Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXX (1930)
- Issue
- 10 (6.3.1930)
- Date
- 1930-03-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum Seite gesel i ntia; Volknff AUS OEM INHALTE: 30. Jahroaoo, nr. 10. Erschelnt Redaktion und Verlag: leden Oonnerstaj BrOnn, Raanargatsa 20. Tal. 1596. BRUNN ZEIIE65 TU 39*}. Die neuesten ■■ ■■ ■ ■ ■ * mm TWEEDS fiir Mantel TWEEDS fur Kostume TWEEDS fiir Kleider Flamingo fiir Komplets In groBer Auswahl im Modehaus F. TRIEGER BRØNN, FREIHEITfPL.8. Spezialabteilung orig. engl Herrenstoffe Photo Atelier „Rembrandt" Willy Wrbatzky BrOnn, Krapfangaaaa 15-17 Aufnahmen bei Kunstllcht. Arrangement i VORHXNGC, MPcnenm^ rocnuMdea lOHJiumrAni TAPEZICRER-ri IVERKAUF3STIUE:Dj •WERHjTATTC SCMOMM.fZ _— “ ri raEfDfu«?i, REMSXXtVRL' 4SZ6- Øefabrlicbe Judcnbetxe. mordkescbuldiiiung grgrn Jaden in Cttaajra. In dem Stadtehen Kowno, 28 i Februar Scheimel, Kreis Schaulenj w(urden in der Nacht der lote Korper des Tierafztes Avischenis in einem Brunnen aufgefundep. Bald verbreitete sich das Gerficht, daB die udisehen Schlåchter Avischenis in d<n Brunnen Es stand fest, d iB Avischenis in der kritis« hen Nacht den Weg nach dem Schlachthaus ger ommen hatte, aber dort nicht jiidische Schlåchter r.amensJ Mana, Abraham Fleischmann, Abraham Sctineider und M. Lekusonek wurden unter Mardbeschuldigung verhaftet, obwohl sie als fromme, ruhige und geschafllich einwandfreie . iiirger bekannt s:nd und obwohl sie beteuem, sie an dem Tode des Tierarztes nicht die ringste.Schuld tragen und fcs wohl denkbar sei, daB Avischenis zu dunktér Nachtzeit, in der noch dazu Glatteis war, in den sehr nie irig umfriedeten Brunnen' gefallen und der Tod durch dieseii Untall erfolgtsei. In Scheimel und der ganzen Umgebung wird von Agitatoren eine wiftste Hefec gegen <li<f Judensd*aft| im Zusammenhang tnit dem l od des Avisciienis gefuhrt, es wird mit Exz issen gedroht. Wah rend die Verliafteten scpweren unterworfen werden, well j^ordgeståndnis bringen Jiidische Bevolke-ung der Ketze und der bcsteher.deti Erregung schweren Panik. 80. Geburistag des Pråsidenten: "3. — Vladimir Jabotinsky: Was ist ehen? (SchloB.) — J. Gal-Eser: Jerer Cechoslowakisches Jndentum. ■ m« r~ Brtlnn, 6. Mlrz 1930 r 6. Adar 5690 daB ge- Dcr Ulille zur ttlabrbelt. (Zuoj 80. Geburistag T. G. Masaryks.) Von Karl B a u m: Rtue Jonu dies Boykot les in Palæstina. Jerusalem, 23. Februir. In Jafia, Jeriisa- Folteruulgen man sie zu eiiem will, lebt die ganze Gegend infolge der in ei tier ne lem, Nablus, Haifa und Caza zirkuliert e Aufforderung zur Bildung mit einem Kapital von 500.000 Pfund zwebks Starkung der ant ijudischei i Boykottbeweguifg Diese Summe, heiBt es in dem Appell, soU der gesamten arabischen iBevolkerung in (fer Weise aufgebracht werden, daB jeder Araber jåhrlich ein Pfund, zahlt. Efer Appell enthålt die Namen von 300 arabischeii Kaiifleuten, die sich bereit eridårt habjen, zu ,;dem Boykott-For ds beizutragen. Jabotiasky naeb Sfldaffflu abgtteist London, 28, j Feber. Wladimir Jabotinsry, der Fuhrer der Zipnisten-Revisiohisten, hat sich vor einigen Tagen an Bord der „Arunde* Gastle“ auf die Reise nach Sudafrika beg di en und1 wird dort am 10. Marz eintreffen. Jat otinsky erklårte vor der Abfeise, er warde, we er hierzu eingeladen werden soilte, an Keren Hajessod-Kampagne in Sudafrika nehmen.!! 30dlscbe fEoaniBgeselltcbart. In Newyork hat sich1 eine Filmproduktion isgesellschaft „Judea Pictures Corporation** j;ebildet, die Tonfilipe in jiddischer Sprache h:rstellen will.-! Dtr langt Poiixtlbott JIMhI 6baai, in c er t< ilder vor einigen Mona ten das Attentat auf dpn Chef des Justizdepartements der palåstinensischen Regierung Norman Bentwich verfibt hat, wobei Bentwich nicht unerhehlidto verletzt wurde, wurde wegen vereuchten Mordes '-zu 15 Jahren Gefangnis verurteilt. - Der Pråsident der cechoslowakischen Republik f;iert am 7. .Marz das 80, Jahr seines Lebens, von dem seehzig der harten Arbeitaii der Ges altung des Weltbildes gewidmet waren. Hat te es niemals in diesen 60 Jahren eine Beziehu lg zwischen'-Masaryk und dem Judentum ge<leben: Der seltene AnlaB des Geburtstages cieses Menschen gabe dem Judentuin 1 dennoch Grund genug, ihn zu feiem. Denn wenn man alles Unmittelbare wegliiBt, das Masaryt uns Juden. gab, bleib.t des Mittelbarcn genug: Man kann das Leben dieses Menschen auf eine Formel bringen: Es war getrieben vom Willen zur Wahrheit. Dieser Wille bewegt ihn, dieser Wille bestimmt den Wahtepruch seines Mensc lheits- und Volkskampfes. Und in diesem Kampfe ist er an der Wende vom 10. zum 20. Jahrhiuiidert, in einer Zeit, in der der alte, im weitesten Sinne patriarchalisch orientierte Oeist Eurof as zu zerfallen beginnt, einer der Ersiten, die -di is Neue ais den Weg in die Zukunft erkennei. Das Neue ist: Die Demokratie. Das Neue ist: Die Schranke gegen die Uebeimacht des Klerikal ismus, der das Volk verdummt. Das Neue ist: Eine gesundé Beziehung zwis<*en den V olkerschaften Europas, die sich aufbaut auf At beit, Erkenrren der objektiven Not, Kampf gegen diese Not. Das Neue ist: DaB er bei trug. zur Srhaffung eines europajsehen Nationalismus, den zu verwirklichen es leider erst des Krimis bedurfte. Von allen diesen Gesichtspunkten aus hat r Masaiyk auch der Gesundung des judi^cbeTT\ Leben > den Weg bereitet. Wenn er im Wiener Parlai lent in einem Dringlichkeitsantrag, „betrefferd die Garantien fur die Freiheft der Wissensef aft und der* Hochschulen** die osterreichische Hochschule gegen die Konfessionalisierung durch Lueger verteidigt und spater auf derselben l inie in den Streit um den „FaH Wahrmurvd * geht, dann hat er den'Weg bereitet fur die Freiheit der Hochschulen im Allgemeinen, die in dem von ihm geleiteten Sfaate spater verwirklicht worden ist. Er ist einer von den Reformatoren des Wahlrechtes, des Sprachenrechtes, d;r Schulpolitik, — und war s^.nem Kampf im \X iener Parlament nicht immer Erfolg beschiet en, so mindert das seinen Wert im Weiteren nicht hjerab. Man muB bedenken, daB sich - die Haltung des Demokraten Masaryk auf die Interessen der osterreichsichen Judenschaft viel auswirkte, ,als es jetzt vieHeicht schernen Behertoergte doch dieses Oesterreich-Unuiiendlich viele Judenarten, von denen Galizien und der Bukowma bis zu jenen Bohmens u«3 Ungarns, groB an Zahlr-in Massens:ed> lungen zusa mm enged rångt, in denen soziale Not anl judiechen Volkskorper fraB und soziales Elend schuf, wo es Arbeitslosigkeit gab und gesellschaftliche, moralische, bewuBtseinsmåBige Deklassierung. Wenn Masaryk uber das Selbstmordproblem schrieb und fiber die soziale Frage, dann schrieb er auch fur dieses Judentum, und weit fiber die Grenzen Oesferreich-Ungams hinaus fur das Judentum in der weiten WeM, fiir ein Judentum, das damate getiefer mag: garn 4145^217