Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1912-11-13 · Heft 44 (13.11.1912) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 44 (13.11.1912)
Date
1912-11-13
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/2621806-2621807-6375912--1905-4860822
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Rr. 44. XIII. Jahrg. Beilage zur ,Jüd. Volksstimme' Bin ich geboiren. . lVun m Zyklus .Die Menschen".) Bon Salomou T e m b i tz c r. Bin ich geboiren zu früh in die Welt, Kumyt ich zu spül!.Nu wer Hot die Schuld? Bet ich vun Leben a Stücfalc Glück, Bcisert sichs Leben: .Zu host kein Geduld?" Summer verschließt mich die *'01! in mein Slüb, Winter verschncct mir die heiligste Tag... Hob Chawerim, dann passen sei mit,- Meine Bekannte, sei meiden mein Weg! Sch ich die Maidlcch, die scheensre vun Ltodt, Will «h wie and're verbrcngen die Zeit... ducken sei on mich mit Stolz un mit Spott. 'ch schäm mich, un lois dann awcg crgiz weit. Seb ich gcsaUcnc Maidlech in Guss', — Will -ich vergessen die Leiden, die Welt! Geb ich... un gloib asu Pönimc! blaß. Nehmt men mir zu dos letzt bissel EWId... Fohr ich in andere Dörfer un Städt, Suchen die Menschen auch dort meine Sünd! Schreib ich mein Mammen in Brief a Gebet, Enscrt sie mir, ns 'ctünn nit ihr Kind .... Bin ich geboiren zu früh in die Welt, itum ich zu spät! Un wer hot die Schuld? — Bet ich vun Leben a Stückale Glück, Bcisert sich's Leben: .Zu bosl kein Geduld?!" Exegetisches zum Wvchenabschnitt רדי שרה• Bon Rabbiner Dr. A. Deu.tsch. Es׳ erscheint als eine nicht leicht zu lösende Aufgäbe, sich von der wahren Größe und Bedeutung des zlvciten Stammvaters, des Jsak, ein richtiges, absolut zutreffendes Urteil zu bilden. Ter äußere Umstand, daß seine Person in der Bibel im Gegensatz zu Abra- Ham und Jakob eine verhältnismäßig nur sehr knappe Behandlung findet, könnte allerdings leicht zu der Kolgerung von dessen geringerem Wert für die Fortent- Wicklung der von Abraham inaugurierten religiösen Kulturepoche verleihen. Allein eine zuverlässige Gewähr für die Berechtigung eines solchen Urteilcs kann eine bloße Acuherung doch nicht bieten. Tic Zirsache dieser Erscheinung eines so spärlichen Berichtes siln.׳r das Leben und Wirken Jsaks mag eher in stHjcktwcu Momenten zu suchen sein. Km Vergleich zu den beiden anderen Stammvätern ist er nämlich eine ausgesprochen passive Natur, welche die äußeren Verhältnisse mehr aus sich cinwirkcn läßt, als wie sic sich bemühte, in dieselben tätig cinzugreisen und ihnen nach dem eigenen freien Willen Ziel und Richtung zu geben. — Abraham begründet allen ungünstigen Slcömungcn seiner Zeit zum Trotz, eine neue Weltanschauung und wird von Gott, dessen Führung er sich vcr- | ttauensvoll bingibt, gleich zu Beginn dieser neuen Lausbahn zu Lpicrn der schwersten Art verpflichtet. Er muß Elternhaus. Volk und Heimat vcrlasien, um in einem fernen srcmdeil Lande für seine geistige Saar den gecigiicten und Ertrag verheißenden Bodcii zu suchen. Und auch sein späteres Leben ist nur eine fortlausende Betätigung der edlen Gesinnung, die mit dem ersten Aufleuchten der Gottcserkenntnis in ihm sein 13. November 1912 ZMe 9. Wie doch übrigens Ksat in seiner Bedeutung bei unseren Alten bewertet w,rd^ geht scholl aus folgender Aujfafsung unserer Bibclstcll§ hervor. Jsak mutz när^ilich infolge estter in Kanaan herrschenden Hungers׳ not gleich seinem Vater Abrahaiw dieses ^nd vcrlasien. Wu Abraham wäre cr^ um der allgemeinen Not zu ent; eben, gewiß auch nus: ttüii Aegypten gezogen. Doch, da ,cschicbt das Sonderbare, -ckß Gorr an ihn den Be fehl ergeben läßt: ,־־ jfc ל ייי - ך £ ע• י {{ ziehe tiich: itach Mizrajim. Weshalb diese ausfallende Ein-- schr.inkung in JsakS Bc1vi?gungssrc1keit? Rabbi Hanschca ,M. B. R. glaubt gen Grund hie7ü.r diirin zu er- : blick:n. daß x\fal durch! die letzte Prüfung Abrabams von Gott zu einem Ga7W0pfcr bcsinnnn worden 7si. Ein solckcs aber durfte nackuder Halack'0 der ibm anbanen den .Heiligkeit wegen sticht außerhalb der Verhänge kommen. Elx'nw nun verbot auch der Gattzopfercharak ter Jsaks. daß er die Grenzen des heiligen Landes über schreite. ׳Das pbiliitaifchc Land, m welchem wir ibn sehen, gekört zcittveilig auch zum verheißenem Land<׳. Vidy Kosua K. l׳i, :l.׳ Wenn wir nun das Mystische, das dieser e-igeuartigen Erklärung zweifellos ankastet. außer acht lauen unds Nur den eimacken^ Wortlaut der Schrift berücksichtigcu, so erblicken wir! in dem Verbote: .Ziekc nicht nach Mizrajim" nichts anderes als die göttliche Besrätizung und die Gutheißung einer in dem Erziebungsganzes Wesen zu beherrschen ansing. Er zeigt sich fortplane Abrahams deutlich zum Vorschein kommenden an vom stärksten Tatendrang zum Guten erfüllt und - Ten! <nz. Sahen wir doch schon früher, wie kra!np7ba7t ebenso vielseitig wie vollendet in all den zahlrci^en sich Abraham schon gegen die bloße Zumutung seines Werken, durch welche er sich die höchste Anerkennung Hau Verwalters Elicscr wehrt, daß sein Sobn das beietnh nebensächliche Figur erscheinen. So ergebt, trotzmußte man anfangs selbstredend' jedes anderd^^ußcr dcrstt er nach der Ucberlicferung/zur Zeit der von Abra-.'Palästina. dem Lande der jnd^chen Zukunft/nm!- hach beabsichtigten Opferung seiner Person bereits :!7 . maßen. Kein Wunder dader. wenn ׳Won der blc^. Ge- Ja^rc alt und gewiß Herr feister Entschließungen war. danke, dieses Land vcrlasien. zu müssen, in :lywu'׳ die^ diesbezügliche Aufforderung nur an seinen Vater Familie bange Ahnungen (Meckr. Angst und u!",nbe und nur diesem wird in der Schritt drescr Ausdruck un-' ^rvorgeruren '..n. Kein Wunde«, daß a. von bedingten Gottcsvcrtrauens als Verdienst angercchnet. j identen <rntllr, zu einem Scheute Jiats sece^ .-zu7 Nach der Geburt seiner zwei Sohne Jakob und Esan irimmung nicht geben wollte^, der ibm sieht er ebenfalls nur im Hintergründe der aus der gegensätzlichen Natur derselben bervorgedendcn setndc Gunst und seinen väterlichen Segen miteinander Mr Jsaks n־Cv-£. Zn! dm als e7W '£"-•־ schlennigung des .-eiürchrercn Wenn al>cr die Tradition ungeachtet des II scliken Gcschcbnisie. Er muß! zu allem, was in seiner baß Jiak den Boden des : ׳^ueu Lanr<<- /׳:äu nacsitcn Umgebung zu geichenen Kar, erst gedrängt wer-! vrrlicß, die von «•־vn verkündete v׳erimuderbsiu::g.׳ den und wird deshatt» leicktl zun^ Lvrclballe der ein- »rnechnchan schon m:r ,G<--nrt 7.־g::׳.nen /;׳:!. «o antcr übcrbietcnden Verschlagenheit seiner eigenen, 11m ייי nach dem klaren Wortlaute der B: ei: m emm: > nicht ihnen geeorrgen Lande" d e Bgrn:u..:7? Berichte allein über dierkiers sprechen, so böte I ausgestr! ICH sircsitenden Kinder. Ließen wir nun diese Beichaffenbcil seines Ekar allerdings Jsaks ganzes Daien: nur das Bild eine Menschen nicht nach der Forderung des Dichters du ererbt von deinen Väter» bau. erwirb es. um cs zu besitzen. Das aber wäre teuer Vorstellung durchaus uni ngcmeffenr die wir nur Recht mit einem menschlichm Wesen verbinden, dem!:;י so Kobe Ausgabe rur das ganze lünslitv:. (beschick eines Volkes übertragen trästd, imlchc die Worte der Sch.iit ciuknltcn: -Tenn durch Kiak ׳ollen Die Frage, nx'sbalb K1»k zn^-'ß׳.. strochenen Hungersnot gerad. rn deine Rachkommen benann: ßeit auch unsere Alten ein Mv men, als wäre Ksak an 'edburung den andere»׳ St< »nmvätern nachzusetze»!. scheint ab^r am ehesten itj d> den." Und wirklich lie- ׳.ung niernals anskoni Berechtigung -׳:etZi! rzählung des Kap. B'- d^i Erzü tepe en z unseres Wochcnabschnittes gehe en zu sein, welche von Ks^ks Begegnung mit denr B-::!׳lerkonig Abimelech und voi^ seinem Ausenkbaltc i!1 '׳^erar.bcrickici. Denn l-ier sehf n wir ihn selbständig akfiv und im Urteile seiner wcilcren Umgebung als rineli ׳Mann, der durch ׳e:ne eigknc Wirksamkeit, die Betätigung seiner persönlichen Dugcndcn die Achtung und d.e Wcrlscktätzung seiner mcnscheik erring!. seiner Zcltgcnosien erwarb und auch als leuchtendes Vorbild einer edlen Menschlichkeit in der geschichtlichen Erinnerung fortlebt. — Noch mehr aber sah sich Kakob, von den mannigfachsten Mißgeschicken bedroht, vor die. Notwendigkeit gestellt, selbst die cinfachstell Rechte in hartem Strauß erst zu errtngcn und dank der von ihm gelteferten Siege über menschliche und göttliche Wesen seinen Namen und seinem Streben Ehre und Achtung zu verschaffen. Solche Kämpfe und Prüfungen blieben jedoch Jsak von vorn herein ganz erspart: * זד״ ב את אברהם בכל -Und Gott segnete Abraham mit allem" und Jsak wird nur dazu auscrschen. ohne jede persönliche Auseinandersetzung Mit seinem Bruder JSmael der alleinige Erbe der väterliche« Güter und der väterlichen Ideale zu sein. Ja, selbst seine Erzählungen, die die Bibel uns ligc Land auch nur vorübergehend vcrlanc: .את ב;■ ׳:«:־ :•rr;|c ־ ל־cur -H>»- mc1־ nen Sobn dahin (nach! Padan Aram. zurückzuführcn". laut׳ t dcS besorgten Vaters ernste Warnung. Der Sinn cinci: solchen starren Beharrlichkeit bei diesem Wunsche kanr aber kaum in cty»as anderem beruhen, als in der feste t Absicht, das Leben dieses ersten Sprößliitgs im heilizen Lande nach AbrahamS vollendeter Entwicklung zuM wahren Gottesboten, nach seiner Bundesickließung mit!Gott mit drm Boden dieses Landes Mrdurch auch schon äußerlich zu verbinden, daß er zeitlebens desicn Gre»zcn nicht mehr pbcrfchreitc. Hierbei mag vielleicht ״nicht weniger auch die wichtige Ertvägung eine wesentliche Rolle spielen, daß Abraham einst in einem finsteren Traumgcsichtc die Knechtung seiner Nachkommen in 2בא~?ע לא לה einem nicht ihnen gehörigen Lande voraus verkündet zu erbringen.' ux'sbalb Kiyk VU rn.;*:•׳ Gerarfluchtete, mez »vrc in dem l':•■' baberi. dvß sein Vater nbravanr mil . 1'r:^׳.;V V.. .1 gieichcn NaM^-s!׳־׳et Anfforder׳ * .׳׳״:.׳’, Bnlidnis der Treue l:- in d<ts v-er:e " $. kIuv־׳•־'.;: batte. Dem Sobne vivr.-.^e! ״. . bet ^ls dn'ch.'us na:nr4:ch. l.׳ der S:u:17 - suchuiig ß::;es L1־״*;1י H::r:ae:-:.:o:. ׳*י :". fluchst in einem C tu׳ zu nv eu: e ׳'< .׳?n lreuä verv'lüblerer ',׳!rrriä.:^. U־:- סלי* c.; 1 gewH nur mit Rncki.ä.r auf;icü5״׳; ־:־'roin':[:י־ :v!'r‘ von ,'\u11v Wvbuvr: ־:01 ׳;:!:־ die au־:’1 ־l"׳..- Weäiül umLÜUtiuhd'. ::erve״.^ Weende ,;׳ l■.־.׳•• der Vcrde:ßu::-fen der Z.uk״!"'. il'in j nnmiiuil’or 1:0.1׳ ionuk e 1 :ü::״״׳ : a>;־ " ׳'r . Heiisia! "eu Bene ".Tvi-odn Lur!" ־:•, an d- :־ i:::,:. :e mit anknupf-׳7׳d. zu. ה::4 .־.י••׳ die Eeiiiiliuig aller voraus verkündeten Sea:..: .u ieur^ utblreichcn .','-׳.üsi mmen re:: neue::׳ ׳ . ' Der A׳°:fn׳:balt ">׳aks in -oerat ״׳u.:׳: , au» den Worten: 2wv *ל* א״נ״ ״ *“** >E» geschah, nachdem er dor!^׳a׳en ränger1\:(, -׳!•. 111׳fwe:de׳.u:g äervor> d!. üct out viele Kavre u zu!haben und war von rin m ganz veü׳-d. riii! ihn eegünnigt. Die Bit״ l be^r^net dußA-u׳n..,׳ Se^en des Stammvaters mit den sosr :׳.. Worten: גבל רא ב "לך ~ר״ך רגרר ער ב׳ 2<ר. 2אר" " 11 ווb der ä'i groß, er ward immeriorr gäößer. eis et זת war." Und überdies werden d4m solgenden Veränderung in der;:::!nui am den ob dieses seltenen iufndenen Neides zurückgerü^rr! Zunächst äußerte üw dieser? klonen Vvrposrenplänkeleicn!gegen K׳.n. ans dem Volke die ::och vej: ruraham Brunnen M'sielMn um Simib re׳-ßb.1ne: ober -mit«) jede Scheu ob die ׳es ,'äun riu iuus iaUengelassen und rlbimcl-.ch selb׳:, dv oder denen Vater, die Freu!:-׳ch״: ü. ra - n^rationen zu sichern b nrel.^ war. tritt . der beobachteten Znrnckba'tu^g l e: -ns n: b^schieorenc Bundesbeute ia e׳!i 0 u n der. S bjndeieu. Mit den Worten: j('•. weg vo bin uns zu siark onenbgil er ׳־nz unfrenndlichc i^eiinnn-! -u:> u:׳ '״ vater. terne Bentzungc Verse genaues deiau ur! g der ־;•;■:.ji cn 4 j 1ר die aus seinem Leben bietet, lassen ihn immer nur als wurde. Unter diesem nicht näherbezcichncten Lande . Jsak aber ׳etzt all dieses ringnssen . deritünd entgegen und zu.u sich um m:V::\: 'י . rierung der ungercchtTertigrcsi Feindschaft g. v. •וגז von den Pkilisiäern ganz zurück. 'Seme sck»::׳. oe Mißachrung^es baßl:chcn TrtwcnS seiner u ־:u: .r zielte auch bald den großartigen Errolg. daß u :: Be leidiger Avimciech in Begleitung von noch anderen : sicn seines Landes ibn in der neuen Heimat wudr. . ׳ suchte und mit Worten der ^elbndcmüugung. die Erneuerung der früheretz Bundcstrene . Z Porte der Anerkennung abcts, die wir hier aus d.rn Munde von JsakS Zeitgenossen über ibn ßo:.u: ״ אתה עלה בל״ך?p bin ein wahrer Go::ur I " " ' - - - - - Ünb diese Hochachtung ist gewiß nur der sichtbarr R»r.ev lener reichen Tugenden, die yr wohl als Erb'chan von Abrabam übernommen hatte, die jedoch mit u:.vermin- -erter Kraft auch auS feinest eigenen Taten. .ו.;> 'seiner eigenen herzenvollenjWirksamkeit in die nu:le L^cssentlichkeit hinauSstrablte. Achtung auf den kleinen Anzeiger!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.