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Jüdische Volksstimme · 1906-03-15 · 6 (15.3.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
VII (1906)
Issue
6 (15.3.1906)
Date
1906-03-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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_«״. z»hr,.»,. «. Jidischi filkiitiina. Ar>u«»prrise: ,'■׳.i. Ciiftrtidi Ungarn hnNnährig . . . nroncn ■_><W 3A;1sjährt$.•Hroueu 3•--!(!:l'.HInn», ganzjährig.Marl 5.— •Hurle-nS, ganzjährig.:Hübet ■2-50 - Prag. - Ödinn, 15. UIKr> 100<>. 1א. Abnr 5(i(ili. Tie .Jüdische Polk-sttimme^ «iiiwint am 1. und 13. eines jeden Äonales. t->t1da»dlerische Vevlret»»-: Oll« Lte»», tei ßüg. Pott'parkanakoalo Rr. kOr.OM. Prag. vir drolirnde Gefahr von illorgcit. 30 ganz ״»ngesährlich״ ist ja eigentlich auch der jeinge;znstand nicht. Ter Willkür bestialischer Polizeiichergen auf Tod »nd Lebe» ansgeliefert, ganz in der brutalen (üciualt der wilden Nagaika- Helden >ich besindend, - ' walirlich: da» in'auch lerne rosige Situation. Ties ist etwas ganz Humlvies gegenüber der ״drohenden Mefnhr von ffioraen". »Wenn es bloss nicht schlimmer würde!" tr» js> ein alles Iudenwort, so alt wie das Golns, au den fiufterften Epochen der so leidensreichen jüdischen Erilgeschichte batte man nur den Wunsch, das; ,es nicht schlimmer würde". Mehr wagte man nicht;11 erhoffen, zu erflehen. Tenn ina:׳ Wichte es: das wäre ,ein vergebliches (riebet״. Ilnd das alte Indengebet hat auch jetzt »och seinen Platz nnh seine Bedeutung. Andere Seiten, andere lKebete, Aber die;seiten sind iin ('!runde nicht anders geworden. Trotz aller Wandlungen nt ,Tonn »nd Anssernng hat das Golus seinen ''!rnndcharakter behalten, lind so ist auch das alte ׳.!lebet geblieben: dag es nicht schlimmer würde!" Tb auch dieses ('lebet nicht ein ״vergebliches״ m- Alle;seichen deuten daraus hin, das; es noch .>,l!lm>nter" lvmmt, das! im Schone der nächsten Znlnnft etwas katastrophales lauert; das; jede» Augenblick mit erplviiver straft. hervotbrechen kan». Tie Atmosphäre ist von netter Pogrome vittt geschwängert. biene Prvgnome! Welch' ,ein entsetzlicher, tutiiü.iiiher t'ledanke! Und doch ist er »ns so gar niebt iremd, er ist uns beinahe ״vertrant" gewerden. Ter ״Pogrom" hat schon ״Bürgerrechte" •i.t letzten Phase unserer ('!eschichte erworben. Eigentlich in das ganze Erben der Inden int ,satinretche seit dem Beginn der achtziger Jahre ein nnnnterbrochener ״Pogrom", eine chronische .'!ata- Nroone: mir war dieser anhaltende Pogrom wemg: geräuschvoll: es war ein inneres, weltabge ichtonenes;snsammenbrechen. Tie russische Indenheit ltn iiumin, in starrer Berzweislung: sie litt ohne zu klagen״. Und da vergasze» manche im Anslande die Existenz der ״russischen Indensrage": und die meisten unserer westlichen ״(Glaubensgenossen״, welche an sie dachten, erwarteten und vrophezeiten die ״Lösung״ dieser ״,Trage" in der ״,vtciinnt" iclbft. Und da man sich in die ״inneren Augelegenheiten" eines sreinden Staates nicht hineinmischen könnte, so müsste man die Sache sich selbst nnd der natürlichen Entwicklung der Tinge über lassen. Es werde schon besser werden. Bis dahin inujsten sich die ״östlichen ('!kanbensgenossen gedulden was ihnen doch jedensalls möglich wäre. Tie Inden warteten in Geduld und es kamen .1!int»neu•, ,Homel. Es gab ein l'leränsch. Man wurde stutzig. Eitlen Augenblick schien die so benttetn gewordene nnd nicht ohne Blühe erlangte und erhaltene Seelenruhe gestört zn sein. Wer da aber glaubte, diese Seelenruhe wäre dahin, der unterschätzte die ״innere Straft" unserer westlichen ״('Ilaubensgenossen." Ist Israel doch der Meister des Tnldens nnd Pertrauen»! Besonders unschwer wird das Bertranen, wen» es sich — um Andere handelt, — seien es auch ,('Ilaubeusgenossen״. Ta waren gleich die ״Missivns'-Rabbiner zur Hand, die dnrch heilige Sprüche nachwiesen, das; Inda nicht verzagen ׳ dürfe, das; es für seine holte Mission C pser bringen ' »nd leiden müsse. Inwieiern die Schandnnd ('Ireueltateu der Hoolsgans in.liischinew die ״hohe Mission" des Judentums gefördert haben, haben jene Weisen allerdings anszuiühren nicht für nötig gehalten. Int ('Hauben an die endgültige Lösung der russischen Indenfrage in der ״.fxinuit" selbst blieben unsere westlichen .Glaubensgenossen" nicht alleiij: ein grvner Teil der ntssischen Indenheit selbst, besonders der Intelligenz nnd der radikalen Jugendelenteitte, gab sich diesem 1'llnubcit hin. Tie Einen vergasze» die in Westeuropa gemachten Ersahrnngen, die Anderen ignorierten dieselben und meinten: in Rntzland werde etwas ganz neues, noch nicht dagenesenes entstehen, ״eine demokratische Republik,״ Ta» kam dem Minister, der ein skrupelloser Polittker war, sehr gelegen, Tte Inden sollten ihm dazu dienen Pulte im Reiche zu schassen. Er verstand es die Unznsriedenhett der Böller von ihrer wahren Uriache abznlenken. indcm er sie aus die Inden hetzte und ihnen die Begierden der Bestie erzeugte. Tazn waren jene leicht zu bringen, denn tit sehr unwichtig zu untersuchen, ob sehr die Inden waren ihfiett fremd und ihre Bräuche ' י־,' tuivt( + ,,)»!*י«llrhi'lt*'II Feuilleton. Purim. Pon Ciud). 'nih .'iachrichten wirkliche geschichtliche Wahrheiten ctnn ltcn oder nur Sagen sind. Es in nnwejentlich, d!' •..׳ (Geschehnis den nnd den bestimmten be r:,h: ::11 Berlans genommen, wesentlich ist da» Bild des ״ cichehttisses. Und Sagen sind geivin. Bilder von Vairklichkeiten. Teiche ereignete» sich auch in den Tagen -lh,.:,tos, desselben Ahasveros der über ein W. :lietchherrschte, ein Wohllüstling und unt. h-z war. Er kannte kaum die Namen der Jolle:, die ihm untertan waren, nnd war von einin.,• Ratgebern umgebe», die ihn bestimmen ldnntr.t zu allem, wonach ihnen gelüstete, Ta brachen Unruhen in dem Reiche auS, denn *י' Volker litten unter der Willkür des Königs, und man trachtete nach seinem Leben. Ein Jude, lacht begreifen mochte, wie man durch Mord etwa•( ״inins erkämpfen konnte, verhinderte den an'chlag. Er gehörte zu denen, die streng am T'’? ieithicltcn, das Königstreue zu einer der ketten Pflichten machte. Andere Inden gab es, die sich nicht beugen wollten dem Joche, die zu den Anfrührern sich Mellten und dem ersten Minister deS Königs, dem wächtigen Haman die Reverenz versagten. begrinen sie nicht. , Ein grimmiger ,Pas; gegen die Juden erfüllte ihn und er gedachte das ganze Volk auszurotten. So sprach er zum König: Ta itt ein Bolk;er itreut und versprengt unter die Völker, durch alle Landschaften deines Königreichs, deren Gesetze unterschieden sind von denen der andern Völker, aber daS Gesetz des Königs halten sie nicht nnd dem König bringt eS nichts ein, wenn er sie am Lebe» lägt. Wenn es dem Könige gefällt, werde ausgeschrieben sie zn vernichten, Ter willenlose und urteilslose König verstand seine Ratgeber kaum und gab seine Zustimmung. Ta wurden int Geheimen durch Eilboten Briese in alle Landschaften des Königs geschickt mit dem Befehl, zu vertilgen, zn würgen und zu vernichten alle Inden, jung und alt, Kinder und Weiber, An die Satrapen des Königs wurde geschrieben, an die Landpfleger nnd an die Cbcrn eine» jeden Volke», filtern jeden in der Sprache, die am leichtesten zum Ziele führte. Inrchtbar ivnstqten die Mordbanden, ,ie schonten auch , das nhschnldigste Leben nicht und raubten den liberlebenden ihr Hab und Gut. Ta bemächtigte j sich Entsetzen de» jüdischen Volke», in Sack und Asche gehüllt, wimmernd vor wofür Westeuropa noch keine Beispiele hal e. In diesen; neuen Staatsgebilde werde auch die :»denfrage eine״ neue, endgültige, vollständige;ösung finden, »nd da kam der 30. Cftober, tut ״die Geburt des neuen Rnnland" brachte. Wie j ibelten da nchere Heifzsporne! Tie .vollständige״ ilösung der Indenfrage sahen ftg. bereits ganz nahe bevorstehen. I ' Gleich daraus kam iin Vorgeschmack der .vollständigen Lösung״ — Noch nie erfolgte der Richterioruch d r ">eschichte mit solch״ unheimlicher Schnelligli 1t wie diesmal: und noch nie war er so vernichte» >. Tas ״Nene Russland" erhielt seine Tanie in Strömen jüdischen Blutes . . . Jüdisches Blut! Wo und wann ist e• nicht vergossen worden? Welcher Ilecken Erde ist von ihm nicht getränkt tvorden ץ Tas letzte Blatt ,unserer Leidensgeschichte ist jedoch das schwarzes e und sürchterlichteste! Sonst pflegte man einen Vc rwand, wen» auch noch so wahnwitzigen zu suck: :n, um Inden totznschlagen: da boten das Versck winde» eines Ehriftenkindes oder eine Bttinnenvet!ftftnng willkommene «'!elegenheit da;״. Tder man schützte religiöse Motive vor. Tie Kreuzzüge wnri en im Namen Ieiu unternommen. Tem Verbrenn n von Inden ans den spanischen Scheiterhaufen :Willen erhobene Pfaffen Hände die ״göttliche Weihi״ und mit den Ranchwolken stiegen die Töne ״aisdachts voller״ Ehoralgesänge zum Pimmel -empor. Tas war alles im ״finsteren Mittelalter״. Jen! aber leben wir im ״Zeitalter der Zivilisation". Man in jetzt ״wahrheitsliebender" und ״mutiger" geworden. Wozu auch die religiöse Heuchelei? Wov> noch Vorwände »nd Ausreden suchen? Selbst »er ruf fische Mnichik ist in dieser Beziehung tueifer als der beschränkte Spanier des 15. Iahrlnlnderts. lind so ging man am hellichten Tage, ohitepeitere Erklärungen and Vorwände, von Hans zu Hans »nd schlug die Juden tot und warf jüdischef Kinder z» de» ,Tenstern hinaus und schändete ftidijche Mütter n,id Töchter nnd veniichtete jiidiichs: Hak׳ bitterer Not, eilte» sie slüchten.d durch die Ttädte. In ihrer Bedrängnis; wandten sich die Juden an ihre Volksgenossen, die Macht bejas en im Lande, die geflissentlich ihre Abstammung zu verbergen suchten. Tiefe empfahlen den Bed tätigten zu ,Tasten und zn beten nnd ruhig zn bleil en. Sie blieben auch nicht untätig, B tt viel Klugheit vereinigten sie ihre Kräfte, um Sen gesährlichen Minister zu vernichten: es gelaig ihrer Macht ihn zu ,Talle zu bringen und sie fro;lockten darüber, da sie da» Volk gerettet glaubten. In der Lust aber ichwebte das Schnürt über den Juden, das da und dort ntederftel, ihn Hasser blieben von Mordbegier und Plünderui gsincht ' erfüllt. Ta fanden sich unter den Juden vi le, die trotzigen Mut bentfielt, sie versammelten sich zu kämpfen für ihr Leben, zu venilgen, umzn,׳ringen und zu vernichten alle Kriegsmacht des Volles und der Landschaft, die sie angreisen würden. »nd eS kamen noch schwere Tage ür die Juden. Ter entfachten Mordlust war einn al da» Privileg gegeben worden, und kein noch so mrchtrger Befehl vermochte sie zum Stillstand zu bri! gen. ׳ In den Juden aber erwachte Heldenl lut, sie waren nicht mehr die Läihmer, die sich fei!lachten; liehen. In allen Landschaften des Könic s versammelten sie sich und standen für ihr Leten und erschlugen ihre Hasser. So tilgten sie die < chinach der Vergangenheit hinweg, die sie Ergebung gelehrt hatte, »nd alle Obersten der Landschaften und die Satrapen und die Landpfleger und Schaft!er des Königs hielten die Juden hoch in Ehren, denn ihre blutige Gegenwehr hatte jene in tiefe ,Turcht versetzt. ^Verbreitet den ,,Jüdischen Wolkskalender".

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