage in Algier gebeten hatte. Wir entnehmen diesem Bericht (olgende Stelle: „Håtte jemand vor zwanzig Jahren glauben konnen, daB aller Handel de$ Mittelmeers zwei Juden aus Algiér in die Haridé falten wurde? Es gibt keinen einigermaBen wichtigen Ort, wo wir nicht die Agenten von Bacri und Busnach finden; wurden. Sfe verspréchen den kieinen Staaten Europas Friede und geben ihn ihnen auch. Wenn sie mit ihnen unzufrieden sind, erkiaren sie ihnen den* Krieg. Handelt es sich um den Riickkauf von Sklaven — sie sind die Vermittler. Wenn ein europaischer Handler ihnen im Wcge ist, verjagen sie ihn. Die Macht'des Konsuls scheitert an dem Ansehen, das sie iiberall genieBen.” Aus anderen Dokumenten gelit hervor, daB Bacri und Busnach abwechselnd Minister des Inneren waren. Sie durften die Wflrdentr3ger, die beim Dey (Furst von Algier) akkreditiert waren; empfangen, — ein Vorrecht, das sonst nur den Herrschern zustand. Wahrend der ersten Tage des Direktoriums schickt Bacri einen seiner Freunde, den Rabbiner ^zouley, nach Paris, wo er wegen politischer Verdachtigkeit verhaftet und ins G^angnis geworfen wird. Aber nicht lange blieb er in Haft. Und kaum aus dem Gefangnis heraus, setzte er sich mit den Machtigen jener Tage in Verbindung. Er berichtete Aber seine Bemiihungen in Briefen, die lange Zeit im Archiv des Consistoire Israélite in Algier lagen. Die Ereignisse in Algier haben sogar Schriftsteller von ansehnlichem Iiterarischem Ruf interessiert: Barthélémy und Mery schrieben ein lustiges Epos, die Bacriade, dlé ztinf ersttsn Male ilrtter Karl X. an die Offentlichkeit kam. Auch andére Schriftsteller iiaett ihnen haben uber das jOdische Algier geschieben. Vieles davon ist interessant und wire wert, bekannt zu werden und in einer Geschichte der Juden in Algier zti fig'urieren. 190481

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